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Kultur Film von Potsdamer Studentin auf der Berlinale
Nachrichten Kultur Film von Potsdamer Studentin auf der Berlinale
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18:02 12.02.2018
Allein unter Männern: Linn (Sofia Asphom) inmitten der Gruppe von Jägern in dem Film „Rå“ (Roh). Quelle: Fotos: Alexandra Medianikova, Filmuniversität
Potsdam

Sie hat sich ihr Gewehr selbst ausgesucht. Nun wird Linn, 16 Jahre alt, definitiv kein Girlie und auf ruhige Weise sehr selbstbewusst, in den tiefen Wäldern Nordschwedens ihren ersten Elch schießen. Begleitet wird sie dabei von ihrem Vater und seinen Jagdfreunden. Die Regisseurin Sophia Bösch inszeniert den Eintritt des jungen Mädchens in diese eingeschworene Männergemeinschaft als eine Art Initiation – die bald aus dem Ruder läuft.

Sophia Bösch hat ihre Wurzel väterlicherseits in Schweden, sie stammt aus einer Familie von Jägern, hat aber selber nie gejagt. „Ich bin aber vertraut mit diesen archaischen Ritualen und auch fasziniert davon“, erzählt die Master-Studentin der Filmuniversität Babelsberg.

Linn wird entmündigt

Die Männer nehmen einen Fehler Linns, der sich letztlich gar nicht als Fehler entpuppt, zum Anlass, um sie rigoros zu entmündigen. Damit trifft die 1987 geborene Filmemacherin den Nerv der Zeit. Zwar geht es in „Rå“ nicht um sexuelle Belästigung, wohl aber um die Ungerechtigkeit geschlechterspezifischer Rollenzuweisungen, um das Recht auf Selbstbestimmung und, letztlich, um Macht.

Gedreht in der Wildnis

Mit sparsam aber effizient eingesetzten cineastischen Mitteln erzeugt Bösch die besondere Stimmung, die dieser Film braucht, um seine Wirkung zu entfalten. „Wir haben drei Wochen in der Wildnis gedreht, es war ein echtes Abenteuer“, so Bösch. Inmitten dieser urwüchsigen, bedrohlichen Natur erkämpft sich eine junge Frau ihr Recht. „Genau das hat mich interessiert: wie ein Mädchen in einem männerdominierten Milieu einen Platz findet“, so die Regisseurin. In starken Bildern und mit einer ganz eigenen Stimme erzählt Bösch vom Scheitern an den Vorurteilen einer Männergesellschaft.

Eine Elchkuh getötet

Linn hat den Elch mit dem ersten Schuss präzise getroffen, aber als die Jagdgemeinschaft vor dem toten Tier steht, zeigt sich: Es ist eine Elchkuh. Das Blut an den Händen des Jägers mischt sich mit der Muttermilch. Eine säugende Elchkuh zu töten ist verboten. Linn wird schnell vorgeworfen, nicht darauf geachtet zu haben, dass da irgendwo ein Kalb in der Nähe gewesen sein muss. Doch Linn ist sich sicher: Sie hat vor dem Schuss alles ganz genau beobachtet. Da war kein Elchkalb. Freundlich aber entschieden wird ihr klargemacht, dass es nun Sache der Männer ist, das Kalb zu finden und ebenfalls zu töten. Was dabei nicht ausgesprochen wird und trotzdem eindeutig mitschwingt: Das Töten eines Elch-Babys ist nichts für eine Frau. Doch Linn findet sich damit nicht ab und macht sich selbst auf die Suche, um die Angelegenheit in Ordnung zu bringen. Am nächsten Morgen wird ihre Rolle in dem Männerbund eine gänzlich andere sein. Besonders eindrucksvoll ist Sofia Aspholm als Linn. „Ich habe sehr lange nach einem Mädchen für die Rolle gesucht.“ Unglaublich, dass sie noch nie vor einer Kamera stand.

Obgleich die Geschichte in Schweden spielt, hätte sie – ohne den Elch – genauso gut in den Weiten Brandenburgs angesiedelt sein können. Oder an einem anderen Fleckchen der Welt, an dem die Menschen eher schweigsam, das Land weit und die althergebrachten Regeln noch stark sind. Der 30-minütige Kurzfilm, an dem noch weitere Studenten der Filmuniversität beteiligt waren, läuft in der Reihe „Perspektive Deutsches Kino“ auf der diesjährigen Berlinale.

Spielt in Brandenburg: „Storkow Kalifornia“

Das Storkow in Kolja MaliksStorkow Kalifornia“, ebenfalls in der Reihe Perspektive Deutsches Kino zu sehen, bedient dagegen alles andere als das erwartbare Bild von Brandenburg. Vielmehr scheint man hier in einem Andy-Warhol-Film aus den wilden 1970er Jahren gelandet zu sein: Harte Drogen, gieriger Sex, grellbunte Lichter und eine recht vernebelte Sicht auf das Leben finden hier zu einem Roadmovie zusammen. Ein junger Mann (Daniel Roth) verbringt seine Nächte in trostlosen Raststätten-Kneipen bei Storkow, wünscht sich aber verständlicherweise nach Kalifornien. Im Schlepptau hat er eine verlebte ältere Frau, seine Mutter, wie sich herausstellt. Dieser entkommt er mittels einer seltsamen amour fou zu einer Polizistin (Lana Cooper). Inszeniert sind diese Verwicklungen mit rauschhaften Bildern. Ein guter Film wird trotzdem nicht daraus.

„Rå“ ist zu sehen am 22.2., 19 Uhr, Cinemaxx 3; 23.2., 20 Uhr, Cinemaxx 1; 24.2., 12.30 Uhr Colosseum. „Storkow Kalifornia“: 16.2., 19 Uhr Cinemaxx 3 und um 20 Uhr Cinemaxx 1; 17.2., 12.30 Uhr, Colosseum und um 20 Uhr Cinemaxx 1.

Von Tiziana Zugaro und Claudia Palma

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