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Kultur Raubkunstverdacht: Houston sieht sich als rechtmäßiger Eigentümer
Nachrichten Kultur Raubkunstverdacht: Houston sieht sich als rechtmäßiger Eigentümer
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01:16 11.02.2019
Veracht auf Raubkunst: Das Gemälde „Regatta in Venedig" von Henri-Edmond Cross.
Veracht auf Raubkunst: Das Gemälde „Regatta in Venedig" von Henri-Edmond Cross. Quelle: Detlev Scheerbarth
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Potsdam

Der Streit um das unter Raubkunstverdacht stehende Gemälde „Regatta in Venedig“ des französischen Neoimpressionisten Henri-Edmond Cross geht weiter. Das Museum of Fine Arts in Houston (Texas) bestreitet, dass es sich bei dem um 1903 gemalten Bild, das derzeit als Leihgabe im Museum Barberini in Potsdam zu sehen ist, um bislang nicht restituierte Raubkunst handelt. Das US-Museum teilte am Freitag mit, nach dem bisherigen Stand neuer Recherchen sei es selbst rechtmäßiger Eigentümer des Bildes.

Das Bild soll bereits 1949 zurückgegeben worden sein

Nach vorliegenden Informationen sei das Gemälde 1949 von der französischen Rückgabekommission für Kunstgüter (Commission de Récupération Artistique) an die damals in New York lebende Kunstsammlerin Natasha Flieglers zurückgegeben worden. Diese habe es 1953 über die Pierre Matisse Gallery in New York zum Verkauf angeboten. Dort sei es 1954 von der ehemaligen US-Gesundheitsministerin Oveta Culp Hobby gekauft und 1958 dem Museum of Fine Arts geschenkt worden.

Erbenanwalt will Rücktransport in die USA verhindern

Das Museum verwahrt sich damit gegen die Behauptung des Potsdamer Rechtsanwaltes Christoph Partsch, das Bild sei dem französischen Kunstsammler Gaston Lévy in den 40er-Jahren von deutschen Soldaten entwendet worden. Partsch vertritt Lévys Erben und hat beim Landgericht Potsdam eine einstweilige Verfügung beantragt, um zu verhindern, dass das Bild nach dem Ende der Ausstellung im Barberini am 17. Februar zurück in die USA geht, damit es an die rechtmäßigen Besitzer übergeben werden könne.

Gaston Lévy soll 1956 keine Ansprüche angemeldet haben

Das Museum in Houston bezweifelt nicht nur, dass das Bild einmal Lévy gehört hat. Er habe 1956, als er Restitutionsansprüche gestellt habe, dieses Bild nicht genannt. Zudem gebe es bislang „keinen Beweis“, dass es sich bei den Klägern überhaupt um die „rechtmäßigen Erben“ des 1977 verstorbenen französischen Kunstsammlers Gaston Lévy handle.

NS-Kennzeichen „MAB 1085“

Partsch wiederum hatte gegenüber der MAZ kürzlich darauf verwiesen, dass das Bild auf der Rückseite den Vermerk „MAB 1085“ trage. Die Abkürzung steht für „Möbel Aktion Bilder“ des Einsatzstabes Reichsleiter Rosenberg, in der systematisch jüdisches Eigentum konfisziert wurde. Bilder mit den Vermerken „MAB 1082“ und „MAB 1084“, es handle sich um Gemälde von Camille Pissaro und Paul Signac, die in der NS-Nummerierung unmittelbar davor liegen, habe der französische Staat bereits zurückgegeben.

Landgericht Potsdam entscheidet in der kommenden Woche

Das Museum of Fine Arts und das Museum Barberini hatten bis Freitag um 24 Uhr Zeit, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Eine Entscheidung des Landgerichts Potsdam ist nach Auskunft von Gerichtssprecher Sascha Beck in der kommenden Woche zu erwarten.

Von Mathias Richter