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Kultur Robbie-Williams-Spektakel in Berlin
Nachrichten Kultur Robbie-Williams-Spektakel in Berlin
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10:17 26.07.2017
Robbie Williams am Dienstag in der Waldbühne.
Robbie Williams am Dienstag in der Waldbühne. Quelle: Pop-Eye
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Berlin

Erst die Girls mit Gardemaß, dann Robbie, die Bühne füllt sich, alle drehen durch, das braucht nur gute zehn Sekunden. Aus dem Hintergrund tönt eine dieser Rummelboxer-Stimmen, sie spricht von „Ready to Rumble“, Ring frei für Robbie Williams. Dienstag Abend, die ausverkaufte Waldbühne will das Spektakel. Und sie kriegt es.

Robbie kommt im Bademantel, den wirft er ab, steht dort im Rock, beleuchtet von dem durchweg bonbonbunten Licht der Scheinwerfer. Weil Robbie nie ein Mann der Geheimnisse war, lupft er den Rock, drei Hüftschwünge als Vorspiel, dann sieht man, soweit das zu erkennen ist aus 100 Metern: einen handelsüblichen Slip. Robbie lächelt böse, als wolle er gleich eine Katze ertränken.

Ring frei für Robbie Williams: Er zeigt sich als Rummelboxer, holt den Papa auf die Bühne und bändigt eine Horde popowackelnder Girls. Das ausverkaufte Konzert in der Waldbühne war ein einziges Spektakel.

Doch natürlich lacht er nicht nur böse, sondern aufreizend, lasziv, unwiderstehlich. Er ist die Sexbombe, die jetzt ein bisschen zugelegt hat, an Tattoos und Gewicht. Robbie schreit „Ich liebe euch!“ Einfach so. Das ist das Schöne an einem Robbie-Williams-Abend: Man braucht keine Begründungen. Die Stimmung eskaliert aufs Beste, und keiner fragt: Amüsiere ich mich unter Niveau? Robbie Williams schreit jetzt: „My Name ist Robbie Fuckin‘ Williams“! Die Leute fressen diese etwas laut gestimmte gute Laune mit Vergnügen. Das alles hier ist rabiater Zirkus, Robbie ruft, die Girls mit Gardemaß wackeln mit ihrem Popo. Krawall und Poesie halten sich wunderbar die Waage.

„Heavy Entertainment Show“, „Let Me Entertain You“, „Party Like A Russian“. Er singt, und Robbie, das englische Arbeiterklassenkind, lockert die Deutschen im Handumdrehen. Er braucht dafür nur einen unzüchtigen Blick. Auf einen wie ihn hat das Publikum gewartet. Auf den Verführer, der ihnen Süßigkeiten gibt und sagt: Schmeckt doch, jetzt redet bloß nicht über Vitamine.

Er erzählt von seinem kleinen Sohn und seiner kleinen Tochter, nicht wie ein Pädagoge, eher wie ein Clown. Dann fragt er: Sind Mamas und Papas im Publikum? Er singt „I Love My Life“, er widmet es den Eltern dieser Welt. Ein Augenblick der Besinnung. Die Girls mit ihren Wackelpopos haben Pause, es ist jetzt nicht die Zeit für Sex. Eher drängt die Frage, ob die Kleinen wirklich schlafen und der Babysitter keinen Quatsch macht.

Nach einer Stunde holt Robbie seinen Vater auf die Bühne, einen Entertainer alter Schule. Rührend. Beide singen „Sweet Caroline“, sie lümmeln sich zusammen auf ein Sofa. Schließlich „Angels“. Als Rausschmeißer, nach guten eineinhalb Stunden: „My Way“. Der letzte Vorhang fällt. Ein wunderbarer Abend endet. Robbie Williams bleibt das ungezogene Kind, das uns mit fester Stimme flüstert: So, heute vergisst du alles, was dir deine Eltern geraten haben. Und niemand mag ihm widersprechen.

Von Lars Grote

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