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Kultur Diese Highlights bietet die neue Spielzeit im Nikolaisaal
Nachrichten Kultur Diese Highlights bietet die neue Spielzeit im Nikolaisaal
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17:45 04.06.2019
Am 30. November kommt sie in den Nikolaisaal: Evelyn Glennie zählt zur Elite in der Schlagzeugzunft – fast ertaubt, hat sie einen besonders intensiven Zugang zum Instrument. Quelle: James Callaghan
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Natürlich schaut das Publikum auch etwas bange auf die neue Handschrift des Programms im Nikolaisaal, das für die anstehende Saison zum ersten Mal nicht von Andrea Palent verantwortet wird – nach 19 Jahren hat sie die Spitze des Hauses verlassen und will kürzertreten, den Staffelstab hat sie im vergangenen Herbst an den neuen Programmdirektor Michael Dühn weitergereicht. Dühn ist jemand, dem die Lust am neuen Amt als Blitzen in den Augen steht, er sucht Nähe, fachlich formuliert er durchweg kundig, mitunter hochinformiert, und wählt dabei den angenehmen Ton eines Akteurs, der mittendrin steht. Und Inhalte keineswegs distanziert von der Kanzel moderiert.

Die Auslastung des Nikolaisaals ist kaum steigerbar, auch die Zufriedenheit des Publikums ist hoch. Was sollte man an der Programmstruktur groß ändern, wenn der Laden so gut läuft?

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Höhepunkte 2019/20 im Nikolaisaal

Zu den Neuerungen im Nikolaisaal zählen drei inhaltliche Schwerpunkte:

1. „Zwischen Utopie und Exil“, ein genreübergreifendes Themenwochenende vom 18. bis 20. Oktober. Hier werden die letzten Jahre der Weimarer Republik (1928 bis 1933) in den Blick genommen. Neben einem Filmlivekonzert mit dem Bundesjugendjazzorchester, das Stummfilme der Bauhauszeit mit aktuellem Jazz verbindet, widmen sich Ute Lemper und die Kammerakademie Potsdam mit den „Sieben Todsünden“ einem Meisterwerk Kurt Weills.

2. Aus Anlass des 250. Geburtstages von Ludwig van Beethoven legt der Nikolaisaal die neue Reihe „Fokus: Beethoven!“ auf, die sich während des gesamten Jubiläumsjahres 2020 mit dem Werk und der Wirkung eines eigensinnigen Genies beschäftigen wird.

3. „Fokus: Schlagzeug“ ist DEM Instrument des 21. Jahrhunderts gewidmet und wartet mit großen Namen einer höchst lebendigen Szene auf: Neben den aufstrebenden Stars Simone Rubino und Christoph Sietzen gibt sich die legendäre Grande Dame ihres Fachs, Evelyn Glennie, im Nikolaisaal am 30. November die Ehre.

Unter dem Titel „Soundtrack des Lebens“ werden Matthias Platzeck und die Schriftstellerin Marion Brasch am 24. August bisher nicht näher definierte Einblicke in ihre Biografie und ihren Kunstgeschmack geben. Moderiert wird der Abend von Max Moor.

Gesamtprogramm unter www.nikolaisaal.de

Die Neuerungen werden punktuell vorgenommen, sie konzentrieren sich auf drei Themenschwerpunkte: Die genreübergreifende Themenwoche „Zwischen Utopie und Exil“ findet vom 18. bis 20. Oktober statt, sie konzentriert sich auf die Jahre 1928 bis 1933, die Endzeit der Weimarer Republik. Neben einem Filmlivekonzert mit dem Bundesjugendjazzorchester, das Stummfilme der Bauhaus-Zeit mit aktuellem Jazz verbindet, widmen sich Ute Lemper und die Kammerakademie Potsdam mit den „Sieben Todsünden“ einem Meisterwerk Kurt Weills.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven im Jahr 2020, der mit der Reihe „Fokus: Beethoven!“ gefeiert wird. In diesem Fall geht es nicht zwingend um die Werktreue, denn der Zugang zum Komponisten ist assoziativ. Eröffnet wird diese Reihe am 15. Februar mit der Rekonstruktion von Beethovens „großer musikalischer Akademie“ vom 2. April 1800 in Wien, einem Mammutkonzert mit mehr als drei Stunden Musik – gestaltet vom Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt.

Schließlich legt eine dritte Neuerung den Blick auf das prägende Instrument des 21. Jahrhunderts unter dem Titel „Fokus: Schlagzeug“. Große Drummer wie Simone Rubino und Christoph Sietzen werden im Nikolaisaal erwartet, auch die legendäre Grand Dame ihre Faches, Evelyn Glennie, hat einen Auftritt zugesagt. Sie ist nahezu ertaubt, dadurch hat sie einen besonders sinnlichen Zugang zum Schlagzeugspiel.

Mozart oder Beethoven? Beide!

Eröffnet wird die Saison im Nikolaisaal mit einem Auftaktfest vom 23. bis 25. August. Unter anderem spielt die Kammerakademie Potsdam unter Leitung ihres Chefdirigenten Antonello Manacorda gemeinsam mit dem Drummer Simone Rubino eine feurige „Fiesta“ von Manuel de Falla, Zoltan Kodály und Avner Dorman.

Eben diese Kammerakademie (KAP), die ihren Stammsitz im Nikolaisaal hat, führt auch in der kommenden Saison den seit vier Jahren erprobten Brauch fort, einen „Artist in Residence“ zu berufen. Einen Musiker also, der während des Konzertjahres immer wieder mit der KAP auftritt. Für die Spielzeit 2019/20 hat sich das Orchester für den französischen Bratschisten Antoine Tamestit entschieden. Mit der Bratsche soll ein Instrument ins Zentrum rücken, das gemeinhin eher am Rande wahrgenommen wird.

Die Saisonthemen der KAP werden in der neuen Spielzeit unter dem Motto „Ich/Wir“ zusammengefasst. Es geht um das Verhältnis des Einzelnen zur Gesellschaft. Oder des Musikers zum Orchester. Hinter diesem abstrakten Slogan verbergen sich so greifbare Komponisten wie Antonio Vivaldi, Mozart und natürlich Ludwig van Beethoven, der Jubilar des kommenden Jahres. Wenn man Chefdirigent Manacorda die Gretchenfrage stellt: „Mozart oder Beethoven?“, dann gibt er die einzig richtige Antwort: „Beide! Immer!“

Von Lars Grote