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Kultur Rund und fruchtbar, bewohnt und gefährdet
Nachrichten Kultur Rund und fruchtbar, bewohnt und gefährdet
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08:28 30.10.2017
Will festen Grund unter seinen Füßen spüren: Johnny Flynn.
Will festen Grund unter seinen Füßen spüren: Johnny Flynn. Quelle: Hanna-Katrina Jedrosz
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Wer sie gesagt hat, ist nicht bekannt, doch tiefe Wahrheit steckt in diesen Worten, die wohl aus Arabien zu uns wehten: Aus Erde sind wir gemacht und zu Erde werden wir wieder, auch für die Erde ein Trost.

Kurz und geliehen ist die Zeit, die der Mensch auf ihr wandelt. Jeder hat darüber schon einmal nachgedacht. Wie Johnny Flynn. Er hatte das Gefühl, den Boden unter den Füßen spüren zu müssen, als sich ringsum in der Welt vieles tat, das verwirrend war. Der in Johannesburg geborene Musiker, der bereits als Kind nach England kam, ließ von einem Dichterwort zu seinem neuen Album „Sillion“ inspirieren. Es beschreibt diesen Zustand der Erde, wenn ein Pflug ihre Oberfläche gerade aufgebrochen und zerteilt hat. Denn liegt sie da in frischem harten Glanz.

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Bang! Da kommt er, der nächste knackige Punch von The Cadillac Three. Sänger und Gitarrist Jaren Johnston schreibt Hits für die Großen im Country-Geschäft wie Keith Urban, Glen Campbell und Steven Tyler – ja, selbst der Frontmann von Aerosmith versuchte sich solo in dem Genre. Doch mit dem Bassisten Kelby Ray und dem Drummer Neil Mason ist Johnston längst eine Zugnummer, die in Nashville und hier bei vielen Stetson-Trägern freundliche Aufnahme gefunden hat. Ausgebufft und ausgeruht klingt die Welt des Trios. Sie wird nicht neu erfunden, da sie aus County, Blues und Südstaaten-Rock besteht. Doch der kecke, kantige und kraftvolle Mix, den die Jungs da ersonnen haben, spricht für sich. Der Dreier spielt am 1. November um 20 Uhr im Columbia-Theater in Berlin-Kreuzberg.

The Cadillac Three: Legacy. Big Machine/Universal.

Die leicht unterkühlte, hohe, doch versonnene Art ihres Vortrags muss man schon mögen: Aber Lea W. Frey, die Sängerin aus Berlin, liebt das Offene, das Auslegbare, das Bewegliche. Standen zuvor Einfühlung in und Annäherung an fremde Stücke im Vordergrund plus Übersetzertätigkeit von Pop in Jazz, geht es jetzt ans selbst geschriebene Material. Mit geschärftem Blick. Der Schlagzeuger setzt fein platzierte, minimalistische Impulse. Trotzdem gibt es Rhythmen aus einer Trommel-Maschine. Die Keyboarderin indes legt ihre Schlieren und Schlaufen aus, lässt die Sounds wabern, wachsen und ausufern. Trotzdem fädeln sich Bass und Gitarren durch. Neuer Krautrock? Vielleicht. Alles in Veränderung. Lea gastiert am 31. Oktober um 21 Uhr in der Kantine am Berghain in Berlin-Friedrichshain.

Lea W. Frey: Plateaus. Enja/Yellowbird/Soulfood.

Für Flynn, der auch als Schauspieler arbeitet, eine genaue Beobachtung und Anlass zur Reflexion. Darüber, wie um uns steht und wie die Erde beschaffen ist, seit der Mensch sie bestellt, ihre Gaben an sich nimmt und sie zerstört. Flynn thematisiert Geben und Nehmen. Werden und Vergehen. Kommen, Gehen und Bleiben. Um Wachsen und Erwachsenwerden.

Diesen Strom der bisweilen düsteren Gedanken packt der 34-Jährige mit seiner langjährigen Band The Sussex Wit in elf neue Songs. Mal sparsam ausstaffierter, vorsichtig tastender britischer Folkrock, dann durch Bläser aufgeladener Soul – ein wenig verwandt mit dem genialen Schotten Jackie Leven (1950-2011) – oder in hymnischer Mehrstimmigkeit. Getragen, friedvoll, üppig. Und manchmal winden die Instrumente sogar Girlanden, die auch ein wenig nach dem Orient klingen.

Das Konzert: Johnny Flynn & The Sussex Wit spielen am Dienstag, dem 31. Oktober, um 21 Uhr im Bi Nuu in Berlin-Kreuzberg.

Von Ralf Thürsam

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