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Kultur Neues von Ida Mae, Powerwolf und Elizah Shaddad
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MAZ-Musiktipp: Neues von Ida Mae und Powerwolf

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10:05 16.07.2021
Manchmal wird es ganz schön kratzbürstig: Ida Mae.
Manchmal wird es ganz schön kratzbürstig: Ida Mae. Quelle: Promo
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Potsdam

Man sollte sich vom beseelten, verträumten Stück über die „Straße nach Avalon“ nicht einlullen. Sie sind nur Einstimmung. Denn gegen Ende blitzt bei Ida Mae kurz die dreckige Gitarre auf. Schon hat uns der rohe Blues in seinen scharfen Klauen, den Stephanie Jean Turpin und Chris Turpin aus Norfolk so gut hinbekommen. Ach, dem britischen Duo, das sich neben schweren Stampfern immer mal wieder in langsame, grandiose von Piano, Mellotron und Synthesizern kreierte Atmosphären zurückfallen lässt, hilft Marcus King aus South Carolina beim Solo auf die Sprünge. Nicht nur einmal. Noch ein anderes Saiten-Ass ließ sich beim Einspiel der Platte „Click Click Domino“ (Thirty Tigers/Membran) nicht lumpen – Jake Kiszka, den man von den schwer angesagten Classic-Rockern Greta Van Fleet kennt.

Auf der Suche nach Alternativen

Hart, hymnisch, eingängig, orchestral und nicht gänzlich frei von Ironie – das bleiben Powerwolf auf ihrem Opus „Call Of The Wild“ (Napalm Records). Das wilde Rudel aus Saarbrücken zeigt sich erneut kampfbereit um den deutschen Thron der Metaller. Mal sehen, wie es sich am Jahresende geschlagen hat mit seiner Bombast-Messe.

Haben die Türken den Blues? Jedenfalls Caglayan Örge, Suna Suner und Sarp Keskiner haben ihn. Er schlummerte über 20 Jahre auf einer Kassette. Man kann von einer fabelhafteb Entdeckung sprechen, die dem Vergessen entrissen wurde und nun auf Digitalplattformen verfügbar ist. Als Mama & Friends zeigen die drei auf „Mama’s Bag“ (Bone Union Records) wie extrem tief sie in Delta-Blues und Gospel eingestiegen sind.

Sie passen zum Sommer wie die Drinks am Pool. Die Stücke der Kalifornier Dirty Heads. Neben ihrem Hit „Vacation“ sind allerlei andere locker-flockige Stücke auf „The Best Of Dirty Heads“ (Better Noise Music) versammelt. Die pendeln irgendwo zwischen ganz viel Pop und Reggae, zwischen etwas Hip Hop und ein bisschen Rock. Prima Party-Mucke.

Stephen Fretwell sagt, im Studio in Soho seien die Stücke nur so aus ihm herausgepurzelt. Eines nach dem anderen. Im Gestus jedoch sind die Lieder des Songwriters sparsam, akustisch und delikat. Ins Nachdenken versunken spielt Fretwell, bald 40, die Gitarre. Dazu etwas Bass oder Elektronik. Mehr braucht er auf „Busy Guy“ (Speedy Wunderground/Pias) nicht für die weit gespannte Reflexionen über Leben und Tod und allem dazwischen. Gelöst und durchdacht.

Ida Mae, da besteht kein Zweifel, beherrschen dieses prickelnde Wechselspiel aus akustischen und elektrischen Elementen. Sie halten kurz inne – dann explodiert ihr Zusammenspiel.

Clapton und kein Ende: die Tedeschi Trucks Band. Quelle: Dave Vann

Diese Bande scheinen unauflöslich. Kurze Rückblende: 2006 steht Eric Clapton in der Wuhlheide auf der Bühne. Nicht nur dass alle den Gitarristen sehen wollen, den manche seit den sechziger Jahren für Gott halten. Nein, der Meister hat der einige Begleiter dabei, die ihren Instrumenten so einiges entlocken können. Neben Doyle Bramhall und Robert Cray ist es insbesondere Derek Trucks, der 1999 zu den Allman Brothers stieß und durch sein brillantes Spiel auf der Slide-Gitarre auffällt. Mit seiner Frau, der Sängerin Susan Tedeschi, formierte Trucks die Tedeschi Trucks Band. Sie unternimmt auf „Layla Revisited – Live At Lockn’“ (Fantasy/Concord/Universal) eine erneute Befragung des Materials, das Clapton unter dem Namen Derek and the Dominos eingespielt hatte. Nur 50 Jahre später und mit Trey Anastasio (Phish) auf der Bühne stellt sich heraus, dass die Stücke so gar nichts an Kraft eingebüßt haben. Dank dieser vorzüglichen Fähigkeiten dieser Jam-Band und ihrer beiden Anführer kommt die ganze Chose zunehmend mächtig in Fahrt. Da kommt Freude auf.

Verbindet unterschiedliche musikalische Erfahrungen: Elizah Shaddad. Quelle: Promo

Sanftmütig, bisweilen gedämpft, doch dabei textlich höchst präzise – das konnten vor Eliza Shaddad schon andere Sängerinnen. Hier bitte, je nach Alter und Erinnerungsvermögen, eine oder mehrere Vorgängerinnen einsetzen! Doch diese Frau, sie studierte Philosophie und Jazz, packt einen mit den Beschreibungen ihrer Gefühlswelten. Wie im titelgebenden Stück zu ihrem vorzüglichen Album „The Woman You Want“ (Ferryhouse Productions/Rough Trade). Darin geht es um Erwartungen, die der Partner hat oder haben könnte. Und die eben nicht unbedingt, mitunter nur für eine Weile, den eigenen Absichten oder Vorstellungen entsprechen. Erfüllte Zweisamkeit ist nicht einfach nur da. Autonome künstlerische Wahlmöglichkeiten waren in Cornwall während der Pandemie für Elizah Shaddad, die schottisch-sudanesischer Herkunft ist, bedeutsam. So formte sie ihre elektrisierende Elegien im Schlafzimmerstudio mit BJ Jackson, dem Produzenten und Ehemann. Ein zartes Gespinnst aus Folk, Rock und Pop, das afrikanische wie westeuropäische Bezüge vermählt.

Von Ralf Thürsam