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Kultur Neues von The Flatlanders, Noslen Noel und The Wallflowers
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MAZ-Musiktipp: Neues von The Flatlanders, Noslen Noel und Wallflowers

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10:05 09.07.2021
Drei gute Freunde: The Flatlanders.
Drei gute Freunde: The Flatlanders. Quelle: Jay Blakesberg
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Potsdam

Kommen Butch Hancock, Joe Ely und Jimmie Dale Gilmore zusammen, dann stehen 225 Lebensjahre auf der Bühne. Immerhin. Und die Freundschaft dreier Männer, die seit 1970 immer wieder gemeinsam musizieren – als The Flatlanders, gegründet in Texas. Über all die Jahre riss der Kontakt nicht ab. Gerade während der durch die Pandemie erzwungenen Isolation stellte sich heraus, dass mal Aufnahmen zu einem Album liegen geblieben waren. Also machte sich der Dreier daran „Treasure Of Love“ (Rack’Em Records/Thirty Tigers/Membran) fertigzustellen. Die alten Haudegen mochten dabei nicht nur auf eigenes Material zurückgreifen. Sie wischten mit ihren Produzenten Lloyd Maines und Sharon Ely gleich ein wenig Staub von einigen Klassikern aus Folk und Country, darunter „Give My Love To Rose“. Großen Songwritern wie Bob Dylan oder ihrem Landsmann Townes Van Zandt erweisen sie mit „She Belongs To Me“ oder „Snowin’ On Raton“ die Ehre. Humor und Spielfreude sind den drei, das merkt man, nicht eine Minute abhanden gekommen.

Auf der Suche nach Alterativen

Saitenarbeit I: Der Debütant Noslen Noel greift auf „Con Sentimiento“ (Clasicós Latinos/Naxos) zur kubanischen Laute. Und wie. Meisterlich lässt der 19-Jährige seine Finger über das besonders geformte Instrument mit den zwölf Saiten tanzen. Noslen beschwört mit seinen Begleitern nostalgische Gefühle herauf. Erinnerungen an ein Kuba wie es der Buena Vista Social Club mit seinen grandiosen Alt-Stars tat. Wieder einmal ist es dem vor zwei Jahren gegründeten Label Clasicós Latinos gelungen, einen Schatz der lateinamerikanischen Musik zu heben – und sein offen gefächertes Repertoire um eine bemerkenswerte Nuance zu erweitern.

Saitenarbeit II: Größer könnte der Kontrast nicht ausfallen. Zwar ist das schwarz-metallische Chaos, das Mayhem „Atavistic Black Order/Kommando“ (Century Media Records/Sony) entfesseln nicht einmal 24 Minuten lang. Doch dafür komplett niederschmetternd. Die Pioniere des Genres aus Norwegen veröffentlichen neues Material im EP-Format. Wer mag, kann die Spurensuche ihrer Herkunft fortsetzen: Gleich vier Punk-Coverversionen – von Discharge, Dead Kennedys, Rudimentary Peni und sogar den Ramones – weisen den düsteren Weg.

Und die Bande der Freundschaft halten. Seit Anbeginn. Seit die drei in den frühen Siebzigern zunächst örtliche Bekanntheit erlangten. Seit gelegentlich Willie Nelson sich ins Publikum der Flatlanders mischte. Butch, Joe und Jimmy – drei starke Charaktere – bringt nichts auseinander. Vielleicht auch, weil die spät gerühmten Pioniere der Alternative-Country-Bewegung jeweils ihre eigenen Karrieren verfolgten. Und noch immer zusammenfinden.

Verlässlich und neu: Jakob Dylan hat mit The Wallflowers eine neue Platte eingespielt. Quelle: Promo

Dem Papa und Literaturnobelpreisträger Bob hat man unlängst zu seinem runden Geburtstag manchen Lorbeer gewunden. Während der 80-jährige Songwriter mit ziemlicher Sicherheit daran gehen wird, seine niemals endende Tour fortzusetzen, hatte sich Filius Jakob doch eine ganze Weile nicht zu Wort gemeldet. Beinahe zehn Jahre sind verstrichen. Nun hat der 51-Jährige mit seinen personell neu aufgestellten The Wallflowers „Exit Wounds“ (New West Records) vorgelegt. Ihre Platte fasst den Hörer an – mit einem unmodischen, grundehrlichen, in vielen Teilen besonderen, in der Mehrzahl elektrifizierten, den Roots Amerikas verpflichtetem Rock‘n’Roll. Dieser nimmt Fahrt auf oder lehnt sich entspannt zurück, wenn nötig. In reizvollem Kontrast steht der Gesang von Jakob und Gast-Star Shelby Lynne.

Spürt nun dem Soul der Südstaaten nach: Lucinda Williams. Quelle: Promo

Nach der Huldigung für den großartigen Tom Petty öffnet Lucinda Williams erneut ihre Jukebox. Sie widmet sich in ihrem nächsten Studio-Konzert während der Pandemie dem Soul der Südstaaten. Die mehrfache Grammy-Preisträgerin – sie stammt aus Louisiana – kann sich auf eine inspirierende Band verlassen, wenn sie sich an die Klassiker wagt. Man höre nur „I Can’t Stand The Rain“. „Lu’s Jukebox Vol. 2 Southern Soul: From Memphis To Muscle Shoals“ (Highway 20/Thirty Tigers/Membran). Insgesamt sechs Teile soll die Jukebox-Serie einmal haben. Die Song-Sammlungen unterstützen übrigens jene kleinen Kneipen und Cafés, die Williams Zeit ihrer Karriere Unterstützung gewährten. Jetzt gibt die Musikerin ihren Dank zurück.

Von Ralf Thürsam