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Kultur RBB will Netflix trotzen – und zeigt DDR-Klassiker
Nachrichten Kultur RBB will Netflix trotzen – und zeigt DDR-Klassiker
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18:11 06.02.2020
Erwin Graffunda (Winfried Glatzeder, r.) ist für das Künstlerpaar Piesold (Marita Böhme, Rolf Herricht) „Der Mann, der nach der Oma kam“. Quelle: RBB/MDR/Defa
Potsdam

Es ist eine Nachricht, die erstmal überrascht: Der „Rundfunk Berlin-Brandenburg“ (RBB) zeigt ab heute jeweils freitags Filme aus der DDR. Welche Idee liegt dieser Reihe „RBB-Retro“ zugrunde? Das Fernsehen steckt besonders beim jungen Publikum in einer Existenzkrise, die Leute wechseln zu Streamingdiensten wie Netflix oder Amazon Prime, weil dort der Zeitgeist vermessen wird. Netflix hat Filme wie „The Irishman“ von Martin Scorsese oder „The Marriage Story“ mit Scarlett Johansson finanziert, die aktuell im Rennen um die Oscars stehen, und der RBB greift ins Archiv und zeigt die alten Defa-Stücke?

Jens Riehle, Leiter der Hauptabteilung „Programm-Management“ des RBB, erklärt die Wettbewerbssituation des Senders so: „Generell versammelt sich beim klassischen Fernsehen ein älteres Publikum als bei Netflix, Amazon und Co. Das ist beim RBB nicht anders. Tatsächlich aber ist das RBB-Fernsehen im letzten Jahr sogar – gegen den allgemeinen Trend – etwas ,jünger’ geworden. Mit unserer Strategie, unsere Inhalte etwas stärker auf die Interessen der sogenannten Baby-Boomer – also der 50-64-Jährigen – auszurichten, fahren wir im Moment sehr gut.“

Auftakt mit Winfried Glatzeder und Angelica Domröse

Die Reihe „RBB-Retro“ beginnt am 10. Januar um 22 Uhr mit dem Stück „Der Mann, der nach der Oma kam“, die Defa-Komödie wurde 1971 von Roland Oehme gedreht – mit dabei sind Winfried Glatzeder, Rolf Herricht, Angelika Waller, Kurt Böwe, Jaecki Schwarz und Angelica Domröse. Es geht um eine Künstlerfamilie, die ihre Haushaltshilfe verloren hat. Per Inserat findet sich ein Mann, der sein Handwerk perfekt beherrscht. Das weckt die Neugier der Nachbarn, die schlimmsten Klatschgeschichten sind im Umlauf.

Die Entscheidung des Senders, die Stücke aus dem Archiv zu holen, erläutert Till Burandt von Kameke aus der RBB-Filmredaktion: „Die Idee der Reihe ist: Darstellung des Lebensalltags in der DDR zwischen Mauerbau 1961 und Wiedervereinigung 1990. Deswegen haben wir sie zwischen den beiden Jubiläen zu Mauerfall und Einheit platziert. Wir haben bewusst einige Filme in der Reihe, die man in den letzten Jahren kaum oder nur sehr selten im TV sehen konnte. Wir sind stolz, einige Titel erstmals in HD zeigen zu können. Die Filme sind generell von hoher künstlerischer Qualität und wir sind der festen Überzeugung, dass die Zuschauer beeindruckt sein werden.“

Filme aus der Reihe „RBB-Retro“

Am 10. Januar startet die Fernseh-Reihe „RBB-Retro“ um 22 Uhr mit der Defa-Komödie „Der Mann, der nach der Oma kam“ aus dem Jahr 1971. Die Reihe möchte hochwertige DDR-Produktionen aus der Zeit zwischen Mauerbau 1961 und Einheit 1990 zeigen.

Im Januar laufen zudem die Filme „Rotfuchs“ (17. Januar), „Du und ich und Klein-Paris“ (24. Januar) und „Hostess“ (31. Januar).

Im Februar sendet der RBB „Verbotene Liebe“ (7. Februar), „Bürgschaft für ein Jahr“ (14. Februar), „Der Tangospieler“ (21. Februar) und „Der Rest, der bleibt“ (28. Februar).

Weitere Filme der Reihe „RBB-Retro“ werden noch bekannt gegeben.

RBB überzeugt: Bedürfnis nach DDR-Filmen vorhanden

Den Einwand, es gebe bereits im Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) genügend Stoffe aus der DDR zu sehen, möchte Programm-Manager Jens Riehle nicht gelten lassen: „Wir haben ein anderes Zielpublikum als der MDR und hoffen darauf, viele Alt- und Neu-Berliner, aber auch neue und jüngere Brandenburger, die nicht in der DDR groß geworden sind, für diese Filme zu interessieren. Als Sender für die Region, in der die meisten dieser Filme entstanden sind, gehört es auch zu unserer kulturellen Verantwortung, das Erbe an Kino- und Fernsehfilmen aus der DDR zu pflegen.“

Lesen Sie auch: Defa-Film wird zum Abgesang auf die DDR

Beim RBB sind sie überzeugt davon, dass ein Bedürfnis nach guten Filmen aus der DDR vorhanden ist. Riehle sagt: „Fast 30 Jahre nach dem Ende der DDR gibt es offenbar wieder ein echtes Interesse an Filmen aus dieser Zeit. Seit einer Weile bekommen wir verstärkt Anfragen. Vielleicht haben die Ereignisse rund um das Mauerfall-Jubiläum dazu beigetragen, vielleicht ist die Zeit aber auch einfach wieder reif dafür.“

Erfolg bestärkt den Sender, auf historische Stoffe zu setzen

Gespeist wird diese Zuversicht aus dem Erfolg der RBB-Reihe „Schicksalsjahre einer Stadt“, wo in 30 Folgen à 90 Minuten die Berliner Mauerjahre im Ost- und Westteil dokumentiert wurden, was „sehr gut“ lief, wie Jens Riehle urteilt. „Die Einschaltquoten und die positiven Reaktionen vieler Zuschauer haben unsere Erwartungen übertroffen“, resümiert er. „Dabei war es eine eher ungewöhnliche und riskante Entscheidung, eine historische Dokumentationsreihe am Samstagabend anzubieten. In Berlin haben wir mit einzelnen Folgen über elf Prozent und im gesamten Sendegebiet bis zu neun Prozent Marktanteil erreicht.“

Dieser Erfolg hat den Sender bestärkt, weiterhin auf historische Stoffe zu setzen: „Neben unseren Informationsangeboten von ,Abendschau’, ,Brandenburg aktuell’ und ,rbb24’ sind wir besonders mit Ratgeberformaten wie ,Super.Markt’ oder der ,rbb-Praxis’ und mit zeitgeschichtlichen Dokumentationen überdurchschnittlich erfolgreich“, analysiert Riehle.

Mit „RBB-Retro“ soll diese historische Aufbereitung nun im Spielfilmformat auf kurzweilige Weise fortgeführt werden.

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