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01:16 24.05.2019
US-Autor Jonathan Franzen. Quelle: Tamas Kovacs/DPA
Potsdam

Vielleicht hast du ja „eine gewisse Begabung als Essayist“, sagte Anfang der 90er Jahre ein Redakteur vom New Yorker zu Jonathan Franzen. „Weil du offenkundig ein Scheißjournalist bist.“ Franzen, der für das Magazin geschrieben hatte, weil er Geld brauchte, wies das erst mal von sich. Letztlich aber ließ er sich doch überreden, einen Essay zu schreiben. Übers Rauchen. Was zur Folge hatte, dass seine Mutter sechs Wochen nicht mehr mit ihm redete. Outete Franzen sich in dem Artikel doch als Raucher, was er seiner Mutter 15 Jahre verheimlicht hatte, die eine militante Tabakgegnerin war, seit ihr Mann an Lungenkrebs gestorben war.

Einige Aufsätze extra fürs Buch übersetzt

Dieser Tage erscheint nach „Anleitung zum Alleinsein“ (2002) und „Weiter weg“ (2012) Franzens dritter Essayband. „Das Ende vom Ende der Welt“ enthält 16 Texte, die der 59-Jährige zwischen 2001 und 2018 verfasste. Manche sind schon in der Literarischen Welt oder in National Geographic auf Deutsch erschienen. Andere wurden von Bettina Abarbanell und Wieland Freund extra fürs Buch übersetzt. Meist geht es um Franzens große Leidenschaft, das Vogelbeobachten, und um die Zerstörung der Umwelt.

Vogelwelt immer mehr dezimiert

Im „Vogelgrab Albanien“, wo jährlich Tausende von Zugvögeln abgeschossen werden, muss Franzen zusehen, wie völlig erschöpfte Schwärme von Enten nach dem Flug über die Sahara und das Mittelmeer durch Jäger gehindert werden, zu rasten, bevor sie die anstrengende Weiterreise über die Alpen antreten müssen. Auf Jamaika wird er Zeuge, wie Wilddiebe die ökologisch wertvollen und für die Brut so wichtigen Altbäume fällen, um Papageiennester auszuheben. Und vor den Farallon-Inseln berichtet er, wie weltweit jedes Jahr 400.000 Meeresvögel der Kiemennetzfischerei als Beifang zum Opfer fallen. Weil die meisten dieser Arten auf einsamen Inseln im Ozean nisten, kriegt kein Mensch mit, dass der Meeresvogelbestand in den letzten 60 Jahren an vielen Orten um 70 Prozent zurückgegangen ist. Nicht nur für den Hobby-Ornithologen und Vogelzähler Jonathan Franzen eine absolute Katastrophe.

Attacke auf Naturschützer

In den USA hat sich der durch den Bestseller „Die Korrekturen“ (2001) bekannt gewordene Franzen nicht nur Freunde gemacht, als er im Essay „Rette, was du liebst“ auch Naturschützer angriff, die geäußert hatten, dass die paar Tausend Vögel, die jährlich an einer Spiegelglasfassade eines Stadions zu Tode kämen, ja keine Rolle spielten im Vergleich zu denen, die durch den Klimawandel bedroht seien. Franzen glaubt, derartige Erklärungen führten nur zu einer Gleichgültigkeit, die sämtliche Ideale ad absurdum führe. Bald galt er manchem Amerikaner als „ein Vögel liebender Sonderling“, der glaube, er sei schlauer als der Schwarm. Und im Grunde ist er das ja auch wirklich. Die Entwicklungen auf der Welt geben ihm Recht.

Die ethischen Werte überprüfen

„Wert“ sei in unserer Gesellschaft, so Franzen, ausschließlich ökonomisch definiert. Der Kapitalismus der Märkte bremse jede Diskussion über Klimawandel aus. Und das Nichthandeln liege absurderweise ausgerechnet in der westlichen Meinungsfreiheit begründet. Franzen legt den Finger in die Wunde. Vögel sind für ihn ein Indikator, mit dem sich die Gesundheit unserer ethischen Werte messen lässt.

Jonathan Franzen: Das Ende vom Ende der Welt. Essays. Rowohlt, 256 Seiten, 25 Euro.

Von Welf Grombacher

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