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Kultur Neues von Leah Blevins, Willy Mason und Los Lobos
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MAZ-Musiktipp: Neues von Leah Blevins und Los Lobos

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10:05 06.08.2021
Legt ein überragendes Debüt hin: Leah Blevins.
Legt ein überragendes Debüt hin: Leah Blevins. Quelle: Promo
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Potsdam

Schon als Achtjährige war Leah Blevins fasziniert von Worten. Die zweifellos eine mächtige Wirkung haben, denkt man an ihren musikalischen Hintergrund. Denn im Leben ihrer Familie in Kentucky wurde immer Musik gemacht. Dort hatten Country und Gospel einen ziemlich wichtigen Platz. Großeltern, Tanten, Onkel sangen in einem Gospelchor. Ein prägender Einfluss für die junge Frau, die Klavier und Gitarre spielt und die schließlich nach Nashville zog. In die Country-Metropole fand sie – ihre Worte. Auf ihrem berückenden Debütalbum „First Time Feeling“ (Crabtree/Thirty Tigers/Membran) erzählt sie ihre Geschichten. Die nicht einfach nur beschreiben, wie man erwachsen wird. Sie handeln von Hoffnungen und Träumen. Und von Verletzungen, Zweifeln und Schwierigkeiten.

Auf der Suche nach Alternativen

Peter Piek ist nicht zu halten: Der malende Musiker hat erst im vergangenen Jahr „The Time Travelling“, seine vertonte Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn nach China, vorgelegt. Nun wandert der musikalische Maler am Fluss seiner Kindheit entlang, der Zschopau. „Walking Zschopau“ (Backseat/Soulfood) indes ist ein Live-Album. Und ein Versprechen, das Peter seinem Fan Melissa in New York gab und das er nach zwölf Jahren einlöst. Klavier und Gitarre stehen bei ihm im Leipziger Atelier gleich neben der Staffelei. Malen und musizieren sind jene kreativen Tätigkeiten, die sich stets überlappen, einander bedingen und beeinflussen. Die Stücke mit viel Lo-Fi-Charme wirken wie rasch hingeworfene Skizzen. Bisweilen sehr schnell gespielt und mit hoher Stimme vorgetragen. Immer ist also das Unfertige dabei. Weil dann das Kino im Kopf beginnen kann. Mal sehen, wohin es Peter beim nächsten Mal zieht. Und was, er dann zu singen hat.

Einen höchst erbarmungslosen Tanz führen Xalpen auf. Die Schwarz-Metaller aus Chile katapultieren sich auf „Sawken Xo’on“ (Black Lodge/Rough Trade) weit zurück. In eine Zeit der Schamanen. Eine extrem rohe Ära, gespiegelt durch die entfesselte Musik dieses Dreiers. Er beschwört uralte Mächte. Lädt Hexen und Dämonen zum Todesreigen. Heftiges Debüt.

Dieses Quartett aus Schweden ist auch nicht von schlechten Eltern: Die Mitstreiter von Sweet Teeth haben alle eine laute Vorgeschichte. Die auf „Acid Rain“ (Lövely Records) zu spüren und keinesfalls von Nachteil ist. Wir bekommen eine hochenergetische ruppige Scheibe. Die Punk, Alternative Rock und Pop mixt. Lärm, Liebe und süße Melodien.

Überlänge ist das Format, mit dem sich Birth gern ausbreiten. Nur drei Stücke hat der Vierer aus Südkalifornien auf die gleichnamige Kurzrille „Birth“ (Bad Omen Records) gepackt. Auf der EP kann die Geburt einer Band aus dem Underground von San Diego nachgehört werden. Lange Orgelpassagen, Gitarren-Soli, mit Fuzz versehen und zum Crescendo gesteigert, einmal mit Gesang. Auf dem Trip werden progressiver und psychedelischer Rock mit Jazz-Flair verwoben. Nie macht es das Quartett unter sechs Minuten. Das Debüt soll folgen.

In Paul Cauthen und Beau Bedford hat Leah kongeniale Gestalter bei den Aufnahmen gefunden. Beide lassen ihre Gitarren singen, jubilieren oder grollen wie Wölfe, die ums Haus schleichen. Wie Loretta Lynn oder Dolly Parton legt Leah ganz viel Ausdruck in ihre Worte. Kraft und Verletzlichkeit dicht beieinander. Wie im herzzerreißenden Stück „Beautiful Disaster“ – das ist der Liebste für sie. Es geht nicht mit ihm. Und ohne ihn schon gar nicht.

Mit kritischem Blick auf seine Heimat: Willy Mason. Quelle: Ebru Yildiz

Willy Mason wirft sich nicht in die Pose des Weltverbesserers. Doch zeigt sich der Songwriter auf seiner aktuellen Platte „Already Dead“ (Cooking Vinyl/Sony) als einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Zumal er kritisch auf Amerika im 21. Jahrhundert schaut und bei allen Unzulänglichkeiten, die ihm auffallen – auch den persönlichen – Raum für Hoffnung, Liebe und Versöhnung lässt. Doch brutal ehrlich wie der 36-Jährige nun mal ist, setzt er eher auf die befreiende Wirkung, die Desillusionierung mit sich bringt. Sie klärt Kopf und Gefühle. Und verspricht keinerlei Sicherheit. Außer, man kämpft darum.

Liebeserklärung an Los Angeles: Los Lobos. Quelle: Piero F. Giunti

Gleich um die Ecke gibt es umwerfende Musik. Ganz Los Angeles ist voll davon, die Nachbarschaft von Los Lobos im Osten der Stadt nicht ausgenommen. Daher ist die Band seit fünf Jahrzehnten nicht abgeneigt, nach links und rechts zu schauen – und zu spielen, was die diese unglaubliche Stadt zum Summen bringt. Mexikanische Volksmusik auf Partys – das war einst der Anfang. Was nun dieses berühmte Summen und vielfältige Brummen angeht – dem widmet sich die jüngste Platte „Native Sons“ (New West Records). Los Lobos unternehmen eine Stadtrundfahrt. Mit 13 Stopps. Die Tour beginnt mit „Love Special Delivery“ von den Thee Midniters und endet beim souligen „Where Lovers Go“. Bei ihrem lockeren Streifzug treffen Los Lobos auf Rock’n’Roll, Surf, Mariachi, Punk und Country. Klar wird auf dieser Reise: Los Angeles ist für immer in den Herzen der Musiker. Für immer ihr Heim.

Von Ralf Thürsam