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13:29 15.12.2018
Die Entscheidung ist gefallen. Potsdam will Terézia Moras „Die Liebe unter Aliens“ lesen. Quelle: Jan Russezki
Potsdam

Jeder kennt es: Hat man ein tolles Buch gelesen, will man sich mit anderen darüber austauschen – nur findet man selten jemanden, der den eigenen Lieblingsroman auch kennt. Das soll sich ändern. Fast 1000 Potsdamer haben die Lektüre für „Potsdam liest ein Buch“ gewählt. Terézia Moras „Die Liebe unter Aliens“ geht auf eine Lesereise durch die Stadt und bringt Literaturfans zusammen. In 17 Lesungen an verschiedenen Orten werden die zehn Erzählungen der Georg-Büchner-Preisträgerin gelesen und besprochen – am Ende sogar mit der Autorin.

Es war ziemlich knapp. Nur zehn Stimmen Unterschied machen Terézia Mora zur Gewinnerin von „Potsdam liest ein Buch“. Mit 221 Stimmen belegte Karen Duve mit ihrem fast 600 starken biografischen Roman „Fräulein Nettes kurzer Sommer“ Platz zwei. Fünf Experten wie die Direktorin der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam, Marion Mattekat, Buchhändler Carsten Wist und Autorin Antje Rávic Strubel stellten fünf Bücher zur Wahl. 966 Potsdamer haben aus diesen an zehn Wahlurnen in der Stadt und auf maz-online.de die Gewinnerin gewählt. Etwa 55 Prozent stimmten online ab. Dort lag der Roman von Karen Duve vorn. An der Wahlurne konnte Mora Duve aber überholen.

Ein Buch auf Reisen durch Potsdam

Am 8. Januar beginnt die Lesereise des Buches hinter den Kulissen des Hans-Otto-Theaters. Dort wird die Schauspielerin Alina Wolff den Auftakt lesen. Sprache gehöre zum Tagesgeschäft des Theaters, sagt Chefdramaturgin Bettina Jantzen, da biete sich die Literatur als Türöffner zum Theater an. Aber auch die Märkische Allgemeine Zeitung öffnet am 26. Januar ihre Türen zum Newsroom. Dort wird Chefredakteurin Hannah Suppa lesen.

Wessen Gutenacht-Geschichten bei Kindern beliebt sind, der bekommt bei „Potsdam liest ein Buch“ die Chance auch für andere, große und kleine Kinder zu lesen. Einige Studenten und Rentner haben sich beworben und dürfen nun ebenso Passagen vorlesen. „Ich freue mich sehr darüber und wäre gerne Mäuschen – dann auch wieder nicht“, scherzt Autorin Terézia Mora. Sie liest zum Abschluss am 17. März. „Ich mag es, dass beim Vorlesen Menschen mit gleichen Interessen da sind, die trifft man im Alltag meistens nicht“, sagt sie. Im Anschluss jeder Lesung soll über das Buch diskutiert werden. Es ist also ein offener Lesekreis, an dem jeder kostenlos teilnehmen kann.

Buchcover: Terézia Mora "Die Liebe unter Aliens" Quelle: Jan Russezki

Wer nicht bis zu den Lesungen von „Die Liebe der Aliens“ warten kann, hat bald in Potsdamer Cafés und Bibliotheken die Möglichkeit in 20 ausliegenden Exemplaren vorab zu schmökern. Mora erzählt in ihren Werken von Großstadtnomaden, die in innerer und äußerer Fremdheit heimatlos und verloren sind. „Es ist gar nicht so einfach darüber zu reden, wie wir sind“, sagt die Autorin. Sie unterhalte sich auch gerne über Vorurteile und Ressentiments: „Lassen Sie uns darüber reden“. Mora trifft damit in jedem Fall den Nerv unserer Zeit und gibt genügend Stoff zur Diskussion.

Internationales Konzept

Das Konzept „Eine Stadt liest ein Buch“ kam Ende der 1990er Jahre in den USA auf und fand in über 400 Städten Zulauf. Schnell schwappte die Idee eines großen Lesezirkels auch nach Europa über. 2002 war Potsdam eine der vier Städte, die den Versuch auch in Deutschland machte. Damals lasen die Potsdamer „Dich schlafen sehen“ von Anne-Sophie Brasme. Eine Reihe wurde aus der Privatinitiative allerdings nicht. Erst jetzt finden Leser wieder aus dem stillen Kämmerlein zurück in den Kreis der Vorleser.

Veranstalterin der Lesereihe und Chefdramaturgin am Hans Otto-Theater Bettina Jantzen (links), Direktorin der Stadt- und Landesbibliothek Marion Mattekat (Mitte) und HOT-Dramaturgin Alexandra Engelmann. Quelle: Jan Russezki

„Uns ist es wichtig, die Stadt kennenzulernen, die Leute zusammenzubringen und gemeinsam über Literatur ins Gespräch zu kommen“, sagt Jantzen. Die Idee zum Revival der Aktion stammt von der Autorin Antje Rávic Strubel, die das Gewinnerbuch vorgeschlagen hat. „Auf meinen Lesereisen fällt mir immer wieder auf, wie leicht es ist, über ein Buch miteinander ins Gespräch zu kommen“, sagt sie. Und ergänzt: „Eine Stadt wie Potsdam, die so viel Wert auf Kunst und Kultur legt und Theodor Fontane hoch und runter dekliniert, sollte es doch schaffen, eine spannende, stadtviertelübergreifende Debatte über ein Werk der Gegenwart zu entfachen!“

Potsdam liest ein Buch

Die Initiative „Potsdam liest ein Buch“ des Hans-Otto-Theaters ist ein Lesemarathon, bei dem an verschiedenen Orten Lesungen des gleichen Buches stattfinden. Stück für Stück wird in einem großen Lesekreis ein ganzes Buch gelesen und vor Ort mit teils prominenten Vorlesern und den Autoren besprochen. Bis zum 14. Dezember konnten Potsdamer aus fünf Büchern wählen, was in dem aus den USA stammenden Konzept „Eine Stadt liest ein Buch“ einzigartig ist.

Die Lesungen finden an 17 Orten statt. Das Hans-Otto-Theater eröffnet mit der Schauspielerin Alina Wolff die Lesereise, gefolgt von der Autorin Margaret Heckel im Bildhaueratelier Marcus Golter. Auch Hannah Suppa, Chefredakteurin der Märkischen Allgemeinen Zeitung, öffnet die Türen und lädt in den Newsroom der MAZ. Alle Lesungen sind kostenlos, manche erfordern aber eine Anmeldung. Die Termine finden Sie unter www.hansottotheater.de.

Von Jan Russezki

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