Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Theatertreffen-Bilanz: Die verstörendsten Beiträge kamen aus Dresden
Nachrichten Kultur Theatertreffen-Bilanz: Die verstörendsten Beiträge kamen aus Dresden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:19 21.05.2019
Die Dresdner Inszenierung von „Das große Heft“, Regie Ulrich Rasche. Quelle: Sebastian Hoppe
Berlin

Bevor die 16 männlichen Schauspieler vom Staatstheater Dresden am Sonntagabend mit kurzem Beifall in die Pause verabschiedet wurden, rief ein Zuschauer im Parkett nur „heftig“. Nach der Pause ging es dann noch krasser zur Sache, denn es folgte eine pathetische Steigerung in Leni-Riefenstahl- oder Rammstein-Manier.

Wie das Publikum am Sonntag kurz vor Mitternacht nach vier Stunden monotonem und suggestivem Deklamieren im Haus der Berliner Festspiele reagieren würde, war durchaus offen. Die meisten Zuschauer hielt es nicht in den Sitzen, ein wahrer Begeisterungssturm brach los.

Dem puristischen Konzept treu geblieben

Mit der zweiten Gastspiel-Aufführungen von „Das große Heft“ nach dem Roman von Ágota Kristóf ging am Montagabend in Berlin das 56. Theatertreffen zu Ende. Die Leistungsschau der Branche lädt jedes Jahr zehn Inszenierungen ein, die einen Überblick über Trends im zeitgenössischen Regietheater ermöglichen. Ulrich Rasche war schon zum dritten Mal dabei. Der Regisseur ist seinem puristischen Konzept treu geblieben.

Er stellt Schauspieler mit weit aufgerissenen Augen auf riesige Scheiben, die gegen den Uhrzeigersinn rotieren. Wer rechts vom Mittelpunkt steht, muss unentwegt vorwärts schreiten, wer links steht unentwegt rückwärts. Denn es gilt, auf der Stelle zu treten, sei es barfuß oder in Stiefeln. Aus diesem athletischen und rhythmisierten Grundgestus werden die Texte ins Publikum gesprochen, einzeln oder in Sprechchören.

Dank der Mikroports legen sich die gut verständlichen Worte über einen gleichförmigen, mitreißenden Klangteppich, den vier Musiker auf der Seitenbühne live einspielen. Das dämonische Potential des Stückes, das von der Verrohung zweier Brüder im Krieg handelt, kommt so besonders intensiv zur Entfaltung.

Riminiprotokoll fehlte

Zwei der zehn Beiträge stammten in diesem Jahr aus Dresden, es waren die verstörendsten. Auch „Erniedrigte und Beleidigte“ in der Regie von Sebastian Hartmann setzte auf harte Schwarz-Weiß-Kontraste und eine unheilvolle Stimmung. Es gab Triumphe wie Christopher Rüpings Zehnstunden-Inszenierung „Dionysos Stadt“.

Aber es gab auch Enttäuschungen wie Simon StonesHotel Strindberg“, das nur Spielfilm- und Puppenstuben-Ästhetik hinter Glas bot. Um so kraftvoller kam die Schauspielkunst in Thorsten Lensings „Unendlicher Spaß“ zur Geltung. Thom Luz bot in „Girl From the Fog Machine Factory“ das, was man von ihm erwartet: effektvoll inszenierten Nebe. In „Oratorium“, einer Mitmach-Performance über die Ungerechtigkeit des Erbens von She She Pop, musste sich der Besucher zum Teil fremdschämen. Warum das Theatertreffen aus dem Segment der freien Gruppen nicht „Unheimliches Tal“, eine bahnbrechende Bühnenarbeit von Riminiprotokoll, eingeladen hat, blieb ein Geheimnis.

Maskuliner Reigen

In diesem Jahrgang gab es viele entkleidete Männer zu sehen. Ihre Nacktheit wurde meist von männlichen Regisseuren in Szene gesetzt, nur in „Persona“ (Deutsches Theater) ging die Idee auf die feministische Aktivistin Anna Bergmann zurück. In Ulrich Rasches „Das große Heft“ fielen zwar nicht die Hosen.

Dafür war ein maskuliner Reigen aus 16 behaarten und schwitzenden Männer-Oberkörpern zu bewundern. Einzelne Prachtexemplare wurden zusätzlich herangezoomt. Im nächsten Jahr soll mindestens die Hälfte aller eingeladenen Aufführungen von Regisseurinnen stammen. Man darf gespannt sein, ob sich dann auch die Optik der Nacktdarstellungen auf der Bühne verschiebt.

Von Karim Saab

Mit Hunderten Werken, die ein kubanisch-amerikanischer Millionär dem Staat überlässt, sollen in Spanien gleich mehrere Museen gegründet werden. Das erste hat in der Touristen-Hochburg Toledo eröffnet.

20.05.2019

Drei Wochen lang dominierten die „Avengers“-Superhelden die nordamerikanischen Kinocharts. Der Thron des bislang umsatzstärksten Films schien fast schon sicher. Doch jetzt ist der Erfolg ins Stocken geraten – auch wegen eines anderen Hollywood-Stars.

20.05.2019

Der deutsche Empfang ist Pflicht in Cannes – auch dann, wenn es gar keine deutschen Filme in der offiziellen Festivalauswahl gibt. Ein Schauspieler wurde allerdings am Sonnabend in der Villa Rothschild vermisst.

20.05.2019