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Kultur Rammstein: So klingt das neue Album
Nachrichten Kultur Rammstein: So klingt das neue Album
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00:03 14.05.2019
Einfache Bildsprache: Rammstein will mit dem neuen, selbstbetitelten Album ein wenig zündeln. Quelle: -Universal Music/dpa
Berlin

„Erst wenn die Wolken schlafen geh’n, kann man uns am Himmel seh’n. Wir haben Angst und sind allein. Gott weiß, ich will kein Engel sein“, reimt Till Lindemann im Rammstein-Hit „Engel“.

Engel, diese sanften Himmelswesen, sind die Mitglieder der pyromanischen Band aus Berlin ganz gewiss nicht. Sie tun lieber so, als kämen sie aus der Hölle. Warum klingen sie wie ein tollwütiger Spielmannszug? Wieso kommen ihre Tabubrüche und diese Lust aufs Marschieren, diese mitgefühlfreie Stechschrittinstrumentierung so gut an beim Publikum?

Die Auftritte von Rammstein sind immer wieder spektakulär.

Was finden die Fans an dem beunruhigenden, gerollten „R“ so toll, das der Sänger zelebriert? Es erinnert sowohl an Hitler als auch an Heinos „Karamba, Karacho, ein Whisky“. Sollen wir darüber lachen? Die Antwort lautet: warum nicht? Das Publikum soll aber auch über sich selbst schockiert sein, wenn die Band in Liedern über Inzest oder Pädophilie in die schwärzesten menschlichen Abgründe leuchtet. Sie experimentiert mit unseren Ängsten.

Die Rammstein-Musiker provozieren nicht nur aus Spaß, sie sind auch Selbstvermarktungsprofis. Sie wollen den kommerziellen Erfolg unbedingt. Darauf lässt auch die Kampagne zu „Deutschland“, der ersten Single ihres neuen, selbst betitelten Albums, schließen.

Das neue Album von Rammstein: Provokation auf ganzer Linie

Rammstein zieht das Aneckding auch auf dem neuen, selbstbetitelten Album, das am 17. Mai erscheint, durch. Die kalte, abstoßende Bedrohlichkeit von „Hallomann“, einem Lied über den Missbrauch eines Mädchens, erinnert an den Film „Es geschah am helllichten Tag“. Lindemanns alter, angsteinflößender Trick: Er singt den Text aus der Täterper­spektive. „Steig einfach ein, ich nehm’ dich mit, und kauf’ dir Muscheln und Pommes frites.“ Bei „Weit weg“ besingt er mit dem typischen, schrägen Rammstein-Humor einen masturbierenden Stalker: „Steht er da am Fensterrand, mit einer Sonne in der Hand.“

„Zeig dich“ soll Scheinheiligkeit in der katholischen Kirche entlarven. „Als Versehen sich an Kindern vergehen, verbreiten und vermehren, im Namen des Herrn. Zeig dich!“ So klar positioniert sich die Band selten. Dass zum Beispiel der Song „Zerstören“ von 2005 („Ich muss zerstören, doch es darf nicht mir gehören“) ein Kommentar zum Irak-Krieg war, wird nicht jeder so verstanden haben. Solche Uneindeutigkeiten wirken unheimlich.

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Rammstein wirkt wie eine Rummelplatz-Freakshow

Das kalkulierte Missverständnis ist ein Spiel mit dem Feuer – wie bei „Puppe“, einem Lied über unfassbare Wut, die in einem Menschen toben kann, hier in der Schwester einer Prostituierten. „Ich reiß der Puppe den Kopf ab.“ Ihrer Puppe oder der Schwester? Man fragt sich, wer will solche Brutalitäten überhaupt hören? Wer so distanzlos wie Rammstein über das Böse singt, lockt mit Sicherheit nicht nur Gute an. „Radio“, eine Hymne auf das Radio zu DDR-Zeiten, als die Ost-Musiker West-Bands trotz Mauer hören konnten, wirkt dagegen erschreckend harmlos. „Ich lass mich in den Äther saugen, meine Ohren werden Augen.“

Die Rammstein-Wucht, der harte, militärische Sound, der Pyrozirkus und das effekthaschende „R“ triggern beim Publikum offenbar dieselben Gefühle wie früher Rummelplatz-Freakshows. Abnormität hat Menschen schon immer zugleich verstört und fasziniert. Wie kann man ein Publikum heute noch schockieren, wurde Oberfreak Lindemann einst gefragt. „Das kann ich dir sagen“, antwortete er, „ein öffentlicher Suizid auf der Bühne.“

Von Mathias Begalke/RND

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