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Nachrichten Kultur Wolfgang Joop trägt Potsdam im Herzen
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13:33 18.11.2014
Wolfgang Joop war Gast auf der Hochzeit von Georg Friedrich von Preußen und Prinzessin Sophie von Isenburg am 27. August 2011 in Potsdam. Quelle: Christel Köster
Potsdam

Niederlagen gab es in seinem Leben durchaus. Doch Modeschöpfer Wolfgang Joop ist immer wieder aufgestanden – und hat sich neu erfunden. Jüngst als Juror neben Model-Mama Heidi Klum. Nachdem er bei "Germany’s Next Topmodel" in der vergangenen Staffel überraschend zum Publikumsliebling avancierte, ist er auch für die zehnte Folge gebucht. Am 18. November wird der Potsdamer 70 Jahre alt – und denkt nicht ans Aufhören. "Ich bin es gewöhnt, dass ich gefordert und gewollt werde. Das ist das beste Antidepressivum", sagt Joop, der mit Partner Edwin Lemberg und Hündin Lotte in der sanierten "Villa Wunderkind" lebt.

Wolfgang Joop und Heidi Klum in "Germany's Next Topmodel". Quelle: dpa

Dass er vor Kurzem noch zu den prominentesten Kritikern der Pro-Sieben-Reihe gehörte, scheint vergessen. Der Designer ist selten verlegen um eine Antwort, sondern plaudert gerne drauf los – und landet manchmal im Fettnapf. So sorgte bei der Hohenzollern-Hochzeit im August 2011 in Potsdam für Irritation, dass der Modeschöpfer in einem TV-Interview Details zu dem von ihm geschaffenen Kleid ausplauderte, bevor die Braut Sophie Prinzessin von Ilsenburg darin zu sehen war.

"Sprachpanscher 2014"

Typisch Joop: Wenn er spricht, sprudelt es mitunter aus ihm raus. Die Sätze sind geschliffen, bergen Wissen. Doch es mischen sich viele englische Wörter darunter, was ihn prompt zu einem Kandidaten für den Anti-Preis "Sprachpanscher 2014" des Vereins Deutscher Sprache machte.

Privat jedoch ist der Modemacher, der zusammen mit Karl Lagerfeld und Jil Sander zu den erfolgreichsten Deutschen in dieser Branche zählt, sensibel. In seiner 2013 erschienenen Autobiografie „Undressed – Aus einem Leben mit mir“ berichtet er von Unsicherheit, Einsamkeit und zahlreichen Niederlagen.

Joops Refugium in Potsdam: die Villa Rumpf am Heiligen See. Quelle: Bernd Gartenschläger

Dabei ist Joop ein Multitalent: Er hat Werbepsychologie und Kunsterziehung – allerdings nicht bis zum Abschluss – studiert, machte später als bildender Künstler, Maler, Schriftsteller und Schauspieler von sich reden. Zeichnen ist jedoch sein größtes Talent.

Das wusste er bereits in der Schule einzusetzen: Gegen eine Pin-up-Zeichnung sagten ihm die Mitschüler Lösungen vor. Bekannt wurde er mit der Marke Joop!, die er jedoch 1998 verkaufte.

Potsdam im Herzen

Geboren auf einem Potsdamer Bauernhof, verfrachtet nach Braunschweig, sehnte sich Joop zu DDR-Zeiten in die Heimat zurück und genoss die seltenen Besuche in Potsdam bei seiner geliebten Tante Ulla auf dem Familienstammsitz Gut Bornstedt. 1998 kehrte der Erfolgsdesigner zurück in seine Heimatstadt. „Er trägt Potsdam in seinem Herzen“, meint Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Er sei ein engagierter Bürger, der regen Anteil an den Debatten der Stadt nehme.

Mit seinem Partner Lemberg baute er auch das Luxuslabel Wunderkind auf, mit dem er sich 2003 überraschend in der Welt der Haute Couture zurückmeldete. Ex-Frau Karin sowie die Töchter Jette und Florentine mit ihren Familien leben in Reichweite. Nach dem Tod seiner geliebten Mutter Charlotte 2010 störte bis vor etwa einem Jahr ein erbitterter Erbstreit mit Jette um Gut Bornstedt das Idyll.

Wolfgang Joops geliebte Mutter Charlotte. Quelle: Christel Köster

Zu Joops wichtigsten Erfolgen gehört, dass er sein angeschlagenes Luxuslabel gerettet und Wunderkind 2012 zurück auf den Laufsteg gebracht hat. Damit hat er sich einen Traum erfüllt und die Anerkennung der Branche bekommen. Aber es hat ihn Kraft und Millionen Euro gekostet. Dem Magazin "Stern" gestand Joop, er habe "eine Menge in sein Leben hineingepresst", doch "ist das eine Werk, das einem emotional etwas Großes gibt, auf der Strecke geblieben", weil "die Zeit immer zu klein war".

"Was jetzt noch kommt, sind nur noch die Kirschen auf dem Kuchen"

Als der Modemacher, der auch in New York und Monaco gelebt hat, 2012 den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland erhielt, war er gerührt. "Ich habe das Gefühl, zu Hause angekommen zu sein. Man muss oft einen weiten Weg gehen, wie ein Handwerksgeselle den Rucksack schnüren, um nach Hause kommen zu dürfen."

Zum 70. Geburtstag macht sich der Designer davon. Obwohl er an der Winterkollektion 2015/16 arbeitet, wirkt er entspannt: "Ich konnte in jedem Fall eine so große Strecke an Frieden, Luxus und Selbstverwirklichung erleben, dass ich an einen Punkt gelangt bin, an dem ich sage: Was jetzt noch kommt, sind nur noch die Kirschen auf dem Kuchen."

Drei Fragen an...

... den Mode-Schöpfer Wolfgang Joop, der in Potsdam lebt.
1. Wie feiern Sie Ihren 70. Geburtstag?
Ich werde in ein anderes Land reisen. Ich habe keine so große Lust, mich dauernd zu bedanken, dass ich durchgehalten habe bis jetzt.
2. Was bedeutet die Zahl für Sie?
Ich habe nicht so viel Zeit, darüber nachzudenken. In meinem Beruf arbeitet man immer schon ein Jahr voraus. Dadurch gerät man etwas durcheinander mit der Zeit. Gerade arbeite ich an der Winterkollektion 2015/16. Ich habe aber auch gelernt, die Vergangenheit als etwas Kostbares zu sehen. Ich konnte meine beruflichen Erfolge mit vielen Menschen teilen. Ich habe Familie, Kinder, Enkel. Mir ist eigentlich immer im richtigen Zeitpunkt die richtige Person begegnet. Ich hatte immer Unterstützung und fühlte mich beschützt, ja auch geliebt.
3. Wäre das nicht ein gutes Resümee?
Schon, ich bin physisch und geistig privilegiert. Ich muss mir keine Gedanken machen, ob ich in die Jeans reinkomme. Ich komme in sie – und zwar in die, die ich mir vor 40 Jahren gekauft habe. Mein Friseur wundert sich über die Menge meiner Haare. Ich habe mir da nie viel Gedanken machen müssen. Das einzige Problem ist, wenn ich mir für besondere Anlässe etwas rauslegen muss. Dann bin ich immer ratlos.

Von Marion van der Kraats

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