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20:50 30.07.2019
Die Direktorin des Museums Barberini, Ortrud Westheider, vor dem „Narziss“ von Caravaggio. Quelle: dpa
Potsdam

Ortrud Westheider gibt sich reserviert. Von ihrer Begeisterung für Kunst lässt sie selten etwas blicken. Über ein Gemälde wie den millionenschweren „Narziss“ von Michelangelo Merisi da Caravaggio sagt sie kühl: „Ja, es ist schon ein besonderes Bild.“

Die Direktorin des Potsdamer Museums Barberini liebt das Understatement. Die 1964 geborene Kunsthistorikerin lebt den noblen Gleichmut der Wissenden. Denn sie weiß freilich genau: Der Caravaggio ist der unumstrittene Star der laufenden Ausstellung „Wege des Barock“ in ihrem Museum am Ufer der Havel. Schon in der ersten beiden Stunden nach der Eröffnung der Schau waren 500 Besucher in das Museum gekommen. Das muss man in Potsdam erstmal nachmachen.

Besuchermagnet mit Blockbuster-Schauen

Das Museum Barberini ist einer der stärksten Besuchermagneten in der brandenburgischen Landeshauptstadt. Mit seinen Blockbuster-Ausstellungen zieht das Barberini regelmäßig nicht nur Kunstinteressierte aus der ganze Welt an, auch normale Touristen wollen die gezeigten Kunstattraktionen gesehen haben. Der im Januar 2017 eröffnete Kunsttempel im Stadtzentrum am Alten Markt hatte allein im ersten Jahr rund 500.000 Besucher – und damit mehr als das Hohenzollernschloss Sanssouci.

Eröffnung des Museums Barberini am 20. Januar 2017 mit viel Prominenz: Bundeskanzlerin Angela Merkel (2.v.r., CDU) und der Unternehmer Hasso Plattner (3.v.r.) zusammen mit (v.l.) Bill Gates, SAP-Chef Bill McDermott, Dietmar Woidke (SPD), Ministerpräsident von Brandenburg, und Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) vor dem Gemälde "Mädchen auf der Brücke" von Edvard Munch. Quelle: dpa-pool

Ortrud Westheider lässt sich die Genugtuung über den Erfolg kaum anmerken. Mit lächelnder Miene schreitet sie durch die Ausstellung, vorbei an den Werken hochkarätiger Barock-Größen wie Giovanni Baglione, Bartolomeo Manfredi oder Jusepe de Ribera.

Die Chefin kam vom Bucerius Kunst Forum in Hamburg

Mit der Eröffnung des Museums kam Westheider nach Potsdam. Zuvor hatte die Beckmann-Expertin das Bucerius Kunst Forum in Hamburg geleitet, eine Einrichtung der „Zeit-Stiftung“ – ebenfalls ein nobles Haus. Vor dem Caravaggio, der unter ganz besonderen Sicherheitsbedingungen nach Potsdam gelangte, bleibt sie stehen und sagt trocken: „Wir haben im Barberini schon viele großartige Kunstwerke gezeigt.“

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Hasso Plattner – Der Unermüdliche

Das ist zweifellos richtig. Denn seit der Eröffnung des Barberini ist in Potsdam das Who-is-who der Kunstgeschichte zu Gast. Mit den Barock-Leihgaben aus den italienischen Nationalgalerien Barberini und Corsini erstmals auch alte Meister. Der Schwerpunkt lag bislang auf der Moderne: Impressionismus und Neoimpressionismus, DDR-Kunst und US-Kunst aus dem 20. Jahrhundert, Beckmann, Picasso und mit Gerhard Richter ein Vertreter zeitgenössischen Stils.

Picasso, Caravaggio, Monet, Beckmann – die Namen der Künstler, die im Museum Barberini in Potsdam bislang zu sehen waren, lesen sich wie das Who-is-who der Kunstgeschichte. Hier ein paar Schlaglichter aus den acht bislang gezeigten Ausstellungen.

Gestartet ist das Barberini mit einer Impressionisten-Schau, darunter zahlreiche Werke aus der Privatsammlung des Museumsgründers und Kunstmäzens Hasso Plattner. Der SAP-Gründer und Multimilliardär, der in Potsdam ein IT-Institut gründete und Teile des wiederaufgebauten Stadtschlosses gegenüber vom Barberini finanzierte, hat den Neubau des Barberini betrieben.

Die DDR-Ausstellung befeuerte die Kunstdebatte

Auch zu der weit über Potsdam hinaus beachteten Ausstellung „Hinter der Maske“ im Oktober 2017 mit Werken von Künstlern aus der DDR hatte Plattner Bilder aus seiner Sammlung beigesteuert. Eine Schau, in der Staatskünstler wie Willi Sitte ebenso vertreten waren wie einst mächtig drangsalierte Künstlerinnen wie Cornelia Schleime und die die bundesweite Debatte um den Stellenwert ostdeutscher Kunst befeuerte.

Der Kunstmäzen Hasso Plattner sammelt DDR-Kunst. Im Hof des Museums Barberini steht ein Exemplar des „Jahrhundertschrittes“ von Wolfgang Mattheuer. Quelle: Varvara Smirnova

Rekorde verzeichneten 2018 die Ausstellung „Gerhard Richter. Abstraktion“ mit 150.000 Besuchern, in der zahlreiche Werke zu sehen waren, die zuvor noch nie gezeigt wurden und 2019 das Spätwerk von Picasso mit 168.000 Besuchern. Auch hier waren bislang nie in der Öffentlichkeit präsentierte Arbeiten aus der Sammlung seiner letzten Frau, Jacqueline Picasso, zu bewundern. Absoluter Besuchermagnet war allerdings die Impressionisten-Ausstellung zur Eröffnung: 300.000 Leute kamen in den vier Monaten.

Das Barberini-Vorbild steht in Rom

Es sind ganz offensichtlich Westheiders international gute Kontakte, die spektakuläre Leihgaben für solche Schauen ermöglichen. Die aktuell gezeigten Barockgemälde sind freilich eine Referenz an das architektonische Vorbild des Museums Barberini. Friedrich der Große ließ den im Zweiten Weltkrieg zerstörten Vorgängerbau im Jahr 1771 im historischen Renaissance-Stil errichten. Leitbild war der Palazzo Barberini in Rom, denn Italien galt schon zu diesen Zeiten als ein Sehnsuchtsort. Auch für den Preußen-König, der allerdings nie dort war – von dort aber viele Bilder für seine Sammlung im Neuen Palais einkaufte.

Das Museum Barberini am Alten Markt in Potsdam. Quelle: Varvara Smirnova

Als Kunstmäzen Plattner in Potsdam ein Museum errichten wollte, hatte er zunächst den an der Havel gelegenen Standort des heutigen Hotels Mercure im Auge. Nach Protesten vieler Potsdamer entschied er sich schließlich für den Wiederaufbau des Barberini.

In vier Jahren Bauzeit entstand ein 42 Meter breiter und 30 Meter hoher Nachbau mit fast acht Meter hohen Ausstellungsräumen. Äußerlich historisch gediegen und nobel, in seinem Innenleben allerdings mit hochmoderner High-Tech ausgestattet. Die 2200 Quadratmeter Ausstellungsfläche des Museums sind für Kunstwerke mit 20 Grad und 50 Prozent Luftfeuchtigkeit optimal temperiert. Ideale Bedingungen für eine Ausstellungsmacherin wie Ortrud Westheider. Aber auch darüber schweigt sie dezent.

Die Ausstellungen

Acht Block-Buster-Ausstellungen hat das Museum Barberin seit seiner Eröffnung im Januar 2017 gezeigt.

Den Auftakt machte die Ausstellung „Impressionismus. Die Kunst der Landschaft“ vom 23.1.2017 bis zum 28.5 2017 mit Werken von Claude Monet, Gustave Caillebotte, Alfred Sisley, Pierre-Auguste Renoir oder Camille Pissaro.

Es folgte „Von Hopper bis Rothko. Amerikas Weg in die Moderne“ (17.6. bis 3.10. 2017) mit Arbeiten der US-amerikanischen Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts.

Große Aufmerksamkeit erregte das Barbarini vom 29.10.2017 bis zum 4.2.2018 mit der Ausstellung „Hinter der Maske. Künstler in der DDR“, die sich der Inszenierung der Künstler zwischen 1945 und 1989 im Ostdeutschland widmete.

Max Beckmann. Welttheater“ (24.2. bis 10.6.2018) zeigte Beckmanns künstlerische Verarbeitung der Katastrophen des Ersten und Zeiten Weltkrieges.

Mit Gerhard Richter. Abstraktion“ zeigte das Barberini vom 30.6. bis zum 21.10.2018 erstmals einen zeitgenössischen Künstler.

Dem französische Neoimpressionisten Henri-Edmond Cross widmete das Museum vom 17.11.2018 bis zum 17.2.2019 die Ausstellung „Farbe und Licht“.

Im März dann Picasso. Das späte Werk“. 168.000 Menschen besuchten die Schau zwischen 9.3. und 16.6.2019.

Die am 13. Juli eröffnete Ausstellung „Wege des Barock. Die Nationalgalerien Barberini Corsini in Rom geht noch bis zum 6. Oktober. (Öffnungszeiten: tgl. außer Di, 10-19 Uhr).

Nächste Ausstellungen:

„Van Gogh. Stillleben“, 26.10.2019 bis 2.2.2020

Monet. Orte“, 22.2. bis 1.6.2020

„Rembrandts Orient“, 27.6. bis 11.10.2020

„Impressionismus in Russland. Aufbruch zur Avantgarde“, 7.11.2020 bis 28.2.2021

Von Mathias Richter

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