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Kultur Norman Ohler im Interview
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18:41 15.12.2017
Norman Ohler, Autor, Oderbruch, Brandenburg Schriftsteller Quelle: Urban Zintel Photography
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Potsdam

Herr Ohler, wie sind Sie auf das Thema Oderbruch gestoßen?

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Von einer Freundin aus Israel bekam ich ein Sachbuch geschenkt, das die Bedeutung der Wasserwege bei der Entstehung Deutschlands untersucht. 40, 50 Seiten darin widmen sich dem Oderbruch. Ich hatte ein Holzkajütboot und bin von Berlin oft dorthin gefahren.

Ihr Roman ist dem Realismus verpflichtet. Aber warum gibt es auch einen Wels, der sprechen kann?

Da habe ich mich von García Marquez’ magischem Realismus inspirieren lassen. Es reizte mich, die Wildnis der kolumbianischen Bergregionen auf das Oderbruch zu übertragen. Mit der Trockenlegung ist ja auch das Element des Fantastischen, Mystischen untergegangen.

Mit „Der totale Rausch. Drogen im Dritten Reich“ haben Sie 2015 ein viel beachtetes Sachbuch herausgebracht. Warum haben Sie diesmal kein Sachbuch geschrieben?

Das Thema Trockenlegung des Oderbruchs ist auch ein bisschen trocken. Ich wollte einen schönen Schmökerroman schreiben und dadurch mehr Interesse wecken. Es hat Spaß gemacht, Charaktere und Szenen zu erfinden.

Doch eine ganze Menge scheint auch historisch verbürgt zu sein.

Der Rahmen ist verbürgt, auch dass der Mathematiker Euler ins Oderbruch reiste und dort auf einem Boot durch die Gegend fuhr. Über die Brücher weiß man relativ wenig. Ich habe viel recherchiert, es gibt Chroniken, und erzähle so faktengetreu wie nur möglich. Auch die meisten Zitate von Friedrich sind original. Die Tischszene in Sanssouci habe ich mir aber ausgedacht.

War Euler von der Wildnis so fasziniert, dass er deren wirtschaftlichen Nutzen ausrechnen möchte?

Nein, das ist eine Fiktion. Aber dass sich Euler mit König Friedrich nicht mehr verstanden hat, dafür gibt es Belege. Mein Roman behauptet, der Grund für die Verstimmung sei die Trockenlegung gewesen. Wahrscheinlicher ist, dass sich die beiden als Typen nicht mochten.

Der Drogen-Aspekt klingt im Roman auch an. Ihre Heldin Oda konsumiert gerne mal Mohnsaft.

Natürliche Drogen dürften ihren Platz gehabt haben. Mohn war als Naturarznei bekannt.

Von Karim Saab

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