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Kultur Stefan Jürgens und Helene Kowalsky lesen für die MAZ Fontane
Nachrichten Kultur Stefan Jürgens und Helene Kowalsky lesen für die MAZ Fontane
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15:46 27.06.2019
Wahlbrandenburger Stefan Jürgens und Helene Kowalsky Quelle: imago stock&people
Potsdam

Beide lieben die Weite und die Stille Brandenburgs. Und sie sind fasziniert von Theodor Fontane. Helene Kowalsky und Stefan Jürgens im MAZ-Gespräch.

Sie lesen beide demnächst in Neuruppin Texte von Fontane. Was fällt Ihnen spontan zu dem Autor ein?

Helene Kowalsky: Unanfechtbare Wahrheiten gibt es nicht und wenn es welche gibt, dann sind sie langweilig. Diese Einsicht Fontanes hat mich seit meiner Schulzeit begleitet.

Stefan Jürgens: Mir fällt dazu spontan der „Herr Ribbeck von Ribbeck im Havelland. Ein Birnbaum in seinem Garten Stand“ ein. Das Gedicht begegnete mir im Deutschunterricht. Meine Eltern mussten noch Schillers „Glocke“ auswendig lernen. Da hatte ich es besser. Fontanes Ballade über diesen sympathischen, brandenburgischen Obstspender ist zum Glück nicht so lange.

Welcher Fontane-Text hat Sie am meisten beeindruckt?

Jürgens: Es ist wohl Effi Briest. Wahrscheinlich auch, weil er mir am präsentesten ist. Und weil das Schicksal dieser Frau uns ja auch heute noch sehr deutlich macht, was für ein langer Weg es war und ist – bis zur absoluten Gleichberechtigung.

Ist es bei Ihnen, Frau Kowalsky, auch das Frauenthema?

Kowalsky: Sicher auch, aber mich hat doch am meisten der Stechlin fasziniert. Darin spiegelt sich einfach das ganze Leben Fontanes, in all seinen Widersprüchlichkeiten. Sein ganzes Sein und etwas , ja, man kann wohl schon sagen, Unfassbares. Dieses Pathos und gleichzeitig der leise Abgesang auf seine Zeit hat irgendwie doch etwas Revolutionäres, Zukunftsweisendes.

Eine längst vergangene Zeit. Inwiefern hat dieser Autor des ausgehenden 19. Jahrhunderts für Sie noch Aktualität?

Kowalsky: Trauriger Weise durch Donald Trump und dessen Umgang mit Fake News.

Wegen Falschmeldungen?

Kowalsky: Fontane war einer der ersten, der Fake News gezielt in die journalistische Welt gebracht. Er war Presseattaché der preußischen Regierung in London und hübschte Tatsachen und Augenzeugenbericht auf. Er schrieb einmal, mit Korrespondentenberichten sei es wie mit Anekdoten über Friedrich den Großen. Es gebe echte und unechte, und mitunter seien die unechten besser als die echten. Das nennt man auch Propaganda. Trump betreibt die völlig offen und unverfroren.

Jürgens: Ich bin mir nicht sicher, ob mir bei Fontane dessen Aktualität wichtig ist. Die äußeren, individuellen und gesellschaftlichen Umstände haben sich in jeder Hinsicht drastisch verändert, seit der Zeit, in der er geschrieben hat. Insofern sind die Bücher, die ich von Ihm kenne auch eine Zeitreise in die preußische Welt von damals. Trotzdem sind die Menschen, die er beschreibt, in ihrem Denken und Fühlen aktuell, nachvollziehbar und irgendwie liebevoll beschrieben, auch in ihren Widersprüchen und Unzulänglichkeiten. Und das in einem Stil, der anspruchsvoll aber auch leicht ist und das Lesen nicht zur Aufgabe macht.

MAZ-Leser wählen die Texte aus

Stefan Jürgens ist Schauspieler und Musiker. Seit 2007 spielt der in Unna geborene Künstler den rauhbeinigen Major Ribarski in der Fernsehserie „Soko Wien“. Als Musiker hat er Anfang des Jahres sein 5. Soloalbum „Was zählt“ herausgebracht.

Helene Kowalsky spielt in der österreichischen Serie Vorstadtweiber die Figur der Chantal Haas. Die gebürtige Steirin war zuletzt am Theater Osnabrück engagiert.

Stefan Jürgens und Helene Kowalsky leben im Norden von Brandenburg.

Am Sonnabend, dem 20. Juli lesen beide exklusiv für die MAZ Fontane. MAZ-Leser können entscheiden, welche Texte des märkischen Schriftstellers vorgetragen werden. Nennen Sie uns Ihre Favoriten.

Bitte schicken Sie Ihre Textvorschläge mit dem Betreff „Fontane“ bis spätestens 8. Juli an: online@maz-online.de

Lesung mit Stefan Jürgens und Helene Kowalsky, Sa, 20.07., 15 Uhr im Klosterhof Neuruppin (Poststr. 31, 16816 Neuruppin). Moderation: Mathias Richter, Leiter der Kulturredaktion der Märkischen Allgemeinen Zeitung.

Sind sie schon einmal auf den Spuren Fontanes durch Brandenburg gewandert?

Kowalsky: Leider noch nicht. Ich bin auch erst vor Kurzem bei einer Sternwanderung durch Brandenburg über Fontanes Wanderungen gestolpert. Es gibt hier für mich also noch viel zu erkunden.

Jürgens: Ich bin ihm bislang auch noch nicht hinterhergewandert. Aber mein Weg nach Hause führt mich immer wieder durch die kleinen märkische Ortschaft Ribbeck. Und das lässt mich immer schmunzeln, wenn ich in der Ortsmitte den Wegweiser mit der Aufschrift „Birnbaum“ sehe.

Sie arbeiten beide viel in Wien. Was hat Sie nach Brandenburg gezogen?

Kowalsky: Die Liebe. Und sehr bald auch die Menschen in dem kleinen Dorf, in dem wir leben. Ich habe in meiner Kindheit viele Sommer bei meiner Großmutter im Burgenland verbracht und kann aus Erfahrung sagen: Ich empfinde es als ein große Glück, so viele liebenswerte Menschen auf einem kleinen schönen Fleckchen gefunden zu haben

Jürgens: Für mich war es ja nicht ganz so weit, da ich seit vielen Jahren in Berlin lebe. Da war es nicht so schwer, diesen Platz zu entdecken und mich hier wohl zu fühlen. Dass das jemand teilen kann, der aus einer ganz anderen wunderbaren Landschaft stammt, ist sehr schön.

Was gefällt Ihnen besonders an Brandenburg?

Jürgens: Seine Weiten. Die langen, stillen Alleen. Hier wird mein Atem irgendwie tiefer.

Kowalsky: Der Sternenhimmel. Jedesmal wenn ich in diesen Sternenhimmel blicke, wird’s ganz still in mir. Da werde ich fast andächtig.

Was sind Ihre nächsten Projekte?

Kowalsky: Die Dreharbeiten der fünften Staffel der „Vorstadtweiber“ haben gerade begonnen. Und ein Theaterprojekt, das aber noch nicht feststeht.

Jürgens: Die neue Staffel „Soko Wien“ muss in den Kasten, danach geht es im Oktober wieder mit meinem neuen Album „Was zählt“ auf Tour. Danach werde ich endlich wieder lange Zeit in Brandenburg verbringen.

Von Mathias Richter

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