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Kultur So war die „Nationalstraße“-Premiere am Hans-Otto-Theater
Nachrichten Kultur So war die „Nationalstraße“-Premiere am Hans-Otto-Theater
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23:34 27.09.2019
René Schwittay in „Nationalstraße“ von Jaroslav Rudis. Quelle: Thomas M. Jauk
Potsdam

Worum ging es?

Vandam ist ein Sheriff der Prager Vorstadt, so hat der tschechische Autor Jaroslav Rudis ihn angelegt in seinem Roman „Nationalstraße“, der 2013 auf Tschechisch erschien. Vandam macht jeden Tag 200 Liegestütze, um Kraft zu tanken für das Überleben, das in seiner Welt nicht einfach ist. Denn der Alltag ist ein Eiertanz zwischen Kneipe und Sohn, den er selten sieht, weil die Mutter seines Sohn ihn, den Vater, für „problematisch“ hält. Denn Vandam hat keine Lust zu diskutieren. Er schlägt lieber zu. Diesem Sohn erzählt Vandam sein Leben. Premiere war am Freitag in der Reithalle des Hans-Otto-Theaters.

Wie hat der Regisseur den Stoff inszeniert?

Regisseur Frank Abt hat den Roman in Potsdam auf die Bühne gebracht, er teilt das Stoff in vier Monologe. Eine Schauspielerin und drei Schauspieler zeigen die vielen, gebrochen Teile von Vandams Persönlichkeit. Durch die Facetten entsteht ein Bild, das einem Puzzle gleicht. Vandam gibt sich als Held, der 1989 die friedliche Revolution in Prag lostrat - diesen Mythos festigt er mit derben Sprüchen, die von Ressentiments getragen sind. Er gibt sich als Mann des Volkes, doch predigt die Glaubenssätze der rechten Populisten.

Welche Schauspieler haben am meisten überzeugt?

René Schwittay zeigt Vandam als Dandy, der zum Suff und zu den Zoten neigt. Weißer Anzug, Arme verschränkt. Mal wippt die Augenbraue, mal zuckt eine Faust. Intensiv und magisch gespielt. Paul Wilms gibt den Vandam als präpotenten Draufgänger, „die jungen Frauen können nicht mehr bumsen“, in solchen Sätzen sucht er Selbstvertrauen. Cool gespielt, gekonnt arrogant. Katja Zinsmeister erzählt die Vita von Vandam aus Frauensicht, sie referiert die Nacht mit Sylva, der Wirtin aus seiner Stammkneipe. Zinsmeister moduliert den Ton der Dialoge meisterhaft. Schließlich erzählt Joachim Berger von Vandams Ende, wie er „Heil Hitler“ ruft und in den Händen einer Notärztin verreckt, im Wald neben den Plattenbauten, wo Vandam gelebt hat. Berger spielt den Typen smart, fast anziehend in seiner Lässigkeit, und doch verbirgt er nicht: Vandam lebte von Floskeln, ohne Substanz – wenn es einen Motor gab in dessen Leben, dann die Selbstgerechtigkeit.

Was waren die Höhepunkte des Abends?

Die Bühne öffnet sich nur langsam in der zwei Stunden langen Inszenierung (Bühne und Kostüme: Annelies Vanlaere). Schwittay spricht vor einer weißen Wand, Wilms schiebt diese Wand beiseite und gibt Einblick in die schlichte Wohnung der Familie, in der die Mutter den Verstand verlor und sein Vater das Leben, weil er sich Weihnachten vom Balkon des Plattenbaus gestürzt hat, aus dem neunten Stock. Der Abend wird von Monologen getragen, die vier Schauspielerinnen und Schauspieler stehen nacheinander auf der Bühne, nie miteinander. Sie übergeben quasi einen Staffelstab.

Fazit?

Der Abend ist fesselnd, weil er die Perspektive bricht, und doch immer einen roten Faden hält: Es geht fast manisch um Vandam, dessen verqueres Weltbild so lebendig dekliniert wird, dass sich das Bild am Ende schärft. Zwischen den vier Szenen hört man die Musik von Francesco Wilking und Moritz Krämer, die Köpfe der Höchsten Eisenbahn, einer der besten deutschen Bands. Mal klingt es nach Salsa, mal nach Elektro, dann nach Akustik und ein wenig nach Schlager. Es fügt sich zur Revue dieses Vandams, der mit seiner Kraft protzt, doch am Ende an seinen bürgerlichen Träumen scheitert, weil er in der Rolle des undressierten Außenseiters untergeht.

Zweisprachiger Autor

Jaroslav Rudiš wurde am 8. Juni 1972 in Turnov geboren, er ist ein tschechischer Schriftsteller, Dramatiker und Drehbuchautor, der auch in deutscher Sprache schreibt.

Sein Roman „Nationalstraße“ ist auf Tschechisch im Jahr 2013 erschienen, auf Deutsch 2016.

Weitere Vorstellungen von „Nationalstraße“ in der Reithalle des Potsdamer Hans-Otto-Theaters: 4., 9., 26. Oktober, 23. November, 14. Dezember. Karten in der MAZ-Ticketeria unter 0331/2840284.

Von Lars Grote

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