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Kultur Potsdamer „Unidram“ geht in sein 26. Jahr
Nachrichten Kultur Potsdamer „Unidram“ geht in sein 26. Jahr
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17:36 28.10.2019
Auf der Flucht: Im finnischen Stück „Invisible Lands“ versuchen die Menschen, ihre Haut zu retten. Quelle: Pernilla Lindgren
Potsdam

Es kann passieren, dass wir die Grammatik nicht zu fassen kriegen, dass uns der Satzbau um die Ohren fliegt – es gibt ja solche Tage, an denen man sich schon die Zunge bricht, wenn man nur „hallo“ sagt. Dann trinkt man einen warmen Tee. Und kann es gleich nochmal probieren. Doch manchmal hilft auch das nicht. Im besten Falle ist das keine Krise, sondern eine Form von Strategie. Zum Beispiel auf dem „Unidram“, dem Theaterfestival in Potsdam, wo sie immer gut verstanden haben, hohlen Phrasen die Luft rauszulassen. Wer im israelisch-schwedischen Stück „Invisible Lands“ (Unsichtbares Land) sitzt, und wenig, nicht mal Bahnhof versteht, guckt ins Programmheft, im Kleingedruckten liest man: 50 min, Fantasiesprache.

Fantasiesprache kann erleichtern, das sagen schon die Hebammen: „Wenn Sie ein Baby haben, plappern Sie ruhig mit, spucken die Vokale aus, rufen kaka und lachen hinterher.“ Das tut gut. Auch wenn es nicht im engen Sinne zum Wortschatz von „Invisible Lands“ gehört. Das „Objekttheater“ des israelischen Puppenspielers, Regisseurs und Schauspielers Ishmael Falke und der schwedischen Tänzerin, Choreografin und Regisseurin Sandrina Lindgren, die ihren Sitz in Finnland haben, lässt sich von Italo Calvinos Roman „Die unsichtbaren Städte“ inspirieren. Das Duo zeigt eine von 13 Inszenierungen aus zehn Ländern, die beim 26. internationalen Theaterfestival „Unidram“ in Potsdam zu sehen sind.

Mehr als 80 Künstler aus zehn Ländern

Das 26. internationale Potsdamer Theaterfestival „Unidram“ findet vom 29. Oktober bis 2. November auf den Bühnen des Kulturquartiers Schiffbauergasse statt.

Während des Festivals sind 13 Inszenierungen aus zehn Ländern zu sehen, darunter fünf Deutschlandpremieren. Es gibt viel Musik in den Stücken sowie in den Konzerten nach den Vorstellungen im Festivalzelt.

Mehr als 80 Künstlerinnen und Künstler aus Brasilien, Belgien, der Schweiz, Großbritannien, Polen, Frankreich, Finnland, Tschechien, Deutschland und den Niederlanden kommen zum Festival.

Infos und Tickets unter www.unidram.de

In „Invisible Lands“ wird der vertraute menschliche Körper zum verwundbaren, unbekannten Terrain, in seinen Landschaften werden Minifiguren platziert. Ihre Wanderungen werden live gefilmt. Der Wechsel zwischen Kinderspiel und Live-Storytelling, zwischen großer Perspektive und Blick auf das Detail macht deutlich, dass Kommentare über Fluchtgeschichten immer eine Frage des Blickwinkels sind. Der Wille, die eigene Haut retten zu müssen, wird in Szene gesetzt. Manchmal sieht das aus, als würde eine Truppe Playmobilfiguren das menschliche Bein besteigen.

Im „Unidram“, dem Festival der Bühnen, die sich zu großen Teilen selber finanzieren, ohne die behagliche, manchmal tranige Wärme der Stadttheater, pflegen sie Narrenfreiheit – und werden deshalb gerade von Menschen geliebt, die sich sonst im Griff haben, den Clown in sich bändigen und den Narren an der kurzen Leine halten. Unidram ist Poesie – und eine prächtige Gelegenheit, die Dinge von den Füßen zurück auf den Kopf zu stellen.

Mehr als 80 Künstlerinnen und Künstler aus Brasilien, Belgien, der Schweiz, Großbritannien, Polen, Frankreich, Finnland, Tschechien, Deutschland und den Niederlanden kommen ab diesem Dienstag nach Potsdam, das Festival dauert bis zum kommenden Samstag. Fünf der 13 eingeladenen Produktionen sind zum ersten Mal in Deutschland zu sehen.

Wie Dick und Doof

Das Festival kündigt „Musikmaschinen, Theaterminiaturen, Lichtinstallationen, Figurentheater aus Eis, Tanz und Akrobatik, Magie und Straßentheater“ an. Eröffnet wird das Festival an diesem Dienstag mit der Deutschland-Premiere der Inszenierung „Don’t we deserve grand human projects that give uns meaning?“ der belgischen Künstler Robbert&Frank Frank&Robbert. Man kann den Titel vage übersetzen mit „Haben wir nicht menschliche Aufgaben verdient, die uns Sinn im Leben geben?“ Die beiden Männer haben sich vor mehr als zehn Jahren beim Studium an der School of Arts in Gent kennengelernt. In Potsdam präsentieren sie eine weiße, quadratische Plattform, die über dem Boden zu schweben scheint. Eine Stimme aus dem Nichts, irgendwo zwischen Sportkommentator und Animateur für Zaubertricks. Und mittendrin zwei Menschen, die ihre eigenen Doppelgänger sind und einen Eingang in die Realität suchen. Dieses Thema stirbt nie. Wir kennen das von Stan Laurel und Oliver Hardy, eingedeutscht als Dick und Doof.

Auch das Unidram kann sich nicht entscheiden, ob das Leben einer Komödie oder einem Trauerspiel gleicht. In jedem Fall ist dieses Festival froh, wenn mal ein Teller auf den Boden fliegt – dann wird gestritten, wer die Scherben auffegt. Daraus kann man einen unterhaltsamen Abend bauen. Und wenn nicht unterhaltsam, dann doch nervös, nervenaufreibend und in einer Sprache, die man nicht versteht. Weil es sie nicht gibt. Doch wenn man hinterher ein Bier trinkt, leuchtet einem alles ein.

Von Lars Grote

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