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Kultur Slava’s Snowshow kommt nach Berlin
Nachrichten Kultur Slava’s Snowshow kommt nach Berlin
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17:42 30.12.2016
Repräsentant einer großen Tradition: Der russische Clown Slava Polunin (66) lebt heute in Frankreich. Quelle: foto: promo
Berlin

Am Silvesterabend schauen alle Menschen wie Clowns in die Welt. Wir sind heiter und angstvoll gestimmt. Gegen den großen Lauf der Dinge nimmt sich jeder als Winzling wahr. Wir spüren, wie der Zeitstrom uns mitreißt, gegen den wir anschwimmen.

Wjatscheslaw Iwanowitsch Polunin hat aus diesem Lebensgefühl nicht nur die Clownsfigur Slava Polunin gemacht, sondern auch ein opulentes Clownswelttheater. „Slava‘s Snowshow“, ein Klassiker aus dem Jahr 1993, gastiert nächste Woche im Berliner Admiralspalast.

Slava Polunin ist nicht irgendein Clown, sondern nach dem Tod der Zirkusikone Oleg Popow der wichtigste lebende Repräsentant der großen russischen Clownstradition. Bei den Russen geht es bekanntlich im Leben wie in der Kunst (und nicht nur in der Silvesternacht) viel überschwänglicher, drastischer und pathetischer zu als in der lauen westlichen Welt. Und oft auch poetischer.

Dabei ist nicht einmal gesagt, ob der 66-jährige Polunin nächste Woche leibhaftig hinter einer der skurrilen Verkleidungen auf der Bühne steckt. Seine typisch abstehenden weißen Haare, Vollbart und Stirnfalten lassen sich auch als Maske aufsetzen. Ziemlich wahrscheinlich ist sogar, dass Polunin in der französischen Wahlheimat seiner Clownsfamilie, in Villiers Montbarbin östlich von Paris, bleibt. Denn der Clownspatriarch hat sich im Schwemmland des Flüsschens Grand Morin am Rande eines 4000- Einwohner-Städtchens eine fantastische Clowns-Residenz erschaffen, die durch den Welterfolg seiner Snowshow kein Luftschloss blieb.

Polunins Freunde und Kinder sorgen dafür, dass die Theatershow weiter um die Welt zieht und ihre Ursprünglichkeit bewahrt. Ein Haufen verlotterter Clowns mit Segelohrmützen und Schlapphüten, übergroßen Mänteln und Schuhen, knallgelben Overalls, roten Schals und Nasen erzeugt Szene für Szene überreale, emphatische Stimmungen. Leitmotiv ist der Schnee, der Menschen und Landschaften so plötzlich verzaubert. Polunin verbindet mit ihm die glücklichsten Kindheitserinnerungen. Und er ist so sehr Missionar, dass am Ende nicht nur ein Schneesturm durchs Parkett fegt, sondern infantilisierte Erwachsene die Show durch tätige Mitwirkung vollenden. Plötzlich sind sie Kinder – ohne Vorbehalte gegen Kitsch, gegen eine Mordsgaudi und laute triviale Musik.

Die plakativen Bilder sind Masken für Wahrheiten, auch für Verzweiflung. Trifft man im französischen Stammsitz der russischen Clownsfamilie auf Alexander Frisch, der in den letzten 43 Jahren mit Polunin 55 Länder bereist hat, singt der plötzlich in Deutsch: „Drum links, zwei, drei, drum links, zwei drei … Reih dich ein in die Arbeitereinheitsfront“. Seine Großmutter, erzählt er, sei in Berlin geboren und lebte von 1939 bis 1959 in der sibirischen Verbannung, wo auch Frisch aufwuchs. Mit einem aggressiven Lachen zieht der Russe Socken und Zahnbürste aus der Hosentasche und berichtet von einem stets gepackten Koffer, der in Sibirien bereit stand.

1986 gastierten Polunins Leute in der Nähe von Tschernobyl und mussten alle ihre Kleider verbrennen und Haare abrasieren, ehe sie nach Italien weiterzogen. Im Sommer 1989 wollte der Wanderzirkus bei einem demonstrativen Clownsmarsch von Ost nach West durchs Brandenburger Tor ziehen, was die DDR-Behörden aber strikt verwehrten.

Die Fantasten behielten recht. Wie blühend sich ihre Visionen und nostalgischen Träume auch heute ausnehmen, lässt sich in Polunins Zaubergarten nahe Paris studieren. Der vielgestaltige Park um den im Hundertwasser-Stil errichteten Sitz der Clownsfamilie hält die dollsten Überraschungen bereit. Mal mit irrwitzigem Aufwand, dann wieder mit einfachsten Mitteln wird der Besucher zum Staunen gebracht.

Slava’s Snowshow: 3. und 4. Jan. 20 Uhr, 5. Jan. 19 Uhr, 6. Jan. 20 Uhr, 7. Jan. 16 und 20 Uhr., 8. Jan. 14 und 20 Uhr.

Karten unter 0331/2840284 (MAZ-Ticketeria) sowie an der Abendkasse.

Admiralspalast, Friedrichstraße 101, Berlin-Mitte

Von Karim Saab

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