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Kultur Kreativ trotz Corona: Potsdamer Band John Apart spielt Online-Konzert
Nachrichten Kultur Kreativ trotz Corona: Potsdamer Band John Apart spielt Online-Konzert
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14:24 19.05.2020
Maximilian Sterr (l.) und Felix Noster bilden das Duo John Apart. Quelle: Varvara Smirnova
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Potsdam

Max und Felix haben ihre Anzüge über die Jahre abgelegt, das lief wie bei den Beatles: Einen Namen machten sich die Liverpooler noch in engen, gebügelten Hosen, doch als die Lieder reifer klangen, wurde die Garderobe zwanglos. Jeans und Hemd, nicht knitterfrei. Ähnlich zeigt sich die Entwicklung auch bei John Apart aus Potsdam, dem Duo aus Maximilian Sterr und Felix Noster, beide Mitte 20. „Die Anzugphase ist vorbei“, sagt Max, „wir sind keine Schülerband mehr, sondern spielen erwachsene Musik. Dafür braucht man keine Uniform.“

Was spielen sie genau? „Deutschpop, der immer tanzbarer wird, weil wir Elektronik drunterlegen.“ Das Rezept erinnert an die aktuelle Königin der Charts, an Billie Eilish, auch wenn die junge Frau aus Kalifornien Englisch singt. „Natürlich finden wir Billie megagut!“, erklärt Max, aber auch der deutsche Hip-Hopper Trettmann „hat geile Beats“.

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Sie suchen nicht mehr nach Vorbildern, wie vor zehn Jahren, als sie die Band gegründet haben – aber schwärmen können sie noch immer. Zum Beispiel von John Lennon, den Max verehrt, oder John Bonham, den Drummer von Led Zeppelin, den Felix bewundert. „John ist in der Rockmusik ein guter Name“, glaubt Felix, darum steckt er auch in „John Apart“. Das Apart wirkt wie ein Nachname, als Wort steht es für das Pikante, Besondere und Ungewöhnliche. Als Statement gegen den Mainstream.

John Apart klingen klug, das ist nicht immer hilfreich, um in den Charts zu landen oder bei den jungen Frauen. Das Ungehobelte steht hoch im Kurs beim Rock’n’Roll, auch darum hatte Felix ein AC/DC-Poster an der Wand, als er sich mit Max eine WG teilte. „Wenn ich zu viel Musik im Kopf habe, brauche ich AC/DC, dann bin ich wieder im Lot“, erklärt er. Während sie komponieren, halten sie sich das Geschrei der Band jedoch vom Hals.

So läuft es normalerweise bei Konzerten von John Apart: Viel Kunstnebel, Elektro-Sound und Felix am Schlagzeug. Nun kamen die Potsdamer für eine akustische Rooftop Session auf dem MAZ-Dach in ihrer Heimatstadt vorbei. Quelle: Christine Frank

Max steckt im Wirtschaftsingenieurs-Studium, Felix studiert auf Lehramt – unter Niveau schreiben sie keine Lieder. Sie sind nett, das verbergen sie in ihren Texten und den Melodien nicht. „Du brauchst ’ne Auszeit von dir“, singen sie im Lied „Kopf unter“. Trotzdem, oder gerade deshalb bringen sie das Potsdamer Waschhaus zum Platzen. 150 Leute passen hinein, 180 sind gekommen, als sie im Februar ihr 10-jähriges Bandjubiläum feierten.

Nicht nur das Publikum liebt sie, auch die Jurys des Landes haben ein Auge auf die Band. 2016 gewannen sie zunächst den Brandenburger NachwuchswettbewerbLocal Heroes“, beim Bundeswettbewerb landeten sie auf Platz drei. Deutschlands drittbeste Newcomer-Band! Wachsen da nicht Blütenträume? „Die Priorität lag in den letzten Jahren auf dem Studium, weil Felix und ich den Bachelor gemacht haben“, ordnet Max die Dinge ein. „Doch generell gilt: Wenn ein Agent kommt und uns das große Angebot macht, werfen wir alles andere hin“, er lacht.

Karrieren nehmen eigenwillige Wege. Es ist nicht immer von Vorteil, den Tipps der Fachleute zu folgen – mitunter bringt es mehr Ertrag, die Expertisen in den Wind zu schlagen, und eigene, charmante Lösungen zu suchen. Max und Felix kennen sich da aus. Nach ihren Auftritten hören sie von Leuten aus der Branche: „Geil, aber die Bühne ist so leer!“

Sie haben darüber nachgedacht, wie sie die Bühne füllen können. Einen Gitarristen holen? Oder gleich ein Bläserensemble? Alles haben sie schon in Gedanken durchgespielt. Doch am Ende merken sie, „dass es zu zweit gut läuft“. Wenn Max auf der Bühne singt, Gitarre spielt oder am Keyboard sitzt, sieht er Felix am Schlagzeug, „ich spüre, dass wir beste Freunde sind, wir verstehen uns blind.“ Dieses Gefühl sei unschlagbar.

Sie möchten die weiten, leeren Räume jetzt mit Licht auffüllen. Dafür suchen sie einen Lichttechniker, der sei wichtiger als noch ein Bandmitglied. Seit April sind sie bei einer Booking-Agentur, John Apart professionalisieren sich jetzt, auch wenn es derzeit keine Möglichkeiten für Konzerte gibt, wegen Corona.

Wenigstens das Internet-Publikum bekommt nun die Chance, einen Live-Auftritt von ihnen zu sehen, noch dazu an einem dafür ungewöhnlichen Ort: Während der Corona-Krise haben John Apart ein exklusives Mini-Konzert auf dem Dach der MAZ-Druckerei aufgenommen.

Bandproben in Omas Babelsberger Keller

Außerdem wollen sie die Zeit nutzen, um bis zu 14 Songs zu veröffentlichen, die sie in letzter Zeit geschrieben haben. Sie werden als Singles erscheinen. Nicht auf CD, die Zeiten haben sich geändert. Sie sind durchgehend digital zu haben, auch über Streamingdienste.

Nur im Probenraum herrscht noch der Geist einer vergangenen Zeit. Seit Gründung der Band treffen sich die beiden im Keller von Felix’ Oma in Potsdam-Babelsberg. Inzwischen ist er renoviert, doch immer noch so niedrig, dass man nicht aufrecht stehen kann. Die Band hebt nicht ab, dafür ist rein baulich vorgesorgt. Der Eingang liegt im Garten, sie kommen hinein, ohne den Großeltern zu nahe zu kommen.

Das schmerzt emotional, ist in diesen Zeiten aber besser so, um vor Ansteckung zu schützen. Max und Felix sind nicht nur ungewöhnlich begabte, sondern auch sehr korrekte Jungs. Am 20. Juni spielen sie wieder live – in einem Stream vom Potsdamer Waschhaus. Die Details wollen sie zeitnah auf ihrer Webseite bekanntgeben.

Weitere Corona-Aktionen der MAZ:

Von Lars Grote und Jan Russezki (Video)