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Kultur Wolfgang Joop erklärt den „Narziss“ von Caravaggio
Nachrichten Kultur Wolfgang Joop erklärt den „Narziss“ von Caravaggio
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10:36 29.08.2019
Modemacher Wolfgang Joop im Potsdamer Museum Barberini vor Caravaggios „Narziss“. Quelle: Michael Lüder
Potsdam

Mode und Kunst können sich nicht ausstehen“, gesteht Wolfgang Joop am Mittwochabend im ausverkauften Vortragssaal des Museum Barberini in Potsdam. Bei der Biennale in Venedig habe dem Modemacher ein bekannter Galerist aus Hamburg einmal mit dem bösen Satz begrüßt: „Was machst Du denn hier? Es ist doch gar keine Stoffmesse.“ 

Entwirft auch Muster selbst

Dabei entwirft Joop auch die Muster für seine Kleidung am liebsten selbst. Obwohl er in jungen Jahren als Restaurator tätig war und in seinem Leben wiederholt selbst zum Pinsel gegriffen hat, wollte er sich nie als „Künstler“ bezeichnen. Das klinge ihm zu sehr nach einem Freibrief für alle möglichen Verrücktheiten.

Bilder als Stichwortgeber

Unter der Überschrift „Die Kraft der Alten Meister“ ließ sich Joop auf eine unverbindliche Plauderei mit Lisa Zeitz ein. Sie ist Chefredakteurin des Magazins „Weltkunst“. Noch bis zum 6. Oktober zeigt das Museum Barberini „Wege des Barock“, eine Gastausstellung mit Meisterwerken aus Rom. Einzelne Motive dienten als Stichwortgeber, um mal über den Kunstmarkt von heute, über Nacktheit oder „das Konzept der Schutzengel“ zu sprechen.

Fototermin vor dem „Narziss“

Zuvor gab es aber einen Fototermin: Joop posierte vor Caravaggios „Narziss“, dem Leitbild der großen Schau. Die Jugendlichkeit des dargestellten Gottessohnes ist unverkennbar auch das Ideal der Modebranche. Der 74-jährige Joop mit den alterslosen Gesichtszügen bezeichnete es ausdrücklich als große Leistung, dass Caravaggio in seinem realistischen Werk auch „das Gelebte in den Gesichtern“ und „gefolterte Körper“ dargestellt habe.

Die eigene Aura bleibt unbekannt

„Narziss war vernarrt in sein schönes eigenes Abbild“, erklärte er und nahm im Gespräch auch manchmal seine Sonnenbrille ab. „Dass wir Menschen uns selbst und unsere eigene Aura nie wirklich kennenlernen“, bezeichnete er als Drama und nannte die narzisstische Liebe „die unglücklichste Liebe“. Manchmal blickte er ins Publikum zu seiner Ex-Frau Karin, von der er sich 1985 scheiden ließ.

Sehnsucht nach Potsdams Rokoko

Wiederholt brachte Joop Episoden aus seiner Biografie zur Sprache. Als Flüchtlingskind aus Potsdam habe er sich nach der Übersiedlung 1954 im Westen „ästhetisch fremd“ gefühlt. „Ich hatte sehr viel Impact (Einfluss) von Potsdam, von Friedrich und vom Rokoko“, so Joop. Vielleicht sei aus ihm deshalb ein Kreativer mit so viel Eigensinn geworden. Ein Studium der Kunstpädagogik brach er ab.

Wunderkind ohne Deutschen Buchpreis

Aktuell sei er wieder als Modemacher aktiv. Er entwirft Bürohemden für das deutsche Textilunternehmen Van Laack. „Es ist gelungen, das weggelaufene Wunderkind zu reanimieren. Wir haben ein kleines Wirtschaftswunder auf die Beine gestellt“, sagte er stolz. Er behauptete auch, für sein autobiografisch inspiriertes Buch „Im Wolfpelz“ (2003) den Deutschen Buchpreis bekommen zu haben, was aber nicht stimmt. Seine Qualitäten als Erzähler lassen sich aber bald noch einmal testen. Mitte September, wenige Wochen vor seinem 75. Geburtstag, erscheint Joops Autobiografie „Die einzig mögliche Zeit“.

Von Karim Saab

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