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Kultur Solistin überzeugte, Dirigent blieb blass
Nachrichten Kultur Solistin überzeugte, Dirigent blieb blass
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16:02 08.12.2019
Sharon Kam präsentierte Mozarts berühmtes Klarinettenkonzert A-Dur. Quelle: Varvara Smirnova
Potsdam

Am Samstag lud das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt zum 4. Sinfoniekonzert in den ausverkauften Nikolaisaal. Als Solistin stand die Klarinettistin Sharon Kam auf der Bühne, ihr Mann Gregor Bühl dirigierte. „Mozart bezahlt unsere Miete“, sagte dieser dem Programmdirektor Michael Dühn in der Einführung. In der Tat debütierte Sharon Kam bereits mit 16 Jahren mit dem Klarinettenkonzert A-Dur in ihrer Heimat Israel unter Zubin Mehta. Wettbewerbsgewinne und zwei Klassik-Echos katapultierten sie an die Spitze der Klarinettenvirtuosen. Auftritte und Aufnahmen mit großen Orchestern folgten. Die 48-Jährige ist auch kammermusikalisch unterwegs, mit ihrem Geige spielenden Bruder Ori, während ihr Mann an der Opernhochschule in Oslo unterrichtet.

Abgesang des Fin-de-Siècle

Nicht jedes Sinfoniekonzert muss programmatisch überschrieben sein, doch die Frage, warum hier Werke aus drei Ländern, drei Epochen, gespielt in unterschiedlichen Besetzungen, gewählt wurden, blieb offen. Das Programmheft übertitelte es mit „Landschaften der Seele“. Musikalischer Aufmacher war die Fin-de-Siècle-Fantasie „La Valse“ von Maurice Ravel. Der 1906 begonnene Abgesang auf walzerseelige Feste unter Kronleuchtern wurde erst 1919 – unter dem Einfluss des 1. Weltkriegs – fertig gestellt. Ravel entfaltet die Szene mit einer auskomponierten verschwommenen Annäherung an einen Ballsaal. Nun schleicht das Brandenburgische Staatsorchester nicht gerade auf Zehenspitzen heran, sondern steht ziemlich unvermittelt im Zimmer. Bühl zog schnell alle Register, was den präzise spielenden Musikern wenig Möglichkeiten zur Steigerung ließ. Die schwindeligen Walzerdrehungen, eigentlich ein Auf- und Abebben der Instrumente, wurden sehr straff genommen. Wie der „Bolero“ soll dieses Werk in einem fulminanten Knall enden, was jedoch in der gesamten Darbietung das vorherrschende Stilmittel war.

Weltberühmtes Klarinettenkonzert

Bei Mozarts unverwüstlichem Klarinettenkonzert waren alle Beteiligten sichtlich mehr zu Hause. Es ist bekannt, dass Mozart warten musste, bis es ausreichend gute Musiker auf diesem neuartigen Instrument, das Frauen noch nicht spielen durften, gab. Nun ist Sharon Kam zweifellos eine erfahrene Solistin, die mit Weichheit und Flexibilität des Tons auch im heiß erwarteten 2. Satz - heute mit dem Thema aus dem Film „Out of Africa“ assoziiert - überzeugte. Den Anspruch, mit der Klarinette eine warme menschliche Stimme zu imitieren, erfüllte sie routiniert. Dazu gelang ihr mit der Zugabe, dem jazzigen „Summertime“ von Gershwin, eine freudige Überraschung.

Unterkühlte Winterträume

Ein interessanter Zug war, die weniger oft gespielte 1. Sinfonie von Tschaikowsky vorzustellen. Das Frühwerk gereichte dem Komponisten 1868 zum Erfolg. Es war alles schon da: russischer Volkslied-Kolorit, Sehnsuchtsmotiv, Walzermelodie und triumphales Finale. Dabei überschrieb er den 1. Satz mit „Träumerei von einer winterlichen Fahrt“, den 2. mit „Rauhes Land, Nebelland“. Im Nikolaisaal erklangen eher unterkühlte Winterträume, die wenig an eine romantische Kutschfahrt durch verschneite Landschaften erinnerten. Allzu schwülstig möchte man seinen Tschaikowsky auch nicht, doch dies war eine recht sachliche Interpretation, die den Zuhörer kaum emotional erfasste. Am Ende müssen die Blechbläser dem Werk noch Pathos einpusten. Es bleibt der Eindruck, dass hier ein Gastdirigent mit dem Orchester nicht ganz warm geworden ist.

Ausblick

Das 5. Sinfoniekonzert dieser Saison wird am 11. Januar 2020 von der Kammerakademie Potsdam unter der Leitung von Václav Luks gestaltet.

Solist ist dann der tschechische Geiger Josef Špacek (*1986) mit Mozarts Türkischem Violinkonzert Nr. 5 A-Dur.

Neugierig macht die Sinfonie D-Dur Voríšek, die einzige des früh verstorbenen Künstlers.

Dieser Prager Komponist stand um 1800 noch unter dem Einfluss Mozarts, bevorzugte jedoch romantische Vorlagen Beethovens und Schuberts.

Von Gabriele Spiller

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