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Kultur Stephan Märki will „philosophisches Volkstheater“
Nachrichten Kultur Stephan Märki will „philosophisches Volkstheater“
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16:03 29.05.2019
Stephan Märki wird ab 2020 Intendant am Staatstheater Cottbus, er weiß, wie wehrhaft man in diesem Amt zu arbeiten hat. Quelle: DPA
Cottbus

Der Schweizer Stephan Märki wird Intendant und Operndirektor am Staatstheater in Cottbus – Mitte April wurde das verkündet, seit diesem Mittwoch sind die Verträge unterschrieben. Seinen Dienst tritt er im Sommer 2020 an, „auch wenn ein Jahr zu kurz ist, um sich auf ein Vier-Sparten-Haus vorzubereiten.“ Märki, 64 Jahre alt, scheint das nicht zu ängstigen, ohnehin wirkt er furchtlos, nahezu gelassen, wenn er überlegt, was es bedeutet, Theater zu machen in einer Stadt, wo die AfD am vergangenen Sonntag bei der Kommunalwahl rund 23 Prozent der Stimmen erhalten hat.

Märki schwebt ein „philosophisches Volkstheater“ vor, dort gehe es um Öffnung und Nähe zum Publikum. Darum, „wie wir miteinander leben wollen.“ Für Cottbus hat er sich entschieden, trotz besser dotierter Angebote, weil er schon zu DDR-Zeiten an das Theater der Stadt „pilgerte“, als Christoph Schroth das Haus geführt hat. Dort habe er erlebt, „wie dringlich und notwendig Theater für eine Stadt sein kann.“ Das habe ihn begeistert, aus dieser Erfahrung speise sich noch immer sein Wagemut und die „Diskursfreudigkeit“ seiner Arbeit, mit der er über die Lausitz hinaus strahlen möchte. Das will er angehen, ohne dieses Theater zur „Eventbude“ zu wandeln.

„Jedes Theater ist politisch“

„Theater ist für alle da“, sagt Märki, auch für jene, die nicht seiner Meinung sind. „Vielleicht gelingt es uns, Leute in die Vorstellungen zu locken, die bisher glaubten, dass es einfache Antworten auf komplexe Fragen gibt, und denen wir mit unseren Mitteln auf der Bühne zeigen können, dass es keine Lösung ist, Menschen wegen ihrer Herkunft auszugrenzen. Denn auch wir grenzen am Theater niemanden aus.“

Er möchte seine Arbeit als Theatermann nicht ausdrücklich „politisch“ nennen, denn jeder Ansatz auf der Bühne verdiene dieses Attribut. „Selbstverständlich ist alles politisch, was dort passiert, denn wir reflektieren, wie sich eine Gesellschaft verändert.“ Dennoch werde er keine Moral oder Verhaltensregeln predigen.

„Natürlich sehe ich, dass sich im ostdeutschen Publikum, auch in Cottbus, Frustration und Resignation seit der Wende breit gemacht haben.“ Das liege in Teilen daran, dass „die Alpha-Mädchen ihre Heimat verlassen haben“, gut ausgebildete junge Frauen seien fortgezogen. „Doch einige kommen jetzt wieder, und es gibt neue Alpha-Mädchen.“ Märki lächelt.

Stationen in Potsdam, Weimar und Bern

Stephan Amadeus Märki wurde am 15. April 1955 in Bern geboren, er hat sich als Schauspieler, Regisseur und Intendant einen Namen gemacht.

Die Schauspielschule besuchte er von 1980 bis 1984 in München, dort gründete er 1985 das Teamtheater.

Zum Intendanten des Hans-Otto-Theaters in Potsdam wurde er 1993 berufen. Er verließ Potsdam 1997, als die Stadt von ihm die Abwicklung des Musiktheaters verlangte.

Ab dem Jahr 2000 war Märki Generalintendant am Deutschen Nationaltheater und der Staatskapelle in Weimar, dort gelang es ihm 2002, die Unabhängigkeit des Hauses zu wahren – gegen die Vorstellungen der Thüringer Landesregierung, die eine Fusion mit der Bühne in Erfurt anstrebte. Er verließ Weimar 2011.

Von 2011 bis 2018 arbeitete Stephan Märki am Stadttheater in Bern, wo er wegen Verleumdungen im Juli 2018 seinen Rücktritt erklärte.

Sein Amt als Intendant und Operndirektor am Staatstheater Cottbus tritt er zur Spielzeit 2020/21 an.

Was ihm wichtig ist: „Ich möchte nicht zur eigenen Kirche predigen“, nicht immerzu mit Menschen reden, die seine Meinung teilen.

Märki ist konfliktfähig, aber er kann Grenzen ziehen und dann gehen. Das war in Potsdam so, als er 1997 kündigte, weil er das Musiktheater auflösen sollte. Auch im vergangenen Jahr in Bern zog er Konsequenzen und ging, als er sich Mobbing und Rufmord ausgesetzt sah. Ein Mobbing-Vorwurf hat auch das Cottbusser Staatstheater im vergangenen Jahr erschüttert. Dem Generalmusikdirektor Evan Alexis Christ wurden cholerische Ausfälle und Beleidigungen vorgeworfen. Er musste gehen. Auch Intendant und Operndirektor Martin Schüler hat aufgehört, genau wie Martin Roeder, vormals Vorsitzender der Brandenburgischen Kulturstiftung Cottbus-Frankfurt, ihm wurde gekündigt.

In Cottbus planen sie den Neubeginn – einen wehrhaften, frischen Mann haben sie am Staatstheater mit gut 400 Angestellten nun gefunden.

Von Lars Grote

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