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Kultur Regisseurin Aelrun Goette hat für die DDR-Modezeitschrift „Sibylle“ gemodelt
Nachrichten Kultur Regisseurin Aelrun Goette hat für die DDR-Modezeitschrift „Sibylle“ gemodelt
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16:57 05.06.2019
Regisseurin Aelrun Goette vor einem Foto, das sie als Sibylle-Model zeigt. Quelle: Holger Biermann
Berlin

Für Mode hat sich Aelrun Goette überhaupt nicht interessiert, als sie 1985 von der Journalistin Thea Melis auf dem Berliner Alexanderplatz angesprochen wurde. „Ich wusste erst nicht, was sie von mir wollte“, erzählt die gebürtige Ost-Berlinerin. Aelrun Goette war damals 18 Jahre alt, engagierte sich in der Friedensbewegung und machte eine Ausbildung zur Krankenschwester. „Sie fragte, ob ich aus dem Westen oder Osten komme. Was für eine blöde Frage, habe ich geantwortet und wollte weitergehen“, sagt Aelrun Goette. Thea Melis drückte ihr eine Telefonnummer in die Hand und sagte, sie solle sich beim VHB Exquisit melden, dem Handelsunternehmen für Luxuskleidung.

Edle Strick-Kleider und Cashmere-Mäntel

„Sibylle“ ist die bekannteste Mode- und Kulturzeitschrift der DDR. Sie hat mittlerweile Kultstatus erlangt, was vor allem an der künstlerisch ambitionierten Fotografie lag. Wir zeigen einige ihrer schönsten Cover.

Damit begann ihr Abenteuer in der Modewelt, „eine wunderbare Zeit“. Aelrun Goette modelte für die „Sibylle“, der wichtigsten Mode- und Kulturzeitschrift der DDR und lief auf Modeschauen für Exquisit. „Wir trugen Designer-Mode, ich erinnere mich an edle Strick-Kleider, Cashmere-Mäntel, Seiden-Blusen“. Durch das Modeln habe sie ein Bewusstsein für sich als Frau entwickelt, meint sie. „Wenn ich später die Fotos gesehen habe, dachte ich oft: Mein Gott, das bin ja ich!“

Künstlerisch ambitionierte Fotos

Sibylle“, die von 1956 bis 1995 sechs Mal pro Jahr erschien und deren Auflage in den besten Zeiten bei 200 000 lag, hat Kultstatus. Was vor allem an der künstlerisch ambitionierten Fotografie von Sibylle Bergemann, Arno Fischer, Ulrich Wüst, Roger Melis, Sven Marquardt und Ute und Werner Mahler lag. Die abgebildeten Kleider waren zwar nicht der letzte Schrei, doch die Fotografen und Fotografinnen hatten sie perfekt in Szene gesetzt. In der großartigen Schau im Berliner Willy-Brandt-Haus ist zu besichtigen, dass Modefotografie vielmehr sein kann, als die Abbildung eines Kleidungsstücks, sie kann mehr wollen, als nur Begehrlichkeiten wecken. Sie kann von Gesellschaft, Frauen- und Männerbildern, vom Leben und von Lebensweisen erzählen. Auf zahlreichen Fotos aus allen fünf Jahrzehnten ist der eindrucksvolle Weg vom Fräulein in gepflegter Ausgehkleidung über die arbeitsame, praktisch gekleidete junge Frau von nebenan bis zur finster abweisenden Schönheit im Designerdress zu sehen, wie sie etwa der Fotograf Sven Marquardt, der heutige „Berghain“-Türsteher, in den Wendejahren kultivierte.

Es ging darum, Geschichten zu erzählen

„Die Shootings hatten oft Partycharakter“, erinnert sich Aelrun Goette. Tatsächlich zeigen viele Fotos realsozialistische Tristesse, marode Bausubstanz, monströse sozialistische Denkmäler, Blicke von Dächern auf öde Landschaften. „Es ging den Fotografen ja immer auch um ein Beschreiben des Gefühls einer Zeit, der Frau als Individuum im System. Im Hintergrund der sozialistische Alltag und im Vordergrund Schönheit, die über alles zu triumphieren scheint. Es ging darum, Geschichten zu erzählen.“

Sibylle“ flog unter dem Radar

Heute kann man die Bilder als gesellschaftlichen Kommentar sehen, wenngleich es den Machern damals gar nicht bewusst war, wie Redakteur Thomas Greis im umfangreichen Ausstellungskatalog schreibt. Die Redaktion hatte gewisse Freiheiten, weil das Thema Mode in den strategischen Überlegungen der Parteiführung nur eine untergeordnete Rolle spielte. „Sibylle“ war immer ein Nischenprodukt und flog unter dem Radar.

Vor allem ging es damals nicht darum, etwas zu verkaufen, sagt Aelrun Goette. Ums große Business ging es dann später, als Aelrun Goette noch kurz für Karl Lagerfeld und Yves Saint-Laurent lief. „Die Konkurrenz war hart, es ging ums Geschäft, da fehlte mir die Leichtigkeit. Das wollte ich nicht mehr.“

Film taucht in DDR-Modeszene ein

Die Jahre als Model waren prägend für Aelrun Goette, die heute eine erfolgreiche Filmregisseurin ist. „Die Idee zu einem Film über Schönheit, Lebenslust und Freiheit im Osten, der die Welt der DDR-Mode wieder auferstehen lässt, trage ich schon lange mit mir herum,“ erzählt sie. Mittlerweile hat sie ein Drehbuch geschrieben und die Produzentin Tanja Ziegler an Bord geholt.

„Unser Film erzählt von der Schönheit im Osten. Vom Lachen und vom Knistern in der Luft, Verbotenes zu tun. Von sinnlicher Mode, großen Träumen und dunklen Verführungen. Und von einem jungen Mädchen auf dem Weg zur Frau. Natürlich waren die Widerstände groß, aber es gab Nischen, in denen eine wilde Freiheit lebendig war, die ich im Westen so nicht mehr erlebt habe.“ Drehbeginn ist im Sommer 2020.

Die Ausstellung „Sibylle“ im Willy-Brandt-Haus, Stresemannstraße 28, Berlin-Kreuzberg, öffnet am 6. Juni um 19.30 Uhr. Zu sehen ist sie bis zum 25. August, Dienstag bis Sonntag 12 -18 Uhr.

Von Claudia Palma

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