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Kultur So war das Konzert von Element of Crime in Berlin
Nachrichten Kultur So war das Konzert von Element of Crime in Berlin
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09:27 24.05.2019
Element of Crime spielten am Donnerstag ein Konzert im ausverkauften Berliner Tempodrom. Quelle: imago images/Carsten Thesing
Berlin

Gerade noch hat er geschnulzt und geschmachtet, die eigene Kaputtheit besungen und die Liebe, die ihn aus ihr zu katapultieren vermag. Hach, wie schön. Und ach, wie typisch, dass Sven Regener die Schneufz-und-Seufz-Stimmung im schummrig beleuchteten Tempodrom, kurz bevor das Pathos uns alle packt, mit vertrauter Geste platzen lässt. Er reckt die Arme wie beim Torjubel in die Luft und kreischt „Romantiiiik!“

Wie kann eine Band nach über 30 Jahren noch so beliebt sein, wenn sie doch mit ihrer ruhigen Poesie so gar nicht in den Zeitgeist passt? Beim ersten von drei Konzerten von Element of Crime im Berliner Tempodrom gab es Antworten auf diese Frage.

Wer im Lexikon nachschlägt, was „lakonisch“ bedeutet, der sollte dort ein Bild des Element-of-Crime-Sängers finden. Am besten noch die Zeile eines Songs dazu. Stattdessen steht dort ein Zitat des Philosophen Adorno, der Lakonismus als „die sprachliche Form der bedeutenden Nüchternheit“ erklärt. Bedeutend nüchtern – das passt doch ganz gut zu einer Band, die seit mehr als 30 Jahren große Gefühle in kleine Geschichten verpackt.

Ein Element-of-Crime-Konzert ist gelebte Entschleunigung

Regener umgeht - wie auch in seinen Romanen – gekonnt den Kitsch und erzählt in seinen Songs lustige bis rührende Stories aus der Großstadt. Dass noch immer Tausende Menschen unterschiedlichen Alters das an drei Abenden hintereinander hören wollen, birgt auch ein Zeichen gegen den Zeitgeist – denn so ein Konzert von Regener und Co ist so ziemlich das Gegenteil der Hektik, mit der sich der Mensch im Jahr 2019 digital durchs Leben wischt. Oder, um ein Modewort zu bemühen: Ein Element-of-Crime-Konzert ist gelebte Entschleunigung. Lang, mitunter lahm, immer liebevoll.

Die Show reduziert sich auf schummriges Licht und Schattenspiele an der Bühnenwand. Fast niemand greift zum Handy, um das Gesehene abzufilmen, eher schließt mal einer die Augen ganz. Geschunkelt wird sanft und fast ohne Pause, nicht umsonst erinnert die Musik mitunter an alte deutsche Schlager à la Quinn und Albers. Dazu bietet die durch zwei Gastmusiker an Akkordeon und Bläsern ergänzte Band Mariachi-Klänge bei „Immer noch Liebe in mir“ und einzigartig verwobene Gitarrensoli von Jakob Ilja, die zu Regeners Poesie passen wie Kippe zu Kaffee.

Und wie lässt sich dieses konkurrenzlose Können, Songs zu schreiben, erklären, ohne Adornos Lakonie-Definition zu bemühen? Regener mag in Interviews noch so nörgelnd und zaudernd rüberkommen, vielleicht sogar arrogant sein, aber das pseudointellektuelle Nasehoch-Gehabe manch anderer deutscher Liedermacher geht ihm völlig ab.

„Und der größte Idiot ist man immer selbst“

Seine Lyrik dreht sich um Trottel und Bekloppte – und der größte Idiot ist man immer selbst. In dem neuen Song „Ein Brot und eine Tüte“, einer der wenigen rauen Rocknummern am Donnerstagabend, schimpft er sich sehr witzig in Rage. Dann löst der 58-Jährige die Tiraden mit ihm eigener Ironie auf: „Grausam ist das Leben als der einzige / Vernünftig denkend eingestellte Mensch / Zwischen lauter asozialen und totalen / Verrohten Vollidioten eingeklemmt.“

Weil der Regener aber als Musiker vor allem für die „Romantiiiik“ geliebt wird, spielen Element of Crime etliche Balladen, etwa „Weißes Papier“ und „Am Ende denk ich immer nur an dich“.

Bevor die Band bei ihrem weit über zwei Stunden langen Auftritt noch einige Zugaben geben wird, dienen sich die Fans als Chor an. Gemeinsam singen sie einen dieser typischen nicht nostalgischen und doch auf lustige Weise rührenden Berlin-Songs, die Regener schreiben kann wie sonst keiner: „Ich wäre gerne ein Gummibär / Da gibt‘s die gelben und die roten / das sind alles Vollidioten / Ich hätte tausende Kollegen / Wir müssten uns nicht groß bewegen / und würden doch auf großer Fahrt / die Welt bereisen bis sie / uns verspeisen und erspart / blieb mir das um die Häuser zieh’n / Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin.“

Von Maurice Wojach

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