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Kultur Stars testen sich in Brandenburg
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06:17 28.01.2018
Die Gruppe Barclay James Harvest spielten bereits in der Kulturkirche Neuruppin, Comedian Chris Tall (l.) tritt im Februar im Kulturhaus auf.
Die Gruppe Barclay James Harvest spielten bereits in der Kulturkirche Neuruppin, Comedian Chris Tall (l.) tritt im Februar im Kulturhaus auf. Quelle: Peter Geisler
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Potsdam

Wenn ein Gag noch nicht ganz sitzt, produziert Chris Tall genau daraus einen neuen Lacher. Der Comedian blickt, wenn er ein neues Programm testet, in unsicheren Momenten so auf seinen Tablet-Computer, dass es jeder mitbekommt. Die Fans stärken ihn, wenn er einen auf Souffleuse für sich selbst macht: „Bei einer meiner Preview-Shows gab es jedes Mal Zwischenapplaus, wenn ich darauf geschielt habe. Da hatten wir eine Menge Spaß.“

Chris Tall, 26, gilt zusammen mit Luke Mockridge, 28, als Durchstarter der deutschen Comedy-Szene. Was sie noch eint: Beide bespielen auf regulären Tourneen die größten Arenen des Landes, für ihre Vorpremieren dagegen machen sie einen Abstecher in kleinere Städte Brandenburgs.

Von Neuruppin in die Mercedes-Benz-Arena

Chris Tall wird in ein paar Wochen 600 Zuschauer im Neuruppiner Kulturhaus zum Lachen bringen, im September spielt er in der Berliner Mercedes-Benz-Arena, einer Riesenhalle, in die 20 Mal so viele Fans passen. Warum also nicht gleich vor die johlende Masse treten? „Unser örtlicher Veranstalter hatte das vorgeschlagen und wir fanden die Idee spannend, weil ich in Neuruppin noch nicht war“, sagt Chris Tall, der eigentlich Christopher Nast heißt.

„Neuerdings haben wir regelmäßig solche Preview-Shows im Programm“, sagt Thomas Kirch von der Agentur d2mberlin, die den Auftritt von Chris Tall und vergleichbare Events veranstaltet. Zwar steht vor einer großen Tour das Programm weitgehend fest, trotzdem prüfen die Komiker ihre Pointen gern in der freien Wildbahn – und zwar ohne technisches Tamtam, das ablenken könnte.

Große Show im kleinen Rahmen

Künstler, die sonst in großen Arenen auftreten, sind immer wieder auch in Brandenburg zu erleben.

Deep-Purple-Drummer Ian Paice tritt am 2. Februar im Kulturhaus Neuruppin auf.

Christopher von Deylen alias Schiller, der als einer der größten Stars der elektronischen Musik gilt, am selben Abend, ebenfalls in Neuruppin, aber in der Kulturkirche.

Der Comedian Chris Tall mit „Und jetzt ist Papa dran!“ folgt am 15. Februar im Kulturhaus Neuruppin (ausverkauft).

Katrin Bauerfeind ist mit einem Programm rund um die Liebe am 9. Februar in der Orangerie in Oranienburg und am 10. Februar in den Neuen Kammerspielen in Kleinmachnow zu sehen.

Anders als bei großen Pop- und Rockbands, die zwangsläufig als großes Team mit hohen Produktionskosten anreisen, ist der technische Aufwand bewusst niedrig. „Die Gags müssen auch vor einem kleinen Publikum funktionieren“, sagt Kirch, „und nicht nur als Massenlacher vor großen LED-Wänden in einer Arena.“

Der direkte Kontakt der Zuschauer lockt die Stars

Was aber spricht ausgerechnet für die Bühnen Brandenburgs? „Wir haben uns im Comedy- und Kabarettbereich über die Jahre einen guten Ruf erarbeitet“, sagt Andreas Vockrodt, Kulturmanager der Stadt Neuruppin. Günstig sei die Lage an der A24 zwischen Hamburg und Berlin und, dass das Kulturhaus und die Kulturkirche zwar klein, die Bühnen selbst aber relativ groß und mit Aufzug und Seitenaufgängen ausgestattet seien.

Der direkte Kontakt der Zuschauer zu den Künstlern locke sowohl die Stars, als auch ihre Fans. Vockrodt kann die Daten der Ticket-Portale einsehen. Die Besucher der Shows kommen sogar aus Süddeutschland angereist, sagt er. Das gilt für Comedy-Vorpremieren, aber auch für exklusive Konzerte von alten Rock-Helden, wie Barclay James Harvest, Donovan oder Mitgliedern von Deep Purple und T.Rex. „Hier haben die Fans viel leichter die Chance, ein Autogramm zu ergattern.“

Für die unter anderem aus der „Harald Schmidt Show“ bekannte Moderatorin Katrin Bauerfeind ist eine Vorpremiere wie ein Auftritt vor Freunden – „klein, intim, ehrlich und noch nicht ganz perfekt“. Ihr sind fürs neues Programm Oranienburg und Kleinmachnow ans Herz gelegt worden.

Ein Auftritt vor Wenigen beflügelt die Improvisation

Was aber, wenn ihre Geschichten nicht zünden und das im Rest der Republik gezeigte Endprodukt besser ist als die vorläufige Version für die brandenburgischen Testkaninchen? „Testkaninchen, das klingt so brutal“, sagt Bauerfeind, „man kriegt da eher den Rohdiamanten und der wird dann gemeinsam geschliffen.“ Das Publikum habe letztlich viel mehr Einfluss als bei vielen späteren Auftritten.

Ein Auftritt vor Wenigen beflügelt also die Improvisationsfreude. Das erlebten auch die etwa 100 Besucher, die im vergangenen Jahr Karten für eine Vorab-Show von Bülent Ceylan vor seinen Auftritten im Berliner Tempodrom gewonnen hatten. Mitten im Programm beobachtete der Comedian eine Frau, die sich vor einer Spinne ekelte, die sich von der Schiffsdecke abgeseilt hatte. Ceylan unterbrach das Programm und machte nur noch Witze über die Spinne. Laut und lustig war das. Noch Tage danach schwärmte Ceylan von dem Abend.

Von Maurice Wojach

26.01.2018