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Kultur Neues von Jeanette Hubert, Guacáyo und Kansas
Nachrichten Kultur

MAZ-Musiktipp: Neues von Jeannette Huber und Guacáyo

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10:15 28.05.2021
Hat – fast – alles im Alleingang gestemmt: Jeanette Hubert.
Hat – fast – alles im Alleingang gestemmt: Jeanette Hubert. Quelle: Marcel Ahl
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Potsdam

Jeanette Hubert kann eigentlich alles. Allein: Im Split-Screen eines ihrer Videos ist zu sehen, wie sie in einem Zimmer mit schrägen Wänden sitzt, Gitarre und Bass anschlägt, Trommelfelle streichelt und noch viele andere Sachen tut. Und ja, die Berlinerin, die behutsam die musikalischen Bausteine miteinander verbindet, singt auch noch. Beachtlich. „Home“ (Waterfall Records/Broken Silence) hat sie ihr jüngstes Album genannt, das ja in Heimarbeit, aber auch an anderen Orten entstanden ist.

Auf der Suche nach Alternativen

Schon das wichtige Album „Leftoverture“ wurde zum 40. Jubiläum seiner Veröffentlichung auch live aufgeführt und aufgezeichnet. Nun legen Kansas mit Live-Aufnahmen ihres Klassikers „Point Of Know Return Live & Beyound“ (Inside Out Music/Sony) nach. Zur Gänze und samt vielen weiteren Stücken aufgeführt von den Originalmitgliedern Phil Ehart (Schlagzeug), Leadgitarrist Richard Williams und weiteren Könnern, auch an – der Geige. Im fünften Jahrzehnt ihres Bestehens liefern die Progressive Rocker aus dem kanadischen Topeka uneingeschränkt eindrucksvolle Auftritte ab. Die bestechende Form ist nun auf einer Doppel-CD dokumentiert. Für 2022 sind hierzulande Konzerte gebucht. Wenn alles gut geht.

Tastend strecken die Mitglieder des Portico Quartetts ihre Fühler aus: In diesem Fall erobern sie das neue musikalische „Terrain“ (Gondwana/Groove Attack) mit perkussiven Mustern auf dem Hang – einem Instrument, das es noch gar nicht so lange gibt, Und mit kleinen Melodien auf dem Piano, die, ergänzt um Streicher und Saxofon, zu einer minimalistischen Abfolge von drei Stücken fügen. Mit kreisenden Bewegungen und Raum für Steigerung und Improvisation.

Hamburg II: Stellen Sie mal vor, dieses deutsch-britische Duo offenbart uns die dunklen Seiten des Rockabilly. The Voo erkunden auf ihrem „DreamRocknRoll“ (Houdini Records/Harmony Terrorists) wie sich fein variiert im Tempo und mit ausreichend Reverb für die Gitarre der Sound der 1950er Jahre mit Surf, Störgeräuschen, jazzigem Flair oder Rock verquicken lässt. Und: So effektvoll im Einsatz haben Sie den Kontrabass noch nie gehört.

Den Rückzug in die eigenen vier Wände haben ja viele Künstler antreten müssen. Daheim fand Jeanette ihr eigenes Tempo für ihre zwanglos hingetupften Stücke. Die einen Schimmer von Soul, Jazz und Folk-Pop tragen. Das klingt zumeist intim. Bisweilen bewusst reduziert auf Stimme und Akustikgitarre – wie am Anfang mit der Tasse Kaffee auf dem Sofa. Durch die Lieder strömt Wärme und bisweilen eine sanfte Melancholie. Sie leben von besonnenen Beobachtungen, besonderen, da einzigartigen Begegnungen und gescheiten Gedanken.

Für den Kopp: Reggae und Pop: Guacayo. Quelle: Promo

Es wird wohl endlich Frühling. Die Sonne scheint auf dem Siegeszug. Dazu senden Guacáyo aus Hamburg eine freundliche Grußbotschaft. Denn vornehmlich ein entspanntes Reggae-Feeling steckt in den sieben Stücken des Kurzalbums „Lemonade“ (Superlaut/Edel). Erfrischend – diese tief pumpenden Bässe, die wummernden Dub-Elemente und der freche Gesang von Sophie Filip, die Palmen, Natur und vor allem menschliche Wärme vermisst. Doch bei all dem wohltuenden Schaukeln, das der poppige Off-Beat unweigerlich erzeugt, Guacáyo erzählen auch von der Verwirrtheit in den Köpfen, erzeugt durch Lockdown und Corona. Sie sprechen über Umweltschutz, den jeder ein wenig befördern kann. Überhaupt: Es kommt auf Kopf und Herz an. Und von letzterem ganz viel.

Glückwunsch an eine äußerst verlässliche Größe im Southern Rock: Blackberry Smoke. Quelle: Promo

Geradeheraus, großmütig und mehr als nur gefällig – bei Blackberry Smoke bekommt man, was man sieht. 20 Jahre gibt es die Band. Auf „You Hear Georgia“ (Thirty Tigers) singt sie sich selbst ein Ständchen. Warum auch nicht. Denn der Fünfer steht für satten Südstaatenrock, der manchem Flirt mit Country nicht ausweicht und den Blues kennt. Und der Freunde hat wie Warren Haynes (The Allman Brothers Band). Der lässt die Gitarre in Höhen singen wie kaum ein anderer. Ein besonderer Studiogast war zudem Jamey Johnson. Schon lange ist der 45-Jährige bestens vernetzt in der Country-Szene. Zumal er viele Größen mit Songs versorgt.

Von Ralf Thürsam