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Kultur „Alle wollen mich unter den Tisch trinken“
Nachrichten Kultur „Alle wollen mich unter den Tisch trinken“
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13:33 28.12.2018
Die Band Russkaja mit Sänger Georgij Makazaria. Quelle: HERBERT NEUBA/dpa
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Potsdam


Die Band Russkaja spielt am Sonntag in Potsdam. Die MAZ sprach mit Sänger Georgij Makazaria.

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Herr Makazaria, warum sprechen Sie auf der Bühne mit starkem russischen Akzent, sonst aber nicht?

Georgij Makazaria: Das ist ein merkwürdiges Phänomen und hängt von der Lautstärke ab. Spreche ich besonders laut – zum Beispiel bei Ansagen – dringt das Russische durch. Spreche ich leise, kommt der österreichische Dialekt durch.

Aber Sie spielen ja auch mit Ihrer russischen Herkunft.

Stehe ich auf der Bühne, versetze ich mich in die Zeit, in der ich wirklich so gesprochen habe.

Sie sind mit 15 Jahren nach Wien gekommen…

… und zwar aus der Sowjetunion. Die gab es damals noch. Ich hatte einen dreimonatigen Intensiv-Sprachkurs gemacht, mehr konnte ich noch nicht.

Nur eine Wurstsorte in der Sowjetunion

Was war anders als in der Heimat?

Die Zebrastreifen haben mich irritiert. Anfangs habe ich mich nicht getraut, rüberzugehen – so etwas gab es in der Sowjetunion nicht. Ich dachte, die Autos überfahren mich. Und der Überfluss an Lebensmitteln hat mich auch erstaunt. In der Sowjetunion gab es eine Wurst- und eine Käsesorte. In Österreich waren es 40 oder 50.

Welchen Russen-Klischees begegnen Sie häufig?

Die Wodka-Trinkerei ist das Haupt-Klischee. Alle wollen mich unter den Tisch trinken, aber den wenigsten gelingt das.

Mit Russkaja verbinden Sie Ska, Metal, Pop und Reggae. Bei einem Duett mit Helene Fischer haben Sie sich sogar an die Schlager-Ballade „Adieu“ herangetraut.

Aber in einer härteren Version. Die haben wir uns ausgedacht, während wir auf Helene Fischer gewartet haben. Ihr Flug war verspätet. Eigentlich haben wir nur herumgeblödelt. Als ich gerade „Adieu“ brüllte statt zu singen, kam Helene Fischer ins Studio und hat’s toll gefunden.

Zur Person

Georgij Alexandrowitsch Makazaria wurde 1974 in Moskau geboren. Seine Mutter heiratete einen Österreicher, er kam mit 15 Jahren nach Wien.

2005 gründete er die nicht nur in Österreich berühmte Band Russkaja, die unter anderem Ska und Polka mischt.

Besondere Bekanntheit erlangte Russkaja als Show-Band von „Willkommen Österreich“. Die Fernsehshow läuft seit mehr als zehn Jahren wöchentlich im ORF.

Russkaja spielen am Sonntag bei der Eisheiligen Nacht in der Potsdamer Metropolis-Halle. Los geht es um 19 Uhr. Hauptband sind die Lokalmatadoren von Subway To Sally.

Und was verbindet Russkaja mit Subway To Sally?

Wir haben uns auf einem Festival kennengelernt, dann nahmen sie uns 2012 erstmals auf die Eisheilige-Nacht-Tour mit. Die Resonanz war enorm und Fans von Subway To Sally sind dann auch auf unserer eigenen Tour aufgetaucht.

Wir propagieren Liebe

Dabei geht es in deren Songs um Mord und Totschlag, bei Russkaja dreht sich alles um den Weltfrieden.

Wir propagieren Liebe und Miteinander. Das neue Album heißt „No one is illegal“. Darauf sind auch sozialkritische Songs.

Wie hat sich denn das Leben in Österreich verändert, seitdem die rechtspopulistische FPÖ an der Regierung beteiligt ist?

Politik ist Theater. Die Regierung hält die Menschen bei Laune und erschafft Themen, die sie ablenken. Zum Beispiel wurde bei uns viel über das Rauchen in Kneipen diskutiert. Mit Blick auf die wirklichen Probleme der Welt ist das fast lächerlich. Ich beschäftige mich so wenig wie möglich mit der Regierung.

Trotzdem noch eine letzte politische Frage – welche Rolle spielt der Konflikt in der Ukraine für Sie als gebürtigen Russen und Ihren Bassisten, der aus der Ukraine kommt?

Zwischenmenschlich war zwischen Russen und Ukrainern immer alles gut. Es werden zwei Völker aufeinandergehetzt und ein Boden geschaffen, auf denen sich die Söldner austoben können. Das ist ein Horror. Umso mehr feiern wir unsere russisch-ukrainische Freundschaft.

Von Maurice Wojach