Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Neue Töne von: The Paper Kites, Israel Nash und den Starmen
Nachrichten Kultur

MAZ-Musiktipp: Neues von The Paper Kites und Israel Nash

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:11 12.03.2021
Die Australier laden sich viele Gastsängerinnen ein: The Paper Kites.
Die Australier laden sich viele Gastsängerinnen ein: The Paper Kites. Quelle: Promo
Anzeige
Potsdam

Die Songs von The Paper Kites fühlen sich an wie ein langsames Erwachen, wie ein behutsames Eintauchen in die Welt, wie ein zeitlupenhaftes Gleiten in den Tag. „Roses“ (Nettwerk) wächst mit dem jedem Hören. Besonders, weil es der fünfköpfigen Band aus Melbourne in aller ihrer zeitlupenhaften Bedächtigkeit gelingt, feine Balladen und glanzvolle Popstücke aus dem Ärmel ihrer Morgenmäntel zu schütteln. Der zweifellos beste Kniff für diese nur zehn neuen Stücke war es, Sängerinnen wie Julia Stone, Aoife O‘Donovan oder Lucy Rose und anderen allen nur erdenklichen Raum zu geben, den sie benötigen.

Lebt inzwischen im texanischen Hügelland: Israel Nash. Quelle: Chad Wadsworth

Nach dem Kurzalbum gleichen Namens geht Israel Nash nun mit „Topaz“ (Loose Music/Rough Trade) auf die Langstrecke. Und ja, jeder Song mehr von ihm ist willkommen von diesem Songwriter. Der Mann aus Missouri schafft eine wundervolle, beinahe könnte man sagen altmodische Schönheit, die den Stücken Seele einhaucht.

Auf der Suche nach Alternativen?

Die zwei sind sowas von dicke miteinander: Wenn Jimbo Mathus eine klitzekleine Melodie ansummt, dann greift Andrew Bird nach ihr und spinnt sie fort. Und umgekehrt. Geben und Nehmen. Gitarre, Violine, zwei Stimmen, die aufeinander eingehen. Beide kennen sich. Ihre gemeinsame Geschichte hatten die Erzmusikanten bei den Squirrel Nut Zippers. In „These 13“ (Thirty Tigers/Membran) steckt voller Lust und Könnertum, das zwischen Folk, Blues und Country hin und her schwingt. Sparsamst instrumentiert. Amerikanisch. Essenziell. Aufwühlend wie superb fällt ihre Version von „Beat Still My Heart“ aus.

Diese Bar in Santa Cruz ist ein Tummelplatz wie er besser nicht sein könnte. Gleich mehrfach genutzt von Neil Young und Crazy Horse. Wir schreiben das Jahr 1990. Das gigantische Album „Ragged Glory“ erscheint – nach einigen schrägen Veröffentlichungen der Achtziger - im September. Und nun das: Aus unversiegbar erscheinenden Archiven hievt Young das Doppelalbum „Way Down In The Rust Bucket“ (Reprise/Warner) ans Licht. Protokolliert ist nicht weniger als Arbeit im Progress am noch frischen Material und erfrischend dargebotene ältere Songs. Der Name der Bar? The Catalyst. Katalysator – kann als Brandbeschleuniger und Auslöser für ein höchst inspiriertes gemeinsames Feuerwerk gelten. Diesen 13. November behält man im Ohr. Voll im Saft preschen sie im Galopp über die Prärie.

Groove, Bläser und Soul, viele Gitarren zwischen Akustik und harschem Anschlag, die Nähe zum alten unangepassten Grummler Neil Young bleibt gegenwärtig. Nicht nur die Mundharmonika lädt diese Musik nach und nach mit Sehnsucht, Nachdenklichkeit und wohl auch Zufriedenheit auf.

Gut geschmückt in den Frühling: Starmen. Quelle: Calle Emilsson

Schweden und Sterne im Gesicht? Geht. Seit drei Jahren. Besonders bei den vier Starmen. In „By The Grace of Rock‘n‘Roll“ (Melodic Passion) besteigen die Jungs gut geschminkt ihren Sternenkreuzer, heben ab und landen. Zwar nicht in einer anderen Galaxie, wohl aber in einer fernen Zeit. Sagen wir in den Siebzigern des 20. Jahrhunderts oder kurz danach. Alle Posen stimmen. Glam, Hard und Classic Rock. Eine Freude.

Von Ralf Thürsam