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Kultur Neil Young auf der Waldbühne: Vom traurig schönen Ausflug in die Natur
Nachrichten Kultur Neil Young auf der Waldbühne: Vom traurig schönen Ausflug in die Natur
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16:39 04.07.2019
Mit der Band Promise of the Real tourt der Folk-Rocker Neil Young durch Europa: Am Mittwoch machte er Halt in Berlin. Quelle: Robert Michael/dpa
Berlin

Neil Young hasst Konventionen. Kein Wunder also, dass er sich nicht darum schert, dass der Veranstalter sein Konzert in der Berliner Waldbühne für 20 Uhr angekündigt hat. Er beginnt eine knappe halbe Stunde früher, blickt nicht ins Publikum und verzichtet darauf, seine Songs anzusagen.

Die sollen für sich sprechen, Bühneneffekte lenken nur ab. Noch nicht mal die für Events dieser Größe üblichen Leinwände lässt der Singer-Songwriter aufstellen. Von der Decke hängt ein spirituell anmutender Vogel im Batik-Look, neben den Verstärkerboxen steht eine geschnitzte Indianerfigur. Und der Cowboy? Das ist Neil Young, der Hut und Karohemd trägt, selbst.

Kämpfer gegen Konventionen

Countrysänger Willie Nelson, dessen Sohn bei der Begleitband Promise of the Real mitspielt, hat einen echten Cowboy mal als Rebell beschrieben. Ein Kämpfer gegen Konventionen, der die Natur bedingungslos liebt und der Obrigkeit misstraut. Auch Young ließ sich nie diktieren, was er zu singen und zu sagen hatte.

Er hat sich in den 1960ern mit den Mitgliedern seiner Folkrock-Band Buffalo Springfield bekriegt, später mündete auch die Arbeit mit Crosby, Stills und Nash im Zerwürfnis. Young legte sich mit Plattenfirmen an und spielte in den 1980ern Alben ein, auf denen er mit elektronischer Musik experimentierte und kommerzielle Interessen ignorierte.

Der Kanadier entwickelte sich zu einer Art Ghostwriter von Grunge-Bands wie Pearl Jam. Nirvana-Sänger Kurt Cobain zitierte in seinem Abschiedsbrief die Neil-Young-Textzeile „It’s better to burn out than to fade away“. Dann schoss er sich mit einer Flinte in den Kopf.

Immer neue Setliste

Young hält sich nicht an übliche Songlängen und stellt im Kontrast zu anderen Rockstars bei jedem Auftritt seine Setlist neu zusammen. Der 73-Jährige verachtet den digitalen Schnickschnack des 21. Jahrhunderts und verehrt Vinyl. Das ist beim Konzert am Mittwochabend vor mehr als 15 000 Zuschauern auch am Gitarrensound zu erkennen. Quietscht der Finger, wenn er von Bund zu Bund greift, ist das deutlich zu hören. Der Klang wird nicht geglättet, weil der Meister nur so die Musik liebt: ungeschliffen und unvorhersehbar.

Auch Hits wie das 1989 gegen die Regierung von George H. W. Bush gerichtete „Rockin’ in the Free World“ befreit er vom alten Korsett. Immer wieder verlieren sich die Gitarren im Feedback-Lärm, verstummen und setzen wieder an. Die Version dauert an die zehn Minuten, dazu singt Young den Refrain in der Endlosschleife. Mit dem noch am Vortag in Dresden ausgelassenen „Hey Hey, My My (Into the black)“ schaffen Young und seine Jungs einen traurig schönen Höhepunkt des Konzerts.

Es ist besagtes Lied, auf das sich Kurt Cobain bezog, als er seinem Leben ein Ende setzte. Ein Umstand, der zeigt, auf welch finstere Art ein Song Menschen beeinflussen kann. Wer aber in die beseelten Gesichter der Fans blickt, merkt schnell, dass dieser Einfluss in den meisten Fällen Leben erweckt und nicht beendet.

Familiäre Stimmung

Und damit zur familiären Stimmung, die der passionierte Grantler aller Kauzigkeit zum Trotz zu entfachen vermag. Young steht mit Musikern auf der Bühne, die noch nicht mal halb so alt sind wie er. Doch sie improvisieren sich sicher durch sein Repertoire, überzeugen mit Timing und Wucht.

Die jungen Wilden scharen sich um den alten Wilden wie die Ziegen im Streichelzoo, wenn der Futterautomat noch ein Spalt weit geöffnet ist. So sehr Jung und Alt gerade auf der Welt klimapolitisch verkracht sind, an diesem Abend auf dieser Bühne gibt es keinen Generationenkonflikt. Auch auf den Rängen rücken Alt-Hippies, Hipster und Teenies zusammen.

Kurzes Fazit

Als das Konzert endet, ist es noch hell. Wie schön, dass das Konzert nicht unterm Mercedes-Stern in der Hightech-Arena, sondern zwischen Bäumen in der Waldbühne stattgefunden hat.

Es ist noch hell, Wolken wehen davon. Neil Young unter freiem Himmel gehört zu haben, war wie ein spontaner Trip in die Natur. Am See schlafen, Kidneybohnen über dem Gaskocher warm machen, sie mit dem Holzlöffel verputzen – und sich fühlen wie ein Cowboy.

Von Maurice Wojach

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