Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Online-Archiv zeigt die private Seite der DDR
Nachrichten Kultur Online-Archiv zeigt die private Seite der DDR
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:09 23.09.2019
DDR-Alltag, mal offiziell, mal ganz privat. Das Online-Archiv „Open Memory Box“ enthält 2283 private Schmalfilm-Rollen von DDR-Bürgern. Quelle: Fotos: Open Memory Box
Potsdam

Es sind idyllische Bilder von dem kleinen blonden Jungen im Kinderwagen. Die Stimme aus dem Off erzählt dazu, dass das Kind bei der Oma aufwuchs, weil sie keinen Krippenplatz fand und ihre Ausbildung nicht unterbrechen wollte.

Der Film ist aus den 60er-Jahren und stammt aus dem Privatarchiv von Barbara Langerwisch, die im weiteren Verlauf des Streifens von Urlaubsreisen zu DDR-Zeiten, Theaterfahrten ans Berliner Ensemble und verbotenes Filmen an der Mauer erzählt.

Von Kundgebungen bis zu rauschenden Partys

Der zehnminütige Super-8-Film steht seit Montag im Online-Archiv „Open Memory Box“ – zusammen mit 2282 weiteren Privatfilmen von DDR-Bürgern. Insgesamt 415 Stunden. Zu sehen sind Familienfeiern, Urlaubserlebnisse, rauschende Partys genauso wie die Teilnahme an 1.-Mai-Kundgebungen. Es ist das private Gedächtnis der DDR, das hier lagert und nun öffentlich zugänglich ist.

Das Online-Archiv „Open Memory Box“ zeigt Filme aus dem Privatbestand von DDR-Bürgern. Wie sie lebten und wie sie DDR sahen. Im Folgenden ein paar willkürlich herausgegriffene Momentaufnahmen aus unterschiedlichen Filmen.

Der kanadische Politikwissenschaftler Laurence McFalls und der schwedisch-argentinische Filmproduzent Alberto Herskovits haben das Material in sechsjähriger Arbeit zusammengetragen und gesichtet.

Die Projektidee: Die beiden wollten die ideologischen Stereotypen, wie sie in der Folge der Ost-West-Konfrontation entstanden – hier die Sicht auf ein diktatorisches Regime, dort die nostalgische Verklärung der eigenen Vergangenheit – überwinden. Sie wollten mit privatem Filmmaterial dokumentieren, wie die Menschen in der DDR gelebt haben und wie sie sich dabei fühlten.

Versuch, den Ost-West-Gegensatz zu überwinden

Das Online-Archiv könnte da behilflich sein. Dem DDR-Spezialisten McFalls von der Universität Montréal und Herskovits, der sich als Dokumentarfilmer mit der Nachwendezeit im Osten auseinandergesetzt hat, ist es gelungen, die Bilder aus den Heimkinos so aufzubereiten, dass selbst ignorante Westbürger vielleicht verstehen können, warum in der DDR nicht alles schlecht war. Menschen mit Ostbiografie bietet das Archiv wiederum die Chance, sich kritisch mit den eigenen Erinnerungen auseinanderzusetzen.

„Es geht nicht darum, das System zu verharmlosen, wenn wir diese Aufnahmen zeigen“, sagt Lawrence McFalls. Es solle nachvollziehbar werden, wie das Leben der Menschen unter bestimmten Einschränkungen weiterging.

Trabi, Hochzeit, Freiheit

Das Archiv, das auch vom Potsdamer Zentrum für zeithistorische Forschung wissenschaftlich begleitet wird, dokumentiert dies auf drei Ebenen, über die der Nutzer Zugang zum Filmmaterial erhält. Die erste Stufe funktioniert über einen Zufallsgenerator. Die Nutzer gelangen über die Auswahl von so unterschiedlichen Schlagworten wie „Trabi“, „Hochzeit“, „Freiheit“ „Erotisch“ oder „Angst“ auf entsprechender Filmsequenzen zum Thema. Dadurch wird deutlich, wie unterschiedlich die Alltagserfahrungen in der DDR waren.

Die zweite Stufe ist ein klassisches Archiv, in dem mit Schlagworten gesucht werden kann. Und schließlich die dritte, bislang allerdings noch im Aufbau befindliche Abteilung mit heutigen Kommentaren der damals Filmenden oder derjenigen, die zu sehen sind.

415 Stunden Filmmaterial

Das Online-Archiv „Open Memory Box“ dokumentiert private Filme von 149 Familien aus 102 Orten der ehemaligen DDR.

Das Archiv umfasst 2283 Filmrollen mit 415 Stunden Filmmaterial. Es kann über 2700 Suchbegriffe durchforstet werden.

Die Filme sind abrufbar unter: www.open-memory-box.de

An vielen dieser Aufnahmen wird unmittelbar deutlich, wie politisch doch gerade das Private sein kann, egal wie unbeschwert so manches Bild zunächst wirkt. Ursula Langerwisch kommen heute noch die Tränen, wenn sie Bilder von sich in Ostberlin sieht. „Die Maueröffnung, das war das Ereignis meines Lebens“, sagt sie schluchzend.

Von Mathias Richter

Ballett als Thriller: Ralph Fiennes verfilmt mit „Nurejew“ (Kinostat: 26. September) die Geschichte von Rudolf Nurejew - von einem Künstler, der wusste, dass er ins Rampenlicht gehört.

23.09.2019

In „Rambo 5: Last Blood“ kehrt Sylvester Stallone als John Rambo auf die Kinoleinwand zurück. Die Kritiken fallen vernichtend aus – und auch Rambo-Erfinder David Morrell findet drastische Worte.

23.09.2019

Er ist „Born in the USA“ und „Born to Run“: Bruce Springsteen, das rockende Gewissen Amerikas, wird heute 70 Jahre alt. Hier sind sieben Gründe, den „Boss“ zu lieben.

23.09.2019