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Kultur Senftenberg feiert letztes Theaterfest
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19:30 16.09.2013
Spielt in allen Lagen: Senftenbergs Intendant Sewan Latchinian bei der Johann-Holtrop-Lesung. Quelle: Rasche
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Senftenberg

In einem rundum mit Holz verkleideten Zimmer liegt Sewan Latchinian auf dem Rücken, hat die Beine angewinkelt als wenn er im Liegen sitzen würde. In seinen Händen hält er den Roman „Johann Holtrop“ von Rainald Goetz. Er liest. Plötzlich leuchtet eine Projektion des Zimmers neben der Bühne auf, allerdings sitzt Latchinian nun scheinbar aufrecht an einer Wand des Raumes. Noch einen Moment später hängt er an der Decke. Je mehr der gerade noch so erfolgreiche Vorstandsvorsitzende Holtrop im Buch den Blick für die Realität verliert, desto abstruser werden die Bilder – auf Bühne und Leinwand.

Nach knapp anderthalb Stunden haben sie es geschafft – die Romanfigur genauso wie Intendant Sewan Latchinian und die Schauspielerinnen Eva Kammigan und Anna Kramer, die mit ihm gemeinsam großartig gelesen haben. Das Publikum tobt, Latchinian atmet tief durch. Was als Lesung zwischen den Uraufführungen von vier Theaterstücken angekündigt war, entpuppte sich als unbestrittener Höhepunkt des gut zehnstündigen Theaterabends am vergangenen Sonnabend in Senftenberg.

Die zehnte Ausgabe eines Glückauffestes steht unter dem Thema Wirklichkeit. Es wird vorerst das letzte Theaterfest sein. Der Intendant der Neuen Bühne verlässt das Theater im kommenden Jahr in Richtung Rostock. Bei seinem letzten Glückauffest hat er noch einmal fast alle Inszenierungen selbst verantwortet. Nur den musikalischen Abschluss hat er aus der Hand gegeben.

In diesem Jahr wird das Theater zum „Flughafen Senften-BER“. Und im Gegensatz zum pannenbelasteten Pendant läuft hier alles reibungslos. Über das Rollfeld kommen die Passagiere ins Terminal, am Check-In geben sie ihr Gepäck ab und im Transitbereich vertreiben sie sich die Zeit bis zum Abflug. Das Flugzeug der Neue-Bühne-Airlines steht für den Langstreckenflug mit diversen Zwischenlandungen bereit. Pünktlich hebt der Flieger mit Ingo Schulzes „Unsere schönen neuen Kleider“ ab zur ersten Uraufführung. Bernd Färber denkt darin laut über die Kommerzialisierung infolge des Beitritts des Ostens zum Westen nach. Regisseur Sewan Latchinian lässt ihn witzig und unterhaltsam die „neuen Kleider“ der Gesellschaft analysieren. Es folgt Christoph Heins „Weiskerns Nachlass“, in dem Kulturwissenschaftler und Uni-Dozent Rüdiger Stolzenburg sich wegen fehlenden Geldes von der Idee, eine Weiskern-Werkausgabe herauszugeben, verabschieden muss. Auch hier bleibt Sewan Latchinian dem Flughafen-Thema treu. Er lässt nicht nur die Anfangssequenz, einen Albtraum Stolzenburgs, im Flieger spielen, sondern das gesamte Stück. Szene um Szene werden Sitzreihen verschoben, um Büro, Wohnung und Café gleichermaßen zu sein. Als sich Stolzenburg-Mime Alexander Wulke am Ende mit nasser Hose – eine Verehrerin des Dozenten hat als Abschiedsgruß Wein verschüttet – und verschwitzten Haaren den Applaus des Publikums abholt, gibt es endlich Zeit zum Durchatmen, die Inszenierung hatte dem Publikum keine gelassen.

Ganz anders und vor allem deutlich bedrückender: „Die hellen Haufen“ von Volker Braun. Laute Momente wechseln sich hier ab mit ruhigen Monologsequenzen. Erzählt wird die Geschichte eines Aufstands, der nie stattgefunden hat, aber hätte stattfinden können. Die düstere Stimmung und das in nur wenig Licht getauchte Bühnenbild fordern die Zuschauer zu später Stunde. Der eine oder andere nickt weg, wird im Anschluss von der Durchsage geweckt, dass die letzte Zwischenlandung ansteht.

Fast alle rappeln sich für das Finale mit der Kultband Wallahalla noch einmal auf. Wer der Müdigkeit Tribut zollt, verpasst den Liederabend „Auf dem Flughafen nachts um halb eins...“ von Hans-Eckardt Wenzel. Verhinderte Flughafen-Mitarbeiter machen im Rohbau, der vielleicht auch schon ein wenig Ruine ist, die Nacht zum Tag.

Weitere Vorstellungen

21. und  28. September

3., 5., 12., 19., 26. und 31. Oktober

1. und  2. November

Neue Bühne Senftenberg, Theaterpassage 1, Telefon: 03573/ 801286

Von Stephanie Philipp

Es sind nicht nur die Schläge und Peitschenhiebe auf der Leinwand, die den Zuschauer bei "12 Years a Slave" mitnehmen. Am schlimmsten trifft der gepeinigte Gesichtsausdruck von Solomon Northup (Chiwetel Ejiofor), dessen Züge bei jeder zerschmetterten Hoffnung auf Freiheit verzweifelter werden.

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