Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Neues von Yola, Son Volt und Loch Vostok
Nachrichten Kultur

MAZ-Musiktipp: Neues von Yola, Son Volt und Loch Vostok

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:05 30.07.2021
Von Bristol in die weite Welt: Yola.
Von Bristol in die weite Welt: Yola. Quelle: Joseph Ross
Anzeige
Potsdam

Die Träume von Stadien-Touren mit Chris Stapleton und den Black Keys zerplatzten für Yola wie Seifenblasen. Auch mit Festivalauftritten wurde es wegen der Pandemie im vergangenen Jahr nichts. Statt dessen ging es nach Hause. In Momenten der Einsamkeit und der Einsichten entstand „Stand For Myself“ (Easy Eye Sound/Universal), ihre erst zweite Platte. Yola Carter lässt sich nicht lumpen und brilliert erneut – kraftvoll oder gehaucht – mit einem umwerfenden Vokal-Vortrag – eingebettet in Pop, Disko der Siebziger und Soul. Und die Balladen der Sängerin aus Bristol erst. Wie gemacht für die große Bühne.

Auf der Suche nach Alternativen

Bis zu den ersten brachial langsamen Riffs und dem Grunzen aus dem Keller verbreiten Swallow The Sun auf ihrer Jubiläumsparty eher eine gepflegte, gedimmt frostige Düsternis. Ihre Veröffentlichung „20 Years of Gloom, Beauty and Despair – Live in Helsinki“ (Century Media/Sony) nimmt indes zunehmend Fahrt auf. Die Finnen spielen übrigens jene Songs, die sich ihre Fans per Abstimmung über die sozialen Medien am sehnlichsten gewünscht hatten.

Hinter Brain Damage verbirgt sich kein Schwurbel in der Birne, sondern Martin Nathan. Schon über 20 Jahre. Als Teil der französischen Dub-Reggae-Szene brachte er die Meets-Reihe an den Start. Jüngst traf Brain Damage also Big Youth für die Aufnahmen zu „Beyond The Blue“ (Jarring Effects/Broken Silence) in Jamaika. Seine Toasting-Qualitäten stellt Big Youth seit den Siebziger unter Beweis. Der Deejay-Pionier sprechsingt. Seinen beseelten, weisen Vortrag schickt Brain Damage nun durch Effekte und Hall-Kammern und kleidet ihn in Jazz, Blues, Rocksteady und Ska.

Man stelle den beiden nur zwei Steinway-Flügel hin, dann entfachen Ray Lema und Laurent De Wilde eine Magie, die Konzertbesucher wiederholt in den Bann gezogen hat. Der 75 Jahre alte Lema, noch in Belgisch-Kongo geboren, und De Wilde (60), schon als Kind aus den USA nach Europa gekommen, können hernehmen, was sie wollen. Afrikanische oder karibische Einflüsse, Klassik oder Jazz – auf „Wheels“ (Gazebo/Broken Silence) verweben sie sie zu einem pulsierenden, akzentuiert federndem, lyrischen Tasten-Werk. Herrlich.

Nicht nur, dass Antoine Boyer in Kreisen der Verehrer von Django Reinhardt einen vorzüglichen Ruf genießt. Der Gypsy-Jazz-Gitarrist aus Frankreich sucht nun eine neue Herausforderung mit Yeore Kim. Reichlich ungewöhnlich brilliert die Südkoreanerin doch auf der Mundharmonika. Auf „Tangram“ (Viavox/Broken Silence) bieten sie zwölf atmosphärisch ganz unterschiedliche gearbeitete Stücke; oft im Bandkontext von Saxofon, Klarinette, Bass, Posaune, Trompete, Bass und Schlagzeug. Boyer und Kim pendeln ungebunden zwischen Jazz, Anklängen an Musette, Flamenco und freiem Rock.

Und wer hat das alles zum Besten geregelt? Wieder einmal Dan Auerbach, der Gitarre spielende Teil der Black Keys. Als versierter Produzent hatte er bereits Robert Finley, Nikki Lane, Bombino oder Marcus King unterstützt.

Nicht nur der Blues, auch andere Musik-Traditionen Amerikas sind bestens aufgehoben bei Son Volt. Quelle: Ismael Quintanilla III

Immer ist es ein Vergnügen, wenn Jay Farrar sich mit Son Volt zurückmeldet. Jene Band, die der Songwriter gründete, nachdem Uncle Tupelo in Trümmern lagen. Deren anderer Nachfolger heißt - Wilco. Wie auch immer: Son Volt bekommen wieder einmal diese unfassbare glückselige Melange aus Country, Blues und Rock hin. Ihre zehnte Scheibe heißt „Electro Melodier“ (Transmit Sound/Thirty Tigers/Membran) – ein Bezug auf Verstärker, wie sie vor rund 70 Jahren Verwendung fanden. Farrar spinnt seine Geschichten und kann, wie er selbst sagt, Politisches kaum aussparen: So singt er über Amerika, ein Land in Zeiten der Pandemie und über die Leute, die darin leben. Mit ihren Schwierigkeiten, Hoffnungen und Träumen.

Melodisch einfallsreich: Grizfolk. Quelle: Matthew Coughlin

Immer wieder hören wir vom inspirierenden Einfluss den der Joshua Tree National Park auf Musikanten hat. Das fängt nicht erst bei U2, den Foo Fighters oder den Queens Of The Stone Age an und hört bei Grizfolk sicher nicht auf. Die Band, drei ihrer Mitglieder leben im Süden Kaliforniens und eins in Nashville, zogen sich in ein Haus bei Palm Springs zurück und tüftelten dort an neuen Stücken. Auf ihrer dritten Platte „Grizfolk“ (Nettwerk/ADA-Warner) bieten sie einer gefälligen, melodischen Melange aus Rock und Pop, angereichert mit etwas Folk hier, einer Prise Blues dort und reichlich Keyboards.

Fabelhaft finsterer Fünfer aus Schweden: Loch Vostok Quelle: Promo

Sechs Jahre später: Loch Vostok aus Uppsala stellen sich personell am Mikro und Bass personell leicht erneuert ihrem Publikum. Jonas Radehorn behält selbst in Kopflage jegliche Kontrolle über seine Klar-Stimme und Patrik Janson zeigt den Donner-Daumen am Tieftöner, ja, er slapt sogar. Loch Vostok klappern gekonnt auf der Klaviatur des Progressive Metal, die auf „Opus Ferrox – The Great Escape“ (Vicisolum/Rough Trade) sogar Elemente aus Djent, Pop-Hymnen und Death Metal einbezieht. So wird der Fünfer aus Schweden nie langweilig.

Von Ralf Thürsam