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16:43 29.09.2019
Das Deutsche Filmorchester Babelsberg spielt mit den Techno-Dj Andreas Henneberg das Konzert „Synth Happens“ im Nikolaisaal. Quelle: Jan Russezki
Potsdam

Techno ist für junge Menschen in Clubs, dessen Tanzflächen nicht in Potsdam sind. In der Landeshauptstadt ist das Publikum „gesetzter“, sagt Besucher Stephan Jacobin im Potsdamer Nikolaisaal. Er selbst bleibt am Samstagabend von Anfang an neben seinem Platz stehen. Er weiß, was er vom DJ Andreas Henneberg und dem Deutschen Filmorchester Babelsberg erwarten kann. Am Ende des Abends wird er mit seiner Einschätzung zum Potsdamer Publikum falsch liegen.

Zugegeben, bei dem rund 30-köpfigen Orchester mit einer Harfe, Klavier und Flöte denkt man nicht sofort an hochgerissene Hände. Wären da nicht Synthesizer und Mischpulte auf der Bühne aufgebaut.

Internationale Technoszene

Der Berliner Andreas Henneberg ist international für seine Clubmusik zwischen Techno, Minimal und House bekannt, aber auch für sein Live-Konzertkonzept „Synth Happens“. Darin treffen analoge Orchesterklänge auf elektrisch aufgepumpte Bässe. Für Henneberg ein besonderes Format: „Als DJ sitzt du oft allein im Studio. Für jeden Musiker ist es ein Traum einmal mit einem Orchester zu spielen.“

Techno-DJ Andreas Henneberg spielt mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg das Konzert "Synth Happens" im Nikolaisaal. Quelle: Jan Russezki

Ein besseres Orchester hätte sich Henneberg dafür in Potsdam nicht suchen können. Das Deutsche Filmorchester Babelsberg hat in den letzten 25 Jahren bewiesen, dass es mit musikalischen Genregrenzen erfolgreich spielen kann. Mit über 1000 Konzerten mit Künstlern wie Udo Lindenberg und Metallica hat sich das Orchester mit seinen Experimenten schon längst Kultstatus erspielt.

Klassische Form, moderne Beats

Auf der Bühne eröffnet Christian Dellacher das Konzert. Der Dirigent hält alle klassischen Formalien ein. Trägt einen schwarzen Anzug, begrüßt die erste Geige mit einem Händedruck – dann aber, umarmt er Henneberg und setzt sich Kopfhörer auf.

Das Deutsche Filmorchester Babelsberg spielt mit den Techno-DJ Andreas Henneberg das Konzert „Synth Happens“ im Nikolaisaal. Quelle: Jan Russezki

Der Anfang des Best-Of aus 20 Jahren Henneberg, beginnt klassisch. Streicher und Bläser bauen das Stück auf, ein minimalistischer Beat setzt ein, in leichtem Bühnennebel spielt das Orchester auf den ersten Drop hin. „Techno!“, ruft jemand euphorisch vom Rang und mit dem ersten Höhenpunkt, der an die treibenden Beats in Berliner Nachtclubs erinnert, springen einige Technofans im Saal auf.

Gemeinsam Tanzen

Die Bandbreite des Songs reichte von ruhiger Klassik, Jazz, Trip-Hop bis zu stampfender Clubmusik. Eine Mischung, die gefühlvoll gesetzte Geigenstriche mit wirklich hartem Techno ermöglicht. Das passt erstaunlich gut zusammen und schafft es ruhige Phasen für Klassik- und Filmfans und ein Flötensolo zu schaffen, aber danach auch die Stimmung bis zu Standing Ovations und vor allem Tanz im Nikolaisaal anzuheizen. Clubatmosphäre in Konzertsaal.

Aber was ist mit der 67-Jährigen Karin Segeritz, die Klassikkonzert mag? Die Neugier lockte sie zu „Synth Happens“, obwohl sie den Techno, den ihr Sohn hört, nicht mag. Am Samstag ist das anders. „Ich würde am liebsten tanzen“, sagt sie. Und am Ende des Konzerts wird sie das auf der Party im Foyer auch tun.

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Von Jan Russezki

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