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Kultur So schön waren die Musikfestspiele in Sanssouci
Nachrichten Kultur So schön waren die Musikfestspiele in Sanssouci
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11:17 18.06.2018
Die musikalische Spurensuche führte am Sonnabend am Orangerieschloss bis in den Balkan – hier mit den Bulgarian Voices Angelite. Quelle: Foto: stefan Glöede
Potsdam

Was gibt es Schöneres, als in lauer Sommernacht in edlen Parkanlagen fein abgestimmter Musik zu lauschen? Diese Gelegenheit bot sich an diesem Wochenende gleich zweifach. Die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci luden am Freitag zu einer noch nie zelebrierten Cecilienhofnacht in den Neuen Garten ein, dorthin also, wo die Siegermächte 1945 zur Nachkriegsordnung in Deutschland tagten. Mit gegelten Frisuren und unverstärkten Instrumenten spielte draußen das Andrej Hermlin Orchestra auf – und vertrat somit authentisch die USA, in der in den 1940ern das Swingfieber wütete. In den exquisiten Räumen des Schlosses kamen indes Kammerkompositionen anno 1945 zur Aufführung – von dem dem Franzosen Francis Poulenc, dem Sowjetrussen Dmitri Schostakowitsch und dem Engländer Benjamin Britten. Mark Milhofer, ein dramatischer Tenor aus Oxford, fing in seiner Interpretation von neun Kunstliedern das tiefe Erschrecken der Zeit über das unsagbare Kriegsleid eindringlich ein.

Das Open Air vor dem Orangerieschloss am Samstagabend zielte dagegen weniger auf Geist und Bewusstsein ab. Hier konnten sich die 1500 Zuhörer ganz den großen Gefühlen der Balkanvölker hingeben und eine ausgedehnte Reise durch die Seelengründe des östlichen Europas erleben. Die mehr als 40 grandiosen Instrumentalisten und Sänger unter der Leitung der österreichischen Lautenspielerin Christina Pluhar garantierten, dass der emotionale Überschwang auch ohne ein Zuviel an Vibrato und Tremolo artikuliert wurde. Die folkloristischen Weisen wurden auf historischen Instrumenten musiziert und in der Kombination mit modernem Klavier und Akkordeon unter dem Motto „All’Improvviso Balkan“ ausgeschmückt und variiert. Die gute Tontechnik macht es möglich, dass auch leise historische Saiteninstrumente fein ausgewogen zur Geltung kommen.

Eine erste Balkanroute, die von Griechenland über Serbien nach Kroatien führte, wurde von zuckersüßen, schmerzerfüllten Klagegesängen erfüllt. Dann ging es weiter über Bulgarien die Donau aufwärts und die große Stunde des Frauenchors Bulgarian Voices Angelite schlug. Er intonierte seine filigranen Harmonien mal witzig-perkussiv, dann wieder in poetisch-lyrischen Arrangements. Der musikalische Reise kam ohne eine Zwischenansage aus und gipfelte in einer puristischen Fassung von Händels „Lascia ch’io pianga“, ehe ein pittoresk choreographiertes Feuerwerk zu traditionellen Tänzen aus Bulgarien und Griechenland gezündet wurde.

Die Musikfestspiele boten am Wochenende insgesamt neun Konzerte, eines davon fand in der russischen Kirche auf Nikolskoe statt. So stimmungsvoll der Ort gegenüber der Pfaueninsel ist, eine dumpfe Akustik machte es dem Barock-Ensemble Ludus Instrumentalis nicht gerade einfach. Deutsche und italienische Komponisten standen auf dem Programm, wollten doch die Zaren ihre neuen Paläste in Sankt Petersburg mit westlichen Tönen füllen. Die sechs Musiker um den Geiger Evgeni Sviridov spielten die unterhaltsamen Raritäten frisch und lebendig, mit wohldosierten Klangfarben. Der Konzertmeister legte allerdings einen harten, gepressten Geigenton an den Tag. Im Ohr blieb aber ein leidenschaftliches Streichquartett des Nürnberger Haydn-Schülers Anton Ferdinand Titz.

Von Karim Saabund Antje Rößler

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