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Kultur Neue Bilder des Rangsdorfer Malers Ronald Paris
Nachrichten Kultur Neue Bilder des Rangsdorfer Malers Ronald Paris
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18:52 16.10.2019
Hell und leicht: Das Café „Au Vieux Châtelet in Paris, gemalt 2004. Quelle: Foto: Friedrich Bungert
Potsdam

Seine Shakespeare-Bilder waren im vergangenen Jahr in Cottbus zu sehen. Das Potsdamer Publikum konnte 2017 in der großen DDR-Ausstellung des Museums Barberini sein bombastisches Wandgemälde „Unser die Welt trotz alledem“ bewundern, das bis zu dessen Abriss im Palast der Republik gehangen hatte.

Der in Rangsdorf (Teltow-Fläming) lebende Maler Ronald Paris ist bekannt für seine surrealen, dramatischen Bilder, in denen er existenzielle Geschichten erzählt. Geschichten von gebrochenen Helden, gescheiterten Utopien, die trotz alledem daran appellieren, die Hoffnung auf das Humanum nicht aufzugeben.

Museumshaus „Im Güldenen Arm“ zeigt 36 Arbeiten

In Museumshaus „Im Güldenen Arm“ ist nun ein ganz anderer Ronald Paris zu entdecken. Mit dem Wortspiel „Ronald Paris... erlebt Paris“ überschreiben die Ausstellungsmacher die Schau – ein Titel der ein wenig in die Irre führt. Denn die französische Hauptstadt ist nur bei einem Teil der 36 gezeigten Werke des 86-jährigen Künstlers Thema.

Zu sehen sind ebenso Gemälde mit Motiven aus Jordanien, Israel und Italien. Dazu kommen zahlreiche in Kohle und Graphit gezeichnete Porträts, darunter von dem kürzlich verstorbenen Schriftsteller Günter Kunert, dem Schauspieler Dieter Mann oder der ehemaligen Potsdamer Oberbürgermeisterin Brunhilde Hanke, sowie zwei Selbstporträts.

Der Rangsdorfer Maler Ronald Paris hat in jüngster Zeit vor allem seine Reiseerinnerungen auf die Leinwand gebracht. Im Museumshaus „Im Güldenen Arm“ sind derzeit 36 dieser Arbeiten zu sehen. Die MAZ zeigt eine kleine Auswahl.

Einen großen Anteil nehmen in der Ausstellung allerdings die Reisebilder ein. Paris hat viel von der Welt gesehen. Und vieles davon in Skizzen festgehalten und erst in den vergangenen Jahren auf die Leinwand übertragen – eine Methode die er schon in den 80er-Jahren bei den Shakespear-Bildern fruchtbar gemacht hat. Abendelang saß er damals im Theater, um die Atmosphäre auf der Bühne mit seinem Stift einzufangen.

Doch diesmal zeigt sich Ronald Paris als Maler, der anders als in früheren Arbeiten, nicht in die Geschichte der Mythologie und der Literatur zurückgreift. Diese Bilder, etwa aus Paris, wirken wie Postkartenmotive.

Gemälde wie Schnappschüsse

Sie wirken wie Schnappschüsse, wie sie der Reisende unterwegs macht, um das Erlebte in Erinnerung zu behalten. Bilder, die aus der Distanz geschossen wurden, bar jeglicher Dramatik. Nirgendwo ist eine Spur von Handlungsdruck zu spüren. Paris malt Alltagsszenen.

Die Damen im lichtdurchfluteten „Café aux vieux Châtelet“ wirken entspannt, in ihre Gespräche vertieft oder blicken hinaus auf den Boulevard, wo im Hintergrund die Silhouette der Kathedrale „Notre-Dame“ erscheint. Ronald Paris malt die Szene fast impressionistisch, in hellen, pastellenen Farben.

Ronald Paris, 2016, Foto Wolfgang Lücke VG Bild Kunst Bonn 2018 Quelle: Wolfgang Lücke VG Bild Kunst Bonn 2018

Oder der barocke Park „Jardin des Tuileries“ in der Nähe des Louvre: Paris hat ihn gleich zweimal gemalt. In den Arbeiten, die erst in diesem Jahr fertig geworden sind, taucht er den Park in einen bläulichen Farbton, der die weißen Marmorstatuen wie Geister erscheinen lässt.

Der Alltag wird in Farbflächen verwandelt

Darin liegt die Handschrift des Künstlers. Paris wählt keine ungewohnten Perspektiven oder gar außergewöhnlichen Motive. Er verzaubert diese alltäglichen Ansichten, indem er sie in Farbflächen verwandelt, die ihr ästhetisches Eigenleben beanspruchen.

Frankreichs Hauptstadt ist für Paris mehr als der gängige Sehnsuchtsort. Der Künstler hat Wurzeln in das Nachbarland. Als Nachfahre von Hugenotten, die wegen ihrer protestantischen Bibelauslegung im Frankreich des 16. Jahrhunderts terrorisiert und schließlich nach Deutschland vertrieben worden waren, haben seine Ahnen seinen Nachnamen, wie er einmal erzählt, erhalten, weil die Deutschen die französischen Namen damals weder schreiben noch aussprechen konnten. So wurden sie als „Pariser“ ins Einwohnerregister eingetragen.

Ronald Paris lebt und arbeitet in Rangsdorf

Ronald Paris wurde 1933 in Sondershausen (Thüringen) geboren. Er arbeitet seit 1959 als freischaffender Künstler. Er lebt und arbeitet seit vielen Jahren in Rangsdorf (Teltow-Fläming).

Neben Wolfgang Mattheuer, Bernhard Heisig und Willi Sitte gehörte Paris zu den 16 Malern, die 1976 für den Palast der Republik große Wandgemälde anfertigten.

Ronald Paris... erlebt Paris. Museumshaus „Im Güldenen Arm“, Hermann-Elflein-Str. 3, Potsdam. Mi-So, 12-18 Uhr, bis 29. Dezember.

Die Vorfahren von Ronald Paris haben also eine Fluchtgeschichte. Und diese Dramatik lässt auch den Rangsdorfer nicht los. Denn unter den Reisebildern und Porträts in der Potsdamer Ausstellung sticht ein Werk besonders heraus. Es gibt die betrachtende Distanz auf, die selbst noch in einem politisch so hochexplosiven Gebiet wie den von den Israelis besetzten Westbanks durchgehalten wird – Paris malt den unpolitischen Blick aus einem Hotelzimmer auf den See Genezareth und der dahinterliegenden jordanischen Hügelkette.

Flüchtlingsboote im Mittelmeer

Das Aquarell „Charon auf dem Meer“ jedoch hat Paris 2015 auf dem Höhepunkt der Flüchtlingsdebatte gemalt. In der griechischen und römischen Mythologie bringt der greise Fährmann die Toten über den Fluss ins Reich der Unterwelt.

Bei Ronald Paris steht er in einem überfüllten Flüchtlingsboot. Die ersten springen verzweifelt von Bord, andere hängen entkräften über die Bootskante. Eine Frau blickt verzweifelt gen Himmel. Da ist er wieder, der Geschichtenerzähler Ronald Paris mit all seiner politische Dramatik.

Von Mathias Richter

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