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Kultur Slayer gehen brüllend in die Rente
Nachrichten Kultur Slayer gehen brüllend in die Rente
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13:19 03.12.2018
SLAYER (Tom Araya) - FINAL WORLD TOUR - live in der Olympiahalle, München am 29.11.2018 *** SLAYER Tom Araya FINAL WORLD TOUR live in the Olympiahalle Munich on 29 11 2018 Quelle: imago/Stefan M Prager
Berlin

Wer denkt, Heavy-Metal-Bands hätten keinen Humor, meint wohl auch, dass Ärzte ein gesundes Leben führen. Der ehemalige Slayer-Gitarrist Jeff Hanneman hat das mal auf den Punkt gebracht. „Wir sind Menschen, die den Spaß lieben“, sagte er, grinste breit und ergänzte - „aber wenn wir Songs für Slayer schreiben, geht es um Hass.“

Leider hat’s Hanneman dahingerafft, 2013 starb er an einer Leberzirrhose. Er brach mit den Klischees harter Musik, hörte gern Surf-Pop, war belesen und besaß ein feines Gespür für Ironie. Er spielte virtuose Soli, drosch Riffs für die Ewigkeit, die aus dem sonstigen Krach herausstachen und an Kompositionen klassischer Musik erinnern. Slayer löste sich nach Hannemans Tod nicht auf, seine Geistesblitze fehlten dem folgenden Album „Repentless“ aber hörbar.

Bevor die Nostalgie jegliche Neugier auf neue Songs endgültig verdrängt, macht die Band nun doch Schluss. Die Abschiedstour führt in riesige Hallen. Beim Konzert in der Berliner Mercedes-Benz-Arena spielen als eine von drei Vorbands auch Anthrax - eine Band, die selbst Legenden-Status innehat. Die Bühne ist größer als gewöhnlich bei Slayer-Auftritten, Flammen schießen kreuz und quer durch die Luft. Dahinter skizziert ein im Dunkeln leuchtendes Triptychon barbarische Endzeit-Szenen. Äxte, Dolche und Jesus am Kreuz. Das Konzert gerät zum Heavy-Metal-Staatsbegräbnis.

Setlist von Slayer in Berlin ein Querschnitt durchs Werk

Die Setlist liefert einen angemessenen Querschnitt durchs Werk. Wer wissen will, was unter dem extrem schnellen Genre Thrash Metal zu verstehen ist, sollte sich die knapp 20 Songs aus 37 Jahren Bandgeschichte durchhören. Aber Vorsicht, es kann weh tun. „Angel of Death“ konfrontiert den Zuhörer mit der finster-fiesen Gedankenwelt des SS-Arztes Joseph Mengele. Andere Texte drehen sich um Suizide, Genozide und den Weltuntergang.

Musikalisch verläuft der Abend für ein Abschiedskonzert reichlich routiniert. Die zu langen Pausen zwischen den Songs rauben dem Abend die Intensität. Zumal neben dem verstorbenen Hanneman auch der Ausnahme-Drummer Dave Lombardo und mit ihm ein weiteres Quäntchen Genialität fehlt. Andererseits wirkt ein solch brutales und berühmtes Riff wie das von „Reign in Blood“ immer, egal wer’s spielt.

Die fast 10.000 Fans ahmen es auf der Luftgitarre nach und tragen Slayer angemessen zu Grabe. Dass das alte hervorgekramte Bandshirt überm mächtigen Bierbauch spannt - geschenkt. Wichtig ist, überhaupt dabei zu sein und zu schütteln, was an Haupthaar noch vorhanden ist. Nach knapp 90 Minuten bleibt der Sänger Tom Araya noch lange auf der Bühne stehen und blickt zufrieden auf die jubelnde Anhängerschaft. Bereuen wird er das Ende der Band trotzdem nicht. Slayer sind reif für die Rente. Oder anders gesagt - der Teufel verliert seine musikalischen Stammkräfte.

Von Maurice Wojach

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