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Kultur MeToo bei Ovid
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13:58 15.06.2018
Musikfestspiel Potsdam: Roberta Mameli, Renato Dolcini Quelle: STEFAN GLOEDE
Potsdam

Als das Publikum eintritt, sind die Hauptfiguren schon da. Wobei Gott Jupiter und Prinzessin Europa uns hier als Zeitgenossen begegnen. Jupiter, ein Geschäftsmann mit Anzug und verspiegelter Sonnenbrille, verbirgt sich reglos in den Dünen. Er visiert Europa, die als Flüchtling gestrandet ist und nun auf einem Lumpenhaufen schläft.

Zur Erinnerung: Die mythische Europa ist keine Europäerin, sondern eine Prinzessin aus Phönizien. Gott Jupiter nimmt die Gestalt eines weißen Stiers an, um sie zu verführen und übers Mittelmeer nach Kreta zu tragen.

Aufführung in der Ovidgalerie der Neuen Kammern

Von diesem Mythos, nachzulesen bei Ovid, handelt „L’Europa“ des italienischen Barockkomponisten Alessandro Melani. Die Musikfestspiele führen den Einakter in der Ovidgalerie der Neuen Kammern auf. Am Donnerstag war die Premiere.

Zur Einstimmung erklingt Musik von Georg Muffat, der in den einzelnen Sätzen einer Suite die verschiedenen Völker Europas charakterisierte. Frisch, energisch und dynamisch subtil musiziert die neunköpfige Neue Hofkapelle Graz: zwei Geigen, zwei Bratschen und die Bassgruppe, geleitet von Michael Hell am Cembalo.

Musiker in abgerissener Kleidung

Die Musiker tragen abgerissene Kleidung und Flip-Flops. Regisseurin Deda Cristina Colonna will das Thema Migration auf die Bühne bringen. Europa als Verheißung – dafür steht eine riesige Geschenktüte, auf der das Logo „Europe“ prangt, als handle es sich um ein edles Parfüm.

Autor Thomas Höft, der neue Dramaturg der Festspiele, führt einen Erzähler ins Geschehen ein. Der Schauspieler Michael Ihnow, in Rock und Stöckelschuhen, jongliert mit den Statistiken eingereister und umgekommener Flüchtlinge. Außerdem verteilt er bei jedem Tanzsatz Flugtickets in das gerade musikalisch porträtierte Land. Der Einfall wird ausgewalzt, so dass der Besucher schließlich fünf Bordkarten in der Hand hält.

Nicholas Tamanga singt leidenschaftlich

Dann tritt Gott Amor auf, verkörpert von dem Countertenor Nicholas Tamagna im eleganten taubenblauen Dreiteiler. Er singt leidenschaftlich und kraftvoll, mit recht starkem Vibrato.

Amor geht Jupiter dabei zur Hand, Europa gefügig zu machen. Roberta Mameli sorgt in der Rolle der Prinzessin für die Höhepunkte des Abends. Sie singt makellos wohlklingend und dabei höchst eindringlich. Schon die erste Arie, die ihre Einsamkeit an der fremden Küste schildert, treibt dem Besucher Tränen in die Augen. Als Jupiter grummelt Renato Dolcini zwar heldenhaft, jedoch wirkt sein Bariton zu schwerfällig für Barockmusik.

Europa setzt sich gegen die beiden Machos mit messerscharfen Koloraturen zur Wehr. Doch es hilft nichts, und dem Besucher wird eine drastisch realistische Vergewaltigungsszene zugemutet. Als Europa geschändet am Boden liegt, singt der Erzähler den Elvis-Hit „Can´t help falling in love“.

Eindimensionale Schockwirkung

Die Aktualisierung knirscht gewaltig; spätestens am Ende, wenn die Prinzessin auf einmal von ihrer Liebe zu Jupiter singt. Ein Hinweis darauf, dass sie erfolgreich verführt wurde. Was man, auch wenn die Unterscheidung eine Grauzone lässt, nicht mit einer Vergewaltigung gleichsetzen kann.

Während die Oper von der Zwiespältigkeit der Liebe erzählt, die Segen und Leid zugleich bringt, setzt die Regisseurin auf eindimensionale Schockwirkung. Ihre Europa lässt sich kaufen. Am Ende entsteigt sie mit neuen, glitzernden Schuhen der Einkaufstasche. Fast nackt, bis auf hauchdünne Gaze, bedruckt mit der Landkarte unseres Kontinents.

Weitere Aufführungen:

Freitag, 15. Juni 2018 | 20.00 Uhr

Sonntag, 17. Juni 2018 | 20.00 Uhr

Montag, 18. Juni 2018 | 20.00 Uhr (ausverkauft)

Von Antje Rößler

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