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Kultur Neues von alten Meistern – diese Pop- und Rockalben erscheinen heute
Nachrichten Kultur Neues von alten Meistern – diese Pop- und Rockalben erscheinen heute
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17:57 29.10.2019
Rockt wieder mit Crazy Horse: Der Kanadier Neil Young hat ein neues Album am Start. Mit den Toten Hosen, Van Morrison, Howard Carpendale und Ringo Starr veröffentlichen heute (25. Oktober) weitere Altmeister der Populärmusik frische Werke. Jüngster im Bunde ist der 45-jährige Brite James Blunt, der seine persönlichsten Songs bisher veröffentlicht. Quelle: Getty Images

Manche denken, er weint zur Musik. Aber Tatsache ist: Neil Young singt so. Der Mann mit der unmöglichsten aller Rockstimmen hat ein neues Album am Start. Und auf Coloradospielt der große Kanadier wieder mit Crazy Horse zusammen, seiner Seniorengang, die immer noch am besten von all seinen Begleittruppen weiß, dass Rock ’n’ Roll roh und abgeschrappt klingen muss, um für die Ewigkeit zu halten statt für den Moment der Charts. Wenn sich auch gerade wieder ganz allgemein die Keyboards durchsetzen und immer mehr Rockbands für den Tanzboden Musik machen, bleibt der 73-Jährige mit seiner 50-jährigen Band bei seinen Leisten. In den zehn Songs – der längste ist stattliche 13 Minuten lang – geht es um die Spiegel des Lebens und die Spiegel der Zeiten. Von Liebe und Befreiung handelt „Milky Way“, um das politische Totalversagen der Trump-Administration dreht sich das schunkelnde „Rainbow of Colors“. Und mit dem Pianostück „Green Is Blue“ hat Old Fistelvoice einen Song geschrieben, mit dem er seiner Generation in Sachen Klimawandel bescheinigt, notorisch weggeschaut und alle Zeichen ignoriert zu haben. Einer für die Fahnen der Generation Greta.

Neil Young & Crazy Horse: Colorado (Reprise/Warner)

„Unplugged“ kann jeder – die Bandmitglieder werden an Stehhockern abgestellt und dann die Songs ein bisschen auf traurig getrimmt. Ziemlich genau 14 Jahre nach ihrer MTV-Platte aus dem Wiener Burgtheater kommen die Toten Hosen 2019 mit 21 Stücken (auf dem später erscheinenden Konzertfilm sind es 31) und einer ganz anderen Variante des hinlänglich bekannten Showformats. Sie beginnen auf ihrem Album „Alles ohne Strom“ mit „Entschuldigung, es tut uns leid“ im Stil der Comedian Harmonists, bringen „Urknall“ als Balkanpolka und haben bei „Hier kommt Alex“ einen Bluesrockbeat, der an Jethro Tulls „Locomotive Breath“ und diverse AC/DC-Klassiker erinnert. „Wie schade, dass politische Lieder so oft scheiße sind“, befindet Campino in „Politische Lieder“ und fühlt sich im neuen Mitgrölsong „Feiern im Regen“ tatsächlich „im Glück gefangen“. Könnte sein, dass aus dieser Feier – im Video tragen die Düsseldorfer Sergeant-Pepper-ähnliche Uniformen – in der Erinnerung einer von den „Tagen wie diese“ wird. Mittendrin im Song jedenfalls schlieren Klänge wie aus den psychedelischen Zeiten der Beatles. Und so ist dies eine illustre Popplatte geworden, auf der fünf neue Songs, Coverversionen (Rammstein, Foo Fighters) und Klassiker ein starkes Spannungsfeld erzeugen. Wer die unbändige Kraft herkömmlicher Hosen-Shows zu monoton fand – sie können auch gaaaanz anders.

Die Toten Hosen: „Alles ohne Strom“ (JKP/Warner)

Anders kann auch Howard Carpendale, der auf „Symphonie meines Lebens“ zwölf Songs noch einmal neu vertont hat – wenngleich „Tür an Tür mit Alice“, „Deine Spuren im Sand“, „Ti Amo“ und „Hello Again“ im stolzen Orchestergewand (aufgenommen in den legendären Abbey-Road-Studios mit dem Royal Philharmonic Orchestra), anders als so manche Hosen-Unplugged-Nummer, den klassischen Versionen nicht unbedingt vorzuziehen sind. Es gibt bei Hits eben nur eine originale Studioversion. Ganz anders ist das bei Neuversionen von unbekannteren Stücken wie etwa „Eine Nacht in New York City“, das im Kopf des Hörers nicht gegen den Ohrwurmstatus des Originals antreten muss. Die Einsamkeit des Protagonisten in der lebendigsten Stadt der Welt springt jedenfalls umgehend über. Im Duett mit Cliff Richard bei „Samstag Nacht“ huldigt Carpendale dann dem ersten aller Brit-Rock-’n’-Roller, dem sein erster eigener Konzertbesuch galt.

Howard Carpendale: „Symphonie meines Lebens“ (Electrola/Universal)

Eine der größten Blue-Eyed-Soul-Stimmen aller Zeiten wirft in jüngster Zeit Alben aus wie der Goldesel. Wobei dann nicht alles, mit dem VanThe ManMorrison rüberkam, tatsächlich Gold war und selbst geneigtere Morrisianer sich zuweilen ein „Schweigen ist Gold, Van!“ dachten. „Three Chords and The Truth“ nun ist richtig edel geraten – ob der Mann aus Belfast nun mit angezogenem Tempo der „Early Days“ des Rock ’n’ Roll gedenkt oder gemesseneren Schrittes die „Dark Night of the Soul“ erkundet. Fast 70 Minuten bietet der 74-Jährige, dessen Stimme 30 Jahre jünger klingt, wenn er sich seelenvoll der „Days Gone By“ erinnert oder mit Bill Medley von den Righteous Brothers („You’ve Lost This Lovin’ Feelin‘“) dem Hörer eine der traurigen Erkenntnisse des Musikerdaseins unterschiebt – das doppeldeutige Duett „Fame Will Eat The Soul“ gehört zu den Höhepunkten dieses Albums, auf dem Gitarren perlen, das Schlagzeug flüstert und die Hammondorgel tröstlich schmurgelt.

Van Morrison: „Three Cords and The Truth“ (Caroline/Universal)

Alles auf James Blunts sechstem Album „Once upon a Mind“ ist bluntester Bluntpop – ganz große, schwere Songkandelaber mit Hunderten Glühbirnen drin. Festlich ist dieses Werk, hymnisch, gelegentlich durchaus tanzbar, dann aber eher dezent rhythmisiert wie im Latinpopstück „The Truth“ oder dem soften, an Ed Sheerans „Divide“-Songs erinnernden „Youngster“ mit seinem zarten Hip-Hop-Beat. Spätestens beim zweiten Durchgang ist das dann alles komplett und picobello im Ohr und im Kopf des Hörers – unentrinnbar, abrufbar, von bezwingender Melodiösität, egal, ob das countryhafte „Halfway“ oder die dunkleren, anrührenden pianodominierten Balladen „Monsters“ und „How it Feels to Be Alive“. Blunts Lieder für seine Familie sind zugleich perfekt für Blunt-Fans, denen der Vorgänger „The Afterlove“ too much Electro war – romantisch gefärbter Pop, der die Grenze zu Schmacht und Schmalz mehr als einmal überschreitet, dessen Dringlichkeit aber unüberhörbar ist. Stoff für Romantiker, für Leute mit Herzensanliegen, der nur dann zu plüschig und schlagerhaft wird, wenn er in allgemeine Liebesschwärmerei verfällt wie im Fall des Songs „5 Miles“.

James Blunt: „Once Upon a Mind“ (Warner)

Der Älteste schließt die Popwoche ab: Ringo Starr, im Sommer 80 geworden, beginnt sein neues Album „What’s My Name“ funky – mit der in sonorer Nichtstimme vorgetragenen Ansprache „Gotta Get Up to Get Down“. Dann fällt er bei dem mit Eurythmics-Songwriter Dave Stewart geschriebenen „It’s Not Love That You Want“ in den vertrauten Spaß-Rock-’n’-Roll der Marke Ringo. Die berühmteste Beatles-Botschaft regiert nicht nur in diesem Song („Mag sein, dass du keine Liebe willst, aber du brauchst dringend welche“), sondern auf dem ganzen Album. Weitere Lieder heißen „Life Is Good“, „Send Love Spread Peace“ und „Thank God for Music“. „All You Need Is Love“ trifft auf „Give Peace a Chance“. Mit „Money“, das er schon für die Fab Four trommelte, geht’s nochmal zurück in die Merseybeatzeiten, bevor er sich ganz zum Schluss beim soft boogierockenden „What’s My Name“ auch mal hemmungslos selbst feiert. „Wie heiß ich?“, fragt er. „Ringo!“ brüllen die Massen. Insgesamt ist das zwar eine enthusiastisch vorgetragene Versammlung von liebenswerten Harmlosigkeiten, dennoch muss sie sich der Beatles-Collector ins Regal stellen. Schon allein, weil Ringo bei John Lennons Ballade „Grow Old with Me“ (von dessen postumem Album „Milk and Honey“) sein Paul am Bass zur Seite steht. Die halten halt zusammen!

Ringo Starr: „What’s My Name“ (Universal)

RND

Von Matthias Halbig/RND

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