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Potsdamer Filmpreis: Die Clio 2020 geht an Caroline Link

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13:48 10.12.2020
Riva Krymalowski als Anna Kemper in einer Szene des Films "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl".
Riva Krymalowski als Anna Kemper in einer Szene des Films "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl". Quelle: Frédéric Batier/Warner Bros./dpa
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Potsdam

Das Potsdamer Filmfestival „Moving History“ konnte in diesem Jahr zwar nicht stattfinden, seinen Festivalpreis vergibt es aber trotzdem: Am Samstag, 12. Dezember wird Caroline Links „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ mit der Clio 2020 ausgezeichnet. Den Preis vergibt das 2017 gestartete Festival für den besten Film zu einem historischen Thema. Der Filmpreis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird vom Filmpark Babelsberg gestiftet.

Coronabedingt findet die feierliche Preisverleihung online statt: Am Samstag ab 12 Uhr wird das Online-Angebot auf der Website des Festivals www.moving-history.de zur Verfügung gestellt. Die Preisträgerin Caroline Link und die Laudatorin, die US-amerikanische Philosophin und Direktorin des Einstein Forum in Potsdam, Susan Neiman werden per Video ein Gespräch über den Gewinnerfilm führen, wie es in einer Mitteilung des Festivals heißt. Auch das Video-Grußwort von Noosha Aubel, Beigeordnete Bildung, Kultur, Jugend und Sport der Landeshauptstadt Potsdam soll online zur Verfügung gestellt werden.

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Der Film erzählt von einer Flucht vor den Nazis

Die Clio wird 2020 bereits zum dritten Mal vergeben, auf der Shortlist stand in diesem Jahr unter anderem auch die dritte Staffel der in Potsdam produzierten Serie „Babylon Berlin“. 2017 startete das Festival, das als einziges deutsches Festival dokumentarische und fiktionale Filme mit historischen Themen aus der aktuellen und vergangenen Kino- und Fernsehproduktion präsentiert. Aus finanziellen Gründen setzte „Moving History“ danach ein Jahr aus und fand 2019 das zweite Mal statt, bereits Anfang dieses Jahres stand fest, dass das Festival in diesem Jahr nicht stattfinden würde – mit Corona hatte das nichts zu tun.

Der Film „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ basiert auf dem gleichnamigen Buch von Judith Kerr und erzählt von der neunjährigen Anna, deren Familie vor den Nazis nach Zürich fliehen muss. Anna lässt bei der Flucht alles zurück, auch ihr geliebtes rosa Stoffkaninchen, und muss sich in der Fremde einem neuen Leben voller Herausforderungen und Entbehrungen stellen.

„Ein Familienfilm im besten Sinne“

Filme, die sich thematisch mit der Verfolgung der europäischen Jüdinnen und Juden während des Nationalsozialismus auseinandersetzen, seien oft Teil von Überwältigungsdramaturgien, die kaum Raum für eine reflexive Auseinandersetzung mit Geschichte lassen – nichts davon finde sich jedoch in diesem Film. So schreibt es die Filmfestival-Jury – zu der Festivalleiterin Ilka Brombach, die Vorstandsmitgliedern Christoph Classen, Claudia Lenssen, Felix Moeller, Sachiko Schmidt und Chris Wahl gehören – in ihrer Begründung für die Preisvergabe. „Unrecht und Gefahr, Verfolgung und Angst bestimmen stets die Realität der Familie, aber sie bleiben mehr oder minder latent, was sie eher noch wirkungsvoller macht, und sie werden zudem durch die kindliche Perspektive gebrochen.“

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„Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ sei ein Familienfilm im besten Sinne ist, nämlich ein Film für Erwachsene und Kinder, der sich trotzdem nicht in Harmlosigkeit verliert. Vielmehr leiste er historische Aufklärung gerade auch für Kinder und Jugendliche. „Was Flucht und Exil bedeuten, der Verlust von Zugehörigkeit, Sicherheit und Unbeschwertheit, wird hier auch für jene greifbar, für die Politik und Geschichte noch eher abstrakte Größen sind. Geschichte wird so nahbar.“ Überzeugt habe die Jury nicht nur, wie stimmig all dies auf ästhetischer und dramaturgischer Ebene umgesetzt ist, sondern auch der Mut, sich bei diesem schwierigen Thema den etablierten diskursiven Mustern und damit eben auch dem Mainstream gesellschaftlicher Erwartungen und Vermarktungslogiken zu entziehen.

 

Von Sarah Kugler