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Kultur Schauspieler Matthias Matschke liest in Potsdam Casanovas Memoiren
Nachrichten Kultur Schauspieler Matthias Matschke liest in Potsdam Casanovas Memoiren
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14:31 15.08.2019
Umtriebig: Schauspieler Matthias Matschke. Quelle: Thomas Jahn
Potsdam

Matthias Matschke, Jahrgang 1968, studierte zunächst Deutsch und Religion auf Lehramt ehe er ins Schauspielfach an die Hochschule der Künste in Berlin wechselte. Er ist einer der wandelbarsten Schauspieler hierzulande.

Herr Matschke, wenn man das Fernsehen einschaltet, sieht man Sie als neurotischen „Professor T.“, als ernsten Kommissar im „Polizeiruf 110“, neben Oliver Welke in der „Heute Show“ oder in „Pastewka“. Wie machen Sie das?

Matthias Matschke: Indem ich immer versuche, mich auf das zu konzentrieren, was gerade ansteht und diese Aufgabe mit großer Inbrunst betreibe. Dann verliert man sich auch nicht in den verschiedenen Disziplinen. Was als nächstes kommt, ist das Wichtigste. Ich investiere viel Energie, bekomme sie aber auch im unbegrenzten Maß zurück. Das ist das Geheimnis.

Gibt es eigentlich Präferenzen? Comedy oder Krimi? Oder lieben Sie einfach die Abwechslung?

Es gibt so viele Sachen in der Welt, die mich interessieren. Und ob das ernst ist oder lustig, ist dann nicht mehr von Bedeutung.

Haben Sie schon als Junge immer Späße gemacht?

Nein. Ich war Rezipient von lustigen Sachen, die nachmittags im Fernsehen liefen, wie Didi Hallervorden und Loriot. Mich hat es fasziniert, wenn Leute lustig waren. Aber dass Humor quasi zu meinem Beruf werden würde, daran habe ich nicht gedacht. Ich war viel zu sehr in einem bürgerlichen Kontext eingebettet. Manchmal wundere ich mich noch heute darüber, dass ich da jetzt selbst mitmache.

Es heißt, Sie mögen keine Witze?

Das stimmt. Man hat immer diese Verpflichtung am Schluss zu lachen, egal, ob der Witz gut ist oder schlecht. Witz ist wie eine Süßigkeit und hat diese Klebrigkeit von Zucker. Humor ist an die Situation gebunden und speist sich aus dem Moment. Bei „Sketch History“, - ist übrigens ab September wieder zu sehen – sind die Sketche zwar geschrieben, aber zum Leben erweckt werden sie erst, wenn wir drehen. Manchmal unterschätze ich das selber auch und denke, so richtig lustig ist das doch jetzt gar nicht. Aber am Ende, wenn alles zusammen klingt, ist es lustig. Es ist die Spontaneität, die einem Witz Leben einhaucht.

Wie gelingt es, nicht ständig zu lachen, wenn man Sketche dreht?

Es greift der Arbeitsmodus. Aber wir lachen auch häufig vor der Kamera. Am Ende eines Arbeitstages stellt sich das Gefühl glücklicher Erschöpfung ein. Und das ist etwas Wunderbares.

Sie waren viele Jahre an der Volksbühne unter Intendant Frank Castorf. Wie hat Sie diese Zeit geprägt?

Es war mein erstes Engagement nach der Schauspielschule. Ich hatte oft 24 Vorstellungen im Monat, das heißt, ich habe in der Volksbühne gelebt. Die Identifikation war extrem stark. In den 1990ern war kein Theater so gut und so progressiv wie die Volksbühne. Dort habe ich alles gelernt, was ich tagtäglich brauche: das Timing, die Präsenz. Das Innerste, was alles zusammenhält, ist dann doch sehr ähnlich, egal ob auf der Bühne oder vor der Kamera.

Muss man am Theater gewesen sein, um vor der Kamera ein guter Schauspieler zu sein?

Das weiß ich nicht. Ich musste es sein. Ich fühle mich immer noch als Theaterschauspieler. Das ist mein Weg. Theater hat mich maßgeblich geprägt.

Haben Sie Zeit, selber ins Theater zu gehen?

Eine befreundete Dramaturgin sagte einmal zu mir: Ein Müllfahrer geht abends auch nicht auf die Kippe. Den Satz finde ich sehr bezeichnend. Ich gehe tatsächlich nur selten ins Theater, weil mir einfach die Zeit fehlt. Wenn ich selbe drehe, schaue ich auch keine Serien, weil ich nur auf Anschlüsse und Umsetzung achte. Das Beschauliche, Reflektierende darauf, kann ich einfach nicht haben, wenn ich selber arbeite.

Sie machen auch Hörbücher und Lesungen. In Potsdam lesen Sie während der Schlössernacht aus Casanovas Memoiren. Welche Stellen haben Sie ausgesucht?

Die Memoiren haben einen beträchtlichen Umfang, der Mann hat viel erlebt und sicher auch gewinnbringend zugedichtet. Bei unserer Lesung wird es viel um seine Frauengeschichten gehen und um ihn selbst. Denn er war ein Narzisst sondergleichen. Das kann man ihm wohl unterstellen, ohne böse zu sein.

Was lernen wir von Casanova über Verführung?

Ich würde nicht versuchen, von ihm zu lernen. Davon muss ich abraten. Schließlich ist er am Ende doch alleine geblieben. In Sachen Liebe sollte man keinem Vorbild nacheifern. Jeder sollte sich lieber auf den Weg machen und sein eigener Giacomo werden…

Wie bereitet man sich auf eine Lesung vor?

Eine Lesung ist ja wie ein Musikstück, das man spielt. Man baut sich innerlich Bögen, will Geschichten ins Ohr bringen und sie so vortragen, dass sie im Gedächtnis bleiben.

Sie sind sehr umtriebig und arbeiten viel. Wann kommen Sie eigentlich zur Ruhe?

Ich scheue die Ruhe. Klar, ich freue mich auch, mal wieder zu Hause in Berlin zu sein. Oder mit meinem Boot auf der Havel zu segeln. In diesen Momenten komme ich schon zur Ruhe. Aber ich mag die Unruhe, mag es, umtriebig zu sein. Vermutlich habe ich das ganze Zirkusleben, das mit dem Beruf eines Schauspielers verbunden ist, schon immer gesucht - obwohl ich es nicht wusste.

Apropos segeln: Wie wäre es mit einer Tour nach Potsdam?

Ja, man muss nur den Mast umlegen, um unter der Glienicker Brücke durchzutreiben. Ich habe es noch nicht gemacht, aber es steht unbedingt auf dem Programm. Ich möchte auch gerne Richtung Brandenburg fahren, um dort auf den Seen zu segeln.

Bei der Potsdamer Schlössernacht liest Matthias Matschke mit David Rott am 17. August um 20.30 Uhr aus Casanovas Memoiren. Ort der Lesung ist die westliche Pflanzenhalle des Orangerieschlosses.

Weitere Vorleser sind Max Moor mit „Don Camillo und Pepone“, (16.8., 18.30 Uhr), Katharina Thalbach mit Pinocchio“ (16.8., 20.30 Uhr). Andrea Sawatzki und Christian Berkel lesen italienische Märche (17.8., 18.30 Uhr)

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