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Kultur Neue Töne von: Witherfall, Baest und Spelljammer
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MAZ-Musiktipp: Neues von Witherfall, Baest und Spelljammer

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10:12 05.03.2021
Wutausbrüche gepaart mit intimer Akustik: Witherfall.
Wutausbrüche gepaart mit intimer Akustik: Witherfall. Quelle: Promo
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Potsdam

Es ist dieser bestimmte Rot-Ton: Von Farben lassen sich Witherfall nach dem Schreiben ihrer Stücke in deren musikalische Ausgestaltung leiten. Wie jüngst auf „Curse Of Autumn“ (Century Media/Sony). Nun, rot ist besetzt von Assoziationen wie Wut, Glut und Blut. Und so kommt es denn auch bei der Truppe aus Los Angeles. Das Quintett, das aus Mitgliedern von Sanctuary, Iced Earth oder Chon besteht, versteht sich auf einen furios abwechslungsreichen, dunkel-hymnischen Metal. Ein höchst dynamisches Drama, das von vielen Verästelungen des Genres gespeist wird. Das Pendel schlägt weit aus. Verflucht gut, dieser Fluch des Herbstes.

Aufsehen erregend: Mason Hill aus Glasgow. Quelle: Michael Bruce

Nicht einlullen lassen! Der atmosphärische Beginn wird nämlich rasch begraben unter fetten Riffs samt einem beeindruckend wühlenden Bass. Zum Glück. Überhaupt: Mason Hill aus Glasgow zeigen auf „Against The Wall“ (7 Hz Recordings/Warner ADA) ein beeindruckendes Muskelspiel. Alles schreit nach Stadion, nach Publikum, nach dem Big Bang. Nach einem komplizierten Anlauf legen Mason Hill ihr Debüt vor. Heavy und Alternative Rock im Mix. Keine Entschuldigungen für gestern. Keine Reue. Nur vorwärts.

Bösartig und hervorragend: Baest. Quelle: Promo

Einen giftigen Blick über seine Ländereien lässt der Herrscher der schweifen. Ein Todeshauch, was sonst wohl, liegt über dem Reich der Schatten, das BAEST auf ihrer jüngsten Platte „Necro Sapiens“ (Century Media/Sony) durchschreiten. Der finstere Fünfer aus Aarhus hat eine schändlich gute Platte für Freunde des Death Metal angerichtet.

Auf der Suche nach Alternativen?

Wenn die Sirenen gellen, dann sucht man besser nach Schutz. Die Einschläge sind furchtbar, vernichtend und zerstörerisch. Mit unendlich langsamen wuchtigen Schlägen zertrümmern Spelljammer aus Stockholm auf „Abyssal Trip“ (Riding Easy) die Welt. Sie steht – es gibt längst viele warnende Stimmen – vor dem Abgrund. Dorthin sind die drei Schweden schon längst entschwunden. Sie melden sich aus Versenkung mit kolossalen Konstrukten aus Doom und Stoner. Unten in der Tiefe gibt es eigentlich nichts mehr. Auch keine Hoffnung.

Wahre Knochenbrecher sind die neuen Songs von Flaming Wrekage. Die Australier treiben sich in der „Cathedral Of Bones“ (Blood Blast Distribution) herum. Vergessen wir nie, dass nicht nur durchgeknallte Psych-Rocker wie King Gizzard & The Lizard Wizard oder die Psychedelic Porn Cumpets den Ton angeben. Von AC/DC, den Altvorderen in Hochform, mal ganz zu schweigen. Dass es in einer schlimmen Welt noch ärger geht, dafür stehen Flaming Wrekage. Mit wütendem Trash und wilden Death Metal schlägt sich der Vierer durch.

Wer zeitgemäßen Metal mit zeitgemäßer Härte mag, der braucht längst nicht mehr nach Amerika zu blicken. Es reicht, vor die Haustür zu treten – und Dreamshade zu hören. Der Fünfer aus der Schweiz peitscht und kreischt adrenalingetränkten, dabei schlau strukturierten Brachial-Stücke auf „A Pale Blue Dot“ (Horang Music/Believe) in die Welt. Gut gebrüllt.

Genremerkmale bleiben von den Dänen unangetastet. Doch es mulmt auch schon mal mit doomigen Elementen. Es sirrt und flirrt wie bei progressiven Bands der härteren Gangart. Hier kommen Berserker in Baestform.

Von Ralf Thürsam