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Nachrichten Kultur Schauspieler Thomas Arnold liest in Potsdam
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18:13 11.12.2018
Schauspieler Thomas Arnold, gebürtiger Sachse, lebt in Wildpark West (Potsdam-Mittelmark). Quelle: Foto: Jochen Mittenzwey
Potsdam

Möwen, die Kiefern und das Wasser: Der Schauspieler Thomas Arnold weiß genau, warum er mit seiner Familie von Berlin nach Wildpark West gezogen ist. Schon als Kind hat er sich in diesen Landstrich verliebt. „Wir haben dort oft unsere Ferien verbracht und als Sachse habe ich mich fast wie an der Ostsee gefühlt“, erzählt der gebürtige Freiberger. Als kleiner Junge stromerte er in den 1970er Jahren in den märkischen Wäldern herum und stellte sich vor, Schauspieler zu sein.

Der 47-Jährige schreibt Gedichte

Und er hat es tatsächlich geschafft. Seit Jahrzehnten ist er im Filmgeschäft, spielte im Dortmunder Tatort neben Jörg Hartmann, in Volker Schlöndorffs Drama „Das Meer am Morgen“, an der Seite von Mads Mikkelsen in der Produktion „Die Tür“ sowie in den Serien „Berlin Station“, „Alarm für Cobra 11“, „Soko Leipzig“. Arnolds Filmografie ist lang. Es läuft für den Mann, der viel und lebhaft erzählen kann und immer wieder für eine Überraschung gut ist. Wer käme schon auf die Idee, dass Thomas Arnold einen Hang zur Poesie hat? Wenn der 47-Jährige nicht vor der Kamera steht, schreibt er Lyrik. „Ich war schließlich im Zirkel schreibender Arbeiter in der DDR.“

Durch die Schauspielerei bleibt allerdings nicht mehr sehr viel Zeit für die Dichtkunst. Aber jetzt hat er ein Programm zusammengestellt, das er in Potsdam präsentiert. „Ich habe Weihnachtslieder umgedichtet“, erzählt er. Zu den bekannten Melodien sind neue Texte entstanden. Mal lustig, mal tragisch. Die wird er am Freitag in der Villa Feodora vorsingen und vorlesen.

Aufgewachsen mit Hörspielen und Liedermachern

Sprache und den Umgang mit ihr haben ihm Liedermacher wie Kurt Demmler, Gerhard Schöne, Steffen Mensching und Hans-Eckardt Wenzel nahegebracht. Und natürlich die Hörspiele, mit denen er aufwuchs und die er sammelte, vor allem die Märchen. „Wir hatten so große wunderbare Sprecher: Klaus Piontek, Rolf Ludwig, Kurt Böwe“, schwärmt Arnold. Die ersten eigenen Gedichte entstanden in der Wendezeit, die hat er in Kirchen vorgetragen. „Wir Sachsen waren ja die eigentlichen Revolutionäre. Auch die Schauspieler vom Deutschen Theater, die in Berlin die Demonstrationen organisiert haben, waren zum großen Teil Sachsen: Ulrich Mühe, Heiner Müller, Jan Josef Liefers.“

Vom Begrüßungsgeld einen Rekorder gekauft

Thomas Arnold ist stolz, ein Sachse zu sein. Aber der Dialekt. Der musste weg, um als Schauspieler Erfolg zu haben. Nach dem Mauerfall kaufte sich der Erzgebirgler vom Begrüßungsgeld einen Kassettenrekorder. „Drei Jahre lang habe ich damit Hochdeutsch gelernt. Ich musste meinen Dialekt loswerden.“ Das gelang und er bewarb sich an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, an deren Außenstelle in Rostock. Die Ausbildung dort hatte er schon länger im Blick und jahrelang darauf hingearbeitet.

„Um auf der Hochschule aufgenommen zu werden, musste man vorher eine Berufsausbildung machen und zur Armee.“ Thomas Arnold lernte in Freiberg Konditor. „Zum Garnieren hatte ich ein besonderes Talent. Es hat Spaß gemacht, mit Nougatfäden zu schreiben.“ Und die Mehlsäcke, die so groß waren wie er, in die Backstube zu schleppen, bereitete ihm keine Probleme. „Ich war schließlich Judoka.“ Thomas Arnold grinst vielsagend. Seine Statur war ihm auch bei Streitigkeiten zuweilen von Vorteil. Nach der Lehre ging es zur NVA. „Bei der Volksarmee haben wir 800 Soldaten verpflegt. Nach anderthalb Jahren war Schluss. Pfarrer Rainer Eppelmann sei Dank.“

Am Theater war er der Komiker

Nach dem Studium spielte er Theater in Rostock, Trier und Berlin. Dass er heute im Fernsehen den Bösewicht vom Dienst mimt, war zu Beginn seiner Laufbahn unvorstellbar. „Am Theater war ich der Komiker. Ich bin auf Bananenschalen ausgerutscht, habe mich am Tischtuch eingeklemmt und so den Tisch umgeworfen“, erzählt er. Alle Slapstick-Einlagen hatte er drauf. Schließlich war er schon mit 16 Jahren als freischaffender Pantomime unterwegs. „Niemand am Theater hätte mich für die Rollen besetzt, die ich jetzt im Film habe.“ Das sei seinem Äußeren geschuldet. „Wenn man so aussieht wie ich, wird man eben als vermeintlich problembeladener Antagonist besetzt.“

Zurzeit dreht er mit Natalia Wörner

Mittlerweile ändert sich das Image langsam. Außerdem wird er zunehmend für Hauptrollen gebucht. „Ich habe mich durch den Dschungel der Nebenrollen gekämpft“, so Arnold. Jetzt ist er auch mal länger als 20 Minuten in einem Film zu sehen. „Ich habe mit meinem Nachbarn Jörg Schüttauf den ARD-Western ,13 Uhr mittags’ gespielt und gerade einen Film mit meiner 17-jährigen Tochter Louise abgedreht“, erzählt Arnold. Zurzeit dreht er mit Natalia Wörner und Martin Brambach für das ZDF „Unter anderen Umständen“ in Hamburg. Wieder eine Hauptrolle.

Von Claudia Palma

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