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Kultur Mauerausstellung im Berliner Gropius Bau
Nachrichten Kultur Mauerausstellung im Berliner Gropius Bau
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22:15 10.09.2019
Das Mittelmeer, die neue Grenze: Michael Kvium, „Beach of Plenty“, (2017), Öl auf Leinwand. Quelle: Anders Sune Berg, Courtesy: der Künstler & Nils Stærk Gallery
Berlin

Wer „Grenze“ sagt, markiert damit nicht nur was er ab-, sondern zugleich, was er ausgrenzt. Und damit ist das Jenseits der Grenze immer schon mitgedacht. Grenzen lassen sich prinzipiell überwinden, Mauern bröckeln irgendwann.

28 Jahre hatte es gedauert, bis die Berliner Mauer fiel. 30 Jahre danach erleben wir eine Renaissance der Grenzen. Bestand nach 1989 die Hoffnung auf eine Welt ohne Barriere, existieren nach wie vor welche – etwa in Korea, Nordirland oder in Israel. Neue sind entstanden, wie an der ungarischen Außengrenze oder werden geplant wie an der US-Grenze zu Mexiko.

28 internationale Künstler

Aus Anlass des 30. Jahrestags der Öffnung der DDR-Grenze hat das deutsch-libanesische Kuratoren-Duo Sam Bardaouil und Till Fellrath 28 zeitgenössische Künstler zusammengetrommelt, um im Berliner Gropius Bau über die Grenzen in der Welt nachzudenken. Über reale und imaginierte Grenzen. „Es geht uns vor allem um die Mauern im Kopf“, sagt Sam Bardaouil. Um Ideologisches wie Emotionales also. Warum werden Grenzen hochgezogen und was bedeutet das für die Betroffenen?

„Durch Mauern gehen“ lautet der Titel der aktuellen Ausstellung im Berliner Gropius Bau. 28 internationale Künstler stellen aus. Die MAZ zeigt eine kleine Auswahl der Werke, die zu sehen sind.

Die 28 Künstler sind in der Ausstellung „Durch Mauern gehen“ das Thema zum Teil sehr grundsätzlich angegangen, nutzen aber auch die jüngere Geschichte des Ortes. Schließlich lag der Gropius Bau direkt an der Mauer. Nach 1961 musste er sein Eingangsportal auf die gegenüberliegende Seite verlagern, um vom Westen her noch betreten werden zu können.

Die brasilianische Grafikerin Regina Silveira lässt deshalb gleich im Treppenhaus des Gropius Bau stark vergrößerte Fußabdrücke über die Wand laufen. Ein Anblick der unmittelbar an den Ansturm von Menschenmassen erinnert und darauf hinweist, dass Mauern Widerstand hervorrufen, bis sie überwunden sind.

Was Silveira nur symbolisch andeutet, zeigt die deutsch-amerikanische Video-Künstlerin Dara Friedman ganz brachial. Mit einer Bullenpeitsche drischt sie auf eine Wand ein, der Zuschauer fiebert mit, bis sie endlich durchkommt.

José Becharas vergiftetes Gesprächsangebot

Weitaus subtiler, aber dafür nicht weniger emotional die Arbeit des Brasilianers José Bechara. „Ok, Ok, let’s Talk“ hat er seine Installation genannt. Ein vergiftetes Gesprächsangebot. Die 50 hölzernen Esstische, die er in den Raum gestellt hat, bieten keine Sitzgelegenheit. Die wenigen Stuhllehnen, die zwischen den schief angebrachten Tischplatten herausragen, sind so eingeklemmt, dass niemand Platz nehmen kann. Auch Gesprächsangebote können ausgrenzen. Verständigung kann nur gelingen, wenn alle Gesprächsteilnehmer ernstgenommen werden.

Sofern jeder alles sagen darf, oder gar singen? Der nigerianische Klangkünstler Emeka Ogboh lässt afrikanische Migranten im Chor die deutsche Nationalhymne singen – in ihrer jeweiligen Landessprache.

Ausstellung zur Berlin Art Week

30 Jahre Mauerfall ist eines der Schlüsselthemen der diesjährigen Berlin Art Week, die heute beginnt.

Insgesamt 17 Museen, 15 Privatsammlungen und 200 Galerien der Stadt nehmen daran bis zum Wochenende teil.

Die Ausstellung „Durch Mauern gehen“ im Gropius Bau ist Teil der Art Week und eröffnet am Mittwoch um 19 Uhr.

Gropius Bau, Niederkirchner Str. 7, Mi-Mo, 10-19 Uhr, bis 19. Januar

Es sind solche Fingerzeige, mit denen die Ausstellung vermittelt, dass Ausschlussmechanismen, in der Regel auf politischen Machtverhältnissen fußen. Solange nur wenige über die Regeln bestimmen, bleibt der Rest außen vor.

Das hat auch der vor zwei Jahren gestorbene deutschstämmige Künstler Gustav Metzger genau gewusst. Die Schau zeigt seine Installation „In Memoriam“: ein Wald von Pappschachteln. Die optischen Anleihen an das nicht weit vom Gropius Bau entfernt liegende Holocaust-Mahnmal sind nicht zufällig. Angehörige aus Metzgers Familie wurden von den Nazis umgebracht.

Die an riesige Taschentuch-Boxen erinnernden Pappkisten verstellen die Fenster, von denen aus man auf Reste der Berliner Mauer und das ehemalige Gestapo-Hauptquartier blicken könnte. Doch das Papp-Labyrinth ist undurchdringlich. Der Besucher kommt nie ans Ziel.

Michael Kvium: Wohlstandsbürger trifft auf Armutsflüchtling

Ganz offen an die Moral des Zuschauers appelliert der dänische Maler Michael Kvium. Er stellt sich in die Tradition der europäischen Landschaftsmalerei, die beanspruchte, die Welt abzubilden. Kvium bildet die zeitgenössische Welt in Pop-art-Farben ab. Einen Strand am Mittelmeer mit Urlaubern, die beim Blick aufs Wasser mit einer ganz andere Realität konfrontiert werden: einen Schlauchboot mit Flüchtlingen.

Wohlstandsbürger trifft auf Armutsflüchtling. „Beach of Plenty“ – Strand des Überflusses hat Kvium das drei Meter hohe und sieben Meter lange Bild genannt. Der Betrachter wird davor ganz klein und bleibt allein mit dieser Grenzerfahrung.

Von Mathias Richter

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