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Kultur Star-Pianist Igor Levit kommt nach Potsdam
Nachrichten Kultur Star-Pianist Igor Levit kommt nach Potsdam
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00:33 16.05.2018
Pianist Igor Levit Quelle: Robbie Lawrence
Potsdam. Igor Levit ist ein Star unter den Pianisten. Bei seinem Auftritt im Potsdamer Nikolaisaal wird Antonello Manacorda, der Chef der Kammerakademie, das Orchester dirigieren

Herr Manacorda und Herr Levit, wenn Sie Konzerte geben, dann mit hohem körperlichen Einsatz. An welche menschlichen Triumphe denken Sie, wenn Sie am Pfingstsamstag in Potsdam das kraftvolle, pathetische Rondothema zu Beginn des dritten Satzes von Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 intonieren?

Antonello Manacorda: Für mich hat dieses Thema etwas Hysterisches, Hyperglückliches ... Es geht nicht um Triumph.

Igor Levit: Ich denke dabei nicht an Triumphe sondern eher an eine gigantische Energieexplosion, die sich sicher an der Grenze zur Hysterie bewegt.

Gibt es für Sie Grenzen der Freiheit bei der Interpretation einer Beethoven-Komposition?

Levit: Nein, die gibt es nicht. Es gibt den unendlichen Respekt gegenüber dem Notentext. Grenzen der inneren Freiheit setze ich mir aber nicht.

Manacorda: Wenn die Freiheit Grenzen hat, ist es keine Freiheit mehr. Ich würde nicht von Grenzen sprechen, sondern auch von meinem Respekt – für den Komponisten. Seine Partitur ist für mich wichtig. Was Beethoven schrieb, ist das einzige, was wir haben, wenn wir versuchen, ein Stück wie sein Klavierkonzert zu verstehen.

Von Gorki nach Hannover

Igor Levit wurde 1987 in Gorki (Sowjetunion) geboren. 1995 übersiedelte seine jüdische Familie von Russland nach Hannover. Dort absolvierte er die Schule und die Hochschule für Musik. Dem jungen Absolventen bescheinigte die Musikkritikerin Eleonore Büning 2010 in der FAZ, „einer der großen Pianisten dieses Jahrhunderts“ zu sein. 2014 wurde Levit mit einem Echo Klassik ausgezeichnet. Den Preis gab er aus Protest gegen die Auszeichnung für die Rapper Farid Bang und Kollegah im April 2018 zurück.

Antonello Manacorda wurde 1970 in Turin geboren. Zunächst studierte er Violine. 1997 gründete er als Konzertmeister mit dem Dirigenten Claudio Abbado das Mahler Chamber Orchestra. 2009 wurde er Künstlerischer Leiter der Kammerakademie Potsdam (KAP), 2011/2012 zusätzlich Chefdirigent des niederländischen Het Gelders Orkest. Er ist heute weltweit ein gefragter Opern-Dirigent.

Pfingstkonzert: Am Samstag, dem 19. Mai (20 Uhr) spielt Igor Levit mit der Kammerakademie Potsdam im Nikolaisaal. Auf dem Programm stehen Mahler, Beethoven und Strauss. Am Pult steht Anto­nello Manacorda. Karten unter 0331/28 888 28.

Möchten Sie in Ihrem Leben Musik und Politik auseinanderhalten?

Manacorda: Jede Geste in unserem Leben hat eine politische Bedeutung. Man kann – Gott sei Dank! – nicht die Politik „ausschalten“. Was man liest, was man macht, wo man einkauft, wie man sich auf der Straße benimmt ... alles ist Politik. Die Leute unterschätzen das sehr und denken, dass sie außerhalb der Politik leben können. Das ist eines der vielen Probleme unserer Demokratie.

Levit: Ich möchte darauf mit einer Gegenfrage antworten: Gibt es einen vegetarischen Schlachthof?

Wie meinen Sie das?

Levit: Bei der Echo-Verleihung haben wir doch gesehen, wie eng beide Sphären zusammenhängen. Der Konzertsaal gehört für mich in den Alltag.

Wie nah kommt man Ihnen, wenn man Ihnen auf Facebook oder Twitter folgt?

Manacorda: Ich twittere nicht, bin aber auf Facebook. Aber man kommt mir viel näher, wenn man ein Konzert von mir besucht!

Levit: Ich habe gar keinen Facebook-Account mehr. Niemand braucht Facebook. Bei Twitter? Ja. Da kommt man mir sehr nah. Ich twittere jeden Tag. So wie ich auch Klavier spiele.

Antonello Manacorda Quelle: Nikolaj Lund

In welche Partei würden Sie am liebsten eintreten? Oder welche Partei würden Sie gern gründen?

Levit: Ich hätte gern eine linke, progressive, in die Zukunft denkende Linkspartei in Deutschland… Ja, das wär‘s!

Manacorda: Auch ich fühle links.

Und wie fühlen Sie sich in Deutschland als Nicht-hier-Geborene?

Manacorda. Ich fühle mich hier derzeit deutlich besser als ich mich heute in Italien fühlen würde.

Levit: Die Antwort auf diese Frage würde dieses Interview sprengen. Ich mache mir täglich Gedanken zu Fragen nach meiner Identität. Jedoch ist Heimat für mich kein ortsbezogener Begriff. Heimat ist, wo Menschen sind, die mir viel bedeuten.

Aber heute leben Sie in Berlin, warum?

Manacorda: Ich lebe in Kreuzberg und schätze an meinem Bezirk besonders die Vielfalt und multikulturelle Seite, die unterschiedlichen Menschen, die hier leben. All dies inspiriert mich ungemein, wenn ich zu Hause bin, was leider zu selten der Fall ist.

Levit: An Berlin-Mitte, wo ich wohne, schätze ich sehr viel. Aber gleichzeitig immer weniger.

Wie würden Sie Ihre Freundschaft beschreiben?

Manacorda: Die Musik beschreibt das am besten. Wir müssen nicht viel über Musik reden, wir spielen sie zusammen.

Levit: Wir vertrauen einander. Das ist schon sehr viel. Unser Miteinander, sowohl menschlich als auch beim Musikmachen, ist von diesem Vertrauen geprägt.

Von Karim Saab

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