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Kultur „The Illusionists“ kommt erstmals nach Berlin
Nachrichten Kultur „The Illusionists“ kommt erstmals nach Berlin
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11:32 24.01.2017
Plötzlich hat der Portugiese Luis de Matos – verdoppelt auf der Leinwand – ein ganzes Aquarium mit Goldfischen gefüllt.
Plötzlich hat der Portugiese Luis de Matos – verdoppelt auf der Leinwand – ein ganzes Aquarium mit Goldfischen gefüllt. Quelle: Foto: Promo
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Berlin

Der Zauberer von gestern nennt sich heute Illusionist. Er spielt mit der Pose des Magiers und lässt sich dabei gezielt in die Karten schauen. Körperliche Kraft und Geschicklichkeit werden zelebriert, sind aber nicht mehr entscheidend. Was zählt ist Charisma. Ein Blick, ein Lachen muss genügen, damit sich jeder Zuschauer im Saal angesprochen fühlt. Intime Momente sollen entstehen, davon lebt die High-Tech-Show „The Illusionists“. Seit fünf Jahren tourt die Produktion bereits um die Welt. Ab 31. Januar gastiert die „Broadway’s No. 1 Magic Show“ erstmals in Berlin.

Neun Solo-Magier werden im Admiralspalast auf der Bühne stehen, zum ersten Mal wird eine Frau dabei sein. Allerdings zaubert sie nicht selbst, sondern übernimmt die Rolle eines Mediums. Das Zaubern in der Show bleibt Männersache. Die Magier verkörpern bekannte Stereotype: den Prinzen, den Frauenversteher, den Träumer, den Krieger, den Muskelmann, den Täuscher. Berühmte Vorbilder der klassischen Zauberkunst werden neu interpretiert, wie Harry Houdini, ein legendärer Entfesselungskünstler der 20er Jahre, aber auch David Copperfield, der wohl berühmteste TV-Magier.

Die Illusionisten trumpfen nicht mit Äußerlichkeit auf, das ist wohl ihr größter Trick. Sie tragen schwarze Anzüge und keine Zylinder. Ihre Zauberstücke sind altbekannt: Tiere und Menschen tauchen auf und verschwinden, Namen werden erraten, Ketten gesprengt, Frauen zersägt und Pfeile an Köpfen vorbeigeschossen. Produzent Simon Painter hat seine Darsteller im Fernsehen entdeckt. Jeder der Zauber-Profis liefert zwei seiner erfolgreichsten Tricks. Nichts muss neu erfunden werden.

Erst die Bühnenmittel erzeugen eine gemeinsame Handschrift. Fünf riesige Leinwände zoomen oder verwirren die einzelnen Handlungen. Moderne Sehgewohnheiten werden dabei bedient: LED-Bildschirme ergänzen als Riesenhandys das Geschehen, ohne den Zuschauer zu überfordern. Für emotionale Nähe sorgt eine Liveband mit Schlagzeug, Gitarre, Keyboard, Bass und Geigen. Die Musiker mildern Szenen mit zuckendem Licht-Geflimmer und sie verstärken kleine, konzentrierte Aktionen der Protagonisten.

Globalisierte Magie

Die Darsteller und ihre Rollen: Die Mentalisten – Thommy Ten & Amélie van Tass aus Österreich. Der Meistermagier – Luis de Mato aus Portugal. Der Waffenmeister - Ben Blaque aus den USA. Der Täuscher – James More aus Großbritannien. Der Ausbrecher – Krendl aus den USA. Der Manipulator – Yu Ho-Jin aus Südkorea. Der Außergewöhnliche – Raymond Crowe aus Australien. Der Unglaubliche – Enzo Weyne aus Frankreich.

Der Produzent: Simon Painter begann in London als Profigeiger, wechselte dann aber ins australische Show-Geschäft. 2012 entwickelte er gemeinsam mit Tim Lawson das Label “The Illusionists”. Die Magiershow spielte bisher in mehr als 50 Städten und in über 15 Ländern. Painter entwickelte Fortsetzungen wie „The Illusionists 2.0“, „The Illusionists 1903 - The Golden Age of Magic“ und The illusionists - Broadway’s Nr. 1 Magic Show“. Painter lebt heute in Kalifornien.

Im Admiralspalast, 31. Jan., 1.,2.,3. Feb., 20 Uhr. 4. FEb. 15.30 und 20 Uhr. 5. Feb., 14 und 18.30 Uhr. Karten unter 030/47997499 oder im Internet über über www.bb-promotion.com.

Der Fisch kommt aus dem Ärmel, verschwindet in der Faust, die taucht in ein leeres Aquarium und füllt das Becken plötzlich hundertfach mit Goldfischen – von Geigen untermalt. Eine zauberhafte Darbietung des Portugiesen Luis de Matos. Dabei ist alles Trickserei: Im Interview erzählt de Matos freimütig, dass er und seine Kollegen mit doppelten Wänden, Plastikhänden und Spiegeln arbeiten. „Die Leistung eines Pianisten wird nicht schmäler, wenn wir verstehen, wie ein Flügel funktioniert.“

Der jüngste Darsteller kommt aus Südkorea. Yu Ho-Jin zaubert mit einem Kartenspiel, dabei gibt es kaum etwas Langweiligeres als Kartentricks. Doch Ho-Jins Finger vollführen einen Tanz. Sie blättern auf, ziehen, stecken, schieben die Karten zusammen. Der Zuschauer fühlt beim Anblick der Herzdame die Glätte des Kartons und beim Aufblättern die harten Kanten gegen Fingerkuppen streichen. Dabei lächelt der Koreaner, als könne er nur an einen einzigen Menschen denken: ja, an Dich. Um ihn herum fallen dabei Riesensterne aus dem Dunkel.

Vor fünf Jahren debütierte Produzent Simon Painter mit seiner Zaubershow im australischen Sydney und eroberte bald die großen Bühnen des Kontinents. 2013 gelang ihm der Durchbruch auf dem Broadway. Seitdem schickt Painter „The Illusionists“ auf Welttournee, sogar in zwei identischen Bühnenfassungen. Seine Magier kommen aus aller Welt und spielen auf Bühnen in aller Welt: globalisierte Zauberei. Sie liefern der Show-Industrie Schablonen der Zauberkunst, die weltweit funktionieren sollen, in New York ebenso wie in Südkorea, Abu Dhabi, der Türkei und Paris.

Nicht alle Magier sind mit dem aktuellen Titel glücklich. „Illusionen entstehen, wenn wir abends allein im Bett liegen. Am nächsten Morgen zerplatzen sie“, erklärt de Matos im Gespräch. „Ich bin kein Illusionist. Ich bin ein Magier, einer, der Wunder vollbringt.“

Von Nathalie Wozniak