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11:27 09.05.2019
Stramm rechts: Ausschnitt der Titelseite des Buches „Zielobjekt Rechts. Wie die Stasi die westdeutsche Neonaziszene unterwanderte“ von Andreas Förster. Quelle: Verlag
Potsdam

Für die DDR-Propaganda wäre es eine Katastrophe gewesen. Die Stasi kungelt mit westdeutschen Neonazis! So etwas war bislang nur dem Verfassungsschutz in der Bundesrepublik unterstellt worden. Und nicht zu Unrecht, wie sich spätestens in Zuge der NSU-Morde herausstellte. Und trotzdem war die Stasi jahrelang ebenfalls ziemlich nah dran an den Akteuren der extremen Rechten.

Der Berliner Journalist Andreas Förster hat darüber ein Buch geschrieben. „Zielobjekt Rechts. Wie die Stasi die westdeutsche Neonaziszene unterwanderte“ lautet der Titel. Am Mittwochabend stellte er es im Potsdamer Einstein Forum vor. Förster hat ausführlich Stasi-Akten studiert, um herauszufinden, inwiefern auch der ostdeutsche Geheimdienst in die Aktivitäten der Neonazis verstrickt war.

Was er dabei herausbekam lässt den Titel etwas missverständlich erscheinen. „Unterwandert“ hat die Stasi die Neonaziszene nur insoweit, dass sie versuchte, Leute abzuschöpfen. Ein Versuch, auf deren Aktivitäten Einfluss zu nehmen, um das dann propagandistisch gegen die Bundesrepublik auszuschlachten, ist nicht belegbar. „Das geben die Stasi-Akten nicht her“, so Förster.

Eine eigene Unterabteilung in der Stasi-Zentrale

Insofern gab es auch keine Kooperation, wie dies nach dem Ende der DDR etwa im Zusammenhang mit der linksterroristischen RAF bekannt geworden ist. Die Stasi hat sich da sehr zurückgehalten. Trotzdem beschäftigten sich in einer Unterabteilung der Hauptabteilung XXII in der Berliner Normannenstraße zuletzt mehr als 100 Leute mit den westdeutschen Neonazis. Ihre Verbindungsleute – darunter immerhin 14 IMBs, also Inoffizielle Mitarbeiter der Abwehr mit Feindberührung – waren eher damit beschäftigt, Informationen abzuschöpfen. Gelegentlich wurde auch rechtzeitig Alarm geschlagen, wie im Fall eines geplanten Anschlags auf die Botschaft der Sowjetunion in Wien. Die österreichische Bundespolizei erhielt einen Tipp.

Das Interesse an der Neonazi-Szene war vor allem aus der Sorge gespeist, Vertreter der extremen Rechten könnten Anschläge auf Einrichtungen der DDR im Ausland oder gar direkt in der DDR verüben. Schon Ende der 70er-Jahre war es zu Sprengstoffattacken an der innerdeutschen Grenze gekommen. Das Attentat 1980 auf das Münchener Oktoberfest hatte gezeigt, wozu die rechtsextreme Szene in der Bundesrepublik in der Lage war.

Sorge bereitete die rechtsextreme Szene in der DDR

Und spätestens in den 80er-Jahren trieb die Stasi noch ein weiteres Problem um: Trotz verordnetem Antifaschismus gab es im eigenen Land immer mehr rechte Jugendliche, vor allem in der Fußball-Hooligan-Szene, die für Nazi-Propaganda aus dem Westen empfänglich waren.

Förster hat in den Archiven akribisch recherchiert und detaillierte Fälle ausgegraben. Er schildert, wie die Stasi schon bald Belege hatte, dass der dereinst prominenteste Neonazi, Michael Kühnen, der nach 1989 gezielt im Osten aktiv wurde, wohl Kontakte zum Verfassungsschutz hatte. Er verfolgt den Fall eines Vaters, der sich der Stasi andiente, um auf seinen Sohn im Westen angesetzt zu werden. Auch das bemerkenswert: Nicht wenige der westdeutschen Neonazis waren ausgereiste oder geflohene ehemalige DDR-Bürger.

Die Schlappen der Schlapphüte

Förster zeigt auch, wo die Archivrecherche an Grenzen stößt. Warum etwa der in den 70ern aus der DDR geflohene Neonnazi Udo Albrecht, an der deutsch-deutschen Grenze, wo er dem Verfassungsschutz angeblich ein Waffendepot der rechten Szene zeigen wollte, plötzlich durch eine Tür im Eisernen Vorhang zurück in die DDR verschwand, ist bis heute ungeklärt.

Dafür erzählt Förster auch die Schlappen der DDR-Schlapphüte. Beim Versuch, 1989 eine vermeintliche Ortsgruppe der Republikaner im Prenzlauer Berg auszuheben, traf die Stasi nur ein paar betrunkene rechte Jugendliche an. Die Information kam aus den Reihen der gerade ins westberliner Abgeordnetenhaus eingezogenen Republikaner. Es war eine Ente – frei erfunden.

Andreas Förster: Zielobjekt Rechts. Wie die Stasi die westdeutsche Neonaziszene unterwanderte. Ch. Links

Verlag, 264 Seiten, 18 Euro.

Von Mathias Richter

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