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Kultur Neues von Marion & Sobo Band und Buckcherry
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MAZ-Musiktipp: Neues von Marion & Sobo Band und Buckcherry

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10:11 25.06.2021
Lassen sogar Drachen tanzen: Marion & Sobo Band.
Lassen sogar Drachen tanzen: Marion & Sobo Band. Quelle: Alessandro DeMattejs
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Potsdam

Da gibt es zwar diesen minimal melancholischen Auftakt, doch dann haben Marion und die Sobo Band aus Bonn ihre Zuhörer sofort gepackt. Denn der Gypsy Swing hat sie nach kurzer Zählzeit gepackt. Ach, Marion. Ihre famose Stimme hüpft, fleht und raunt. Mehrsprachig. Derweil folgt die französisch-deutsch-polnische Spieler-Vereinigung nicht nur der Sängerin, sondern nimmt sich einfach den Raum, den sie benötigt. Nicht einmal nur swingen sich Geige und Gitarre zu umwerfenden Soli auf. Der gestrichene Bass schafft sich Platz. Zwischen Chansons und Improvisiertes mischen sich Töne vom Balkan und perkussive Überraschungsmomente. Mit der Franko-Amerikanerin Marion malt der Vierer unfassbar stimmungsvolle Geschichten, in denen schon mal ein tanzender Drache vorkommt.

Auf der Suche nach Alternativen

Alle Zeichen stehen auf Angriff: Alarmierend gut kommen Buckcherry auf „Hellbound“ (Earache/Edel) ihrer Mission nach. Rock ‘n‘ Roll. Sonst nix. Dieser Auftrag der fünfköpfigen Truppe aus Los Angeles geht direkt in die Lauschlappen und haut in die Magengrube. Album Nummer neun ist ein effektvoller Kracher. Punkt!

Wer einen Sänger wie Chris Ellis hat, der kann sich glücklich schätzten. Denn sein biegsamer, bisweilen zur Ekstase gesteigerter Gesang passt zum subtil nuancierten Soul-Rock der Schweizer. Die Ellis Mano Band auf „Ambedo“ (Jazzhaus/In-Akustik) schöpft immer wieder auch aus einer weiteren Quelle – inspiriertem Blues. Reife Leistung.

Musiker, die bei King Gizzard & The Wizard Lizard angestellt sind, haben alle Hände voll zu tun. Doch Kenny Smith und Cook Craig probieren sich noch woanders. Als The Murlocs legen die Australier mit Kumpels „Bittersweet Demons“ (ATO Records/Pias) vor. Kantiger Garagen-Rock mit Blues, Pop Appeal und so einigen Hymnen.

Wer wie Deathchant aus Los Angeles auf „Waste“ (Riding Easy Records) direkt am Hard-Rock von Thin Lizzy andockt, am Lärm und an wilden Soli der pro-metallischen Ära oder am Grunge, der hat in sieben herunter gejammten Songs alles richtig gemacht. Der Sound dieses Vierers bietet allerhand Kurzweil, den kann man nicht zerstören.

Das Stück „Die Badwanne voller Bier“ indes ruft eine von vielen Sommerpartys ins Gedächtnis. Doch es taucht trotz der Feierlaune in der WG auch die Frage auf, ob das ewig so weiter geht – besonders das mit dem liebsten Wegbegleiter. Also, Flasche leer? Man wird sehen. Auf „Histoires“ (GLM/Edel) aber lassen Marion und die Sobo Band nicht den leisesten Zweifel daran, dass ihr Hunger aufs Leben längst nicht gestillt ist.

Flamenco mit Kick: Alejandro Valdés Y Palo De Agua. Quelle: Daniel Hernandez Pausa

Das Wunderbare an Kuba ist seine Überfülle an Musik. Nicht nur, dass es Mitte der 1990-er Jahre gelang, den großen Alt-Stars die ihnen gebührende weltweite Aufmerksamkeit zu verschaffen – gerade wird eine Jubiläumsausgabe der Aufnahmen des Buena Vista Social Club vorbereitet. Doch damit nicht genug: Der Gitarrist Alejandro Valdés und sein Ensemble Palo De Agua werden in ihrer Inselheimat gerühmt. Nicht von ungefähr. Denn sie verhelfen dem neue kubanischen Flamenco zu ungekannter Blüte. Sie lassen es an Passion, Mut und Geschick nicht fehlen. Denn auf dem Album „Calles del Olvido“ (Clasicós Latinos/Naxos) finden sich nicht nur die mit Bravour präsentierten klassischen Elemente. Ganz unorthodox beziehen Valdés und Co. andere Stile mit ein: Dudelsack und Violine sorgen für einen irisch-keltischen Touch. Kleine Rückblende: Eine Verbindung zwischen europäischen Auswanderern und Klänge Lateinamerikas legten die Chieftains aus Dublin mit dem galicischen Dudelsack-Star Carlos Nunez bei ihrer Kooperation für „Santiago“ offen.

Jung und verdienstvoll: Vincent Neil Emerson. Quelle: Promo

Colter Wall – im anschmiegsamen Miteinander von Country, Folk und Western kommt an ihm aktuell niemand vorbei – hat Vincent Neil Emerson einen großen Freundschaftsdienst erwiesen. Der Kanadier nahm den Texaner mit der warmen Stimme mit auf Tour. Seine Bekanntheit wuchs. Nun liegt seine Platte „Vincent Neil Emerson“ (La Honda/Thirty Tigers/Membran) vor. Darauf macht der Songwriter eine ausgesprochen gute Figur, denkt man nur an legendäre Vorgänger wie Townes Van Zandt oder Guy Clark. Emerson hatte sich lange mit Gelegenheitsjobs herumgeschlagen. Im Vorjahr wie viele andere in die Quarantäne gezwungen, entstand nun Song um Song. Der Balladier kommt auf den Selbstmord seines Vaters zu sprechen. Oder die Choctaw-Apachen, denen seine Mutter teils entstammt. Dieser Stamm wurde noch in den 1960-er Jahren in Louisiana dazu gezwungen, sein Land aufzugeben und der Regierung zu verkaufen. Neben Bluegrass ist gibt es in den Stücken einen irischen Einfluss – alles Handwerk mit Klasse. Als Produzent machte sich übrigens der von Emerson verehrte Rodney Crowell verdient: Von ihm ist demnächst Neues zu hören.

Von Ralf Thürsam