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Kultur Berliner Theatertreffen mit vielen Wasserspielen
Nachrichten Kultur Berliner Theatertreffen mit vielen Wasserspielen
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01:15 17.05.2019
Szene aus „Dionysos Stadt“ von den Münchner Kammerspielen. Quelle: Julian Baumann
Berlin

Stell Dir vor, Du bekommst einfach einen Eimer Wasser über den Kopf geschüttet. Und noch einen und noch einen. Was in Theateraufführungen als heimtückischer Akt angelegt sein kann, folgt natürlich einem verabredeten Regieplan. Trotzdem entwickeln Zuschauer oft Mitgefühl und Bewunderung für die Schauspieler, die da oft tropfnass und nackt auf zugigen Bühnen stehen und weiterspielen und sich hoffentlich keine Erkältung wegholen.

Mord in der Badewanne

Schon zur Halbzeit des Theatertreffens, das jedes Jahr um diese Zeit in Berlin stattfindet, lässt sich ein Trend erkennen: In der diesjährigen Auswahl der zehn bemerkenswertesten Inszenierungen aus den drei deutschsprachigen Ländern spielt das nasse Element eine wichtige Rolle. In dem umjubelten zehnstündigen Antike-Projekt „Dionysos Stadt“ von den Münchner Kammerspielen wird die Ermordung von Königen wie Agamemnon und Aigisthos ins heutige häusliche Badezimmer verlegt. Im dritten Abschnitt des Kontrastprogramms erzählt Regisseur Christopher Rüping die Orestie als Familienkomödie im TV-Soap-Format. Und da ist es ein Running Gag, dass die heimkehrenden Kriegshelden freudig in ihre lange vermisste Badewanne steigen und plötzlich von hinten eimerweise mit einer blutroten Flüssigkeit als getötet markiert werden.

Der weiße Kot des Adlers

Das Gaudi geht in Ordnung, da in den Stunden davor das Drama der menschlichen Existenz nicht einfach weggelacht wurde. Das Gemetzel um die Stadt Troja wird von dem 33-jährigen Rüping als monumentales, aufwühlendes und akustisch enervierendes Schlachtengemälde in Szene gesetzt. Und auch die Leidensgeschichte von Prometheus wird von dem großartigen Ensemble in ergreifender Weise nacherzählt. Bekanntlich wurde Prometheus von Zeus im Kaukasus an einen Felsen geschmiedet, weil er gegen den Willen des Göttervaters den Menschen das Feuer zur Verfügung gestellt hat. Der junge Schauspieler Benjamin Radjaipour, der die antiken Texte mit überwältigender natürlicher Autorität spricht, wird in einem engen Käfig in die Höhe gezogen. Dort löst er wiederholt eine Art Dusche aus, die ihn kopfüber mit einer weißen Flüssigkeit überzieht. Die Farbe steht für den Kot des Adlers, den Prometheus isst, um zu überleben. Der Adler ernährt sich wiederum von der nachwachsenden Leber des Unsterblichen. Nach Jahrtausenden befreit Herakles schließlich Prometheus aus diesem misslichen Kreislauf. Auf ebener Bühne erscheint eine Art Notfallsanitäter mit einem Tornister und spritzt Prometheus gründlich mit dem Schlauch ab.

Rituelle Waschung

Kulturhistoriker leiten die Idee des Theaters gern aus antiken Zeremonien her oder aus kultischen Handlungen, die es in allen Weltreligionen gibt. Um Reinheit zu erlangen, bedarf es ritueller Reinigungen. So berichtet auch die Bibel von Fußwaschungen oder vom Händewaschen als Symbol.

Missbrauch wird abgeschrubbt

So gesehen ist es kein Wunder, dass auch in Sebastian Hartmanns dekonstruktiver, hochnervöser Bühnenfassung des Romans „Erniedrigte und Beleidigte“ eine Zinkbadewanne in die Bühnenmitte geschoben wird. Not, Pein und Verlorenheit bestimmen die Gefühlswelt des tief religiösen Autors Fjodor Dostojewski. Seine Figuren schreien so wild zum Himmel, dass nicht wenige Besucher am Montagabend noch während der 160 pausenlosen Minuten das Gastspiel aus Dresden verließen. Der Regisseur hat es sich zum Programm gemacht, die Seelenzustände unglücklich liebender und träumender Bewohner einer russischen Großstadt mit expressiver Körperlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Furios der Schauspieler Torsten Ranft, der mit nicht zu bändigender Kraft einen vom Theater manisch besessenen Theoretiker spielt. Dem kranken Waisenkind Nelly dichtet Regisseur Hartmann eine Übersprungshandlung an. Freudig erregt erzählt das Mädchen, wie sie von einem alten Mann missbraucht wurde. Danach wird sie von allen acht Mitspielern in die Wanne gezerrt und geschrubbt.

Wasser- und Redeschwall

Im zeitgenössischen Regietheater sind auch Waschungen zu sehen, die fürsorgliche Liebe ausdrücken. In „Persona“ nach dem gleichnamigen Avantgardefilm von Ingmar Bergman begegnen sich in einer mit Wasser gefluteten und mit Spiegelglas ausgeschlagenen Muschel zwei Frauen: Eine Schauspielerin, die während einer Theatervorstellung stumm geworden ist (Katrin Lithman) und eine Krankenschwester als Betreuerin (Corinna Harfouch). Sie unterzieht die Patientin mit einer zärtlichen Waschung, begleitet von einem Redeschwall, der im Lauf des Abends immer aggressiver wird. Abgesehen davon, dass die beiden leibhaftigen Schauspielerinnen über weite Strecken völlig durchnässt spielen müssen, erweist sich am Ende die Figur der Pflegerin als die Kranke. Anna Bergmann hat den Stoff für das Deutsche Theater Berlin als etwas kitschiges Märchen für Erwachsene inszeniert.

Wie im Pflegeheim

Die ergreifendste Waschung konnte der Festivalbesucher bisher in „Unendlicher Spaß“ nach dem Roman von David Forster Wallace in der Regie von Thorsten Lensing erleben. In einer der aneinandergereihten sketchartigen Szenen steht der beleibte Schauspieler Heiko Pinkowski als hilfloser Insasse einer Entzugsklinik plötzlich splitternackt und frontal im Mittelpunkt. Eine Schwester tritt an ihn heran und der Besucher der Sophiensäle fühlt sich einige Minuten in eines der vielen Pflegeheime versetzt, in denen diese aufopferungsvolle Arbeit tagein tagaus geleistet wird. Die Pflegerin verhält sich völlig korrekt, lässt auch das Geschlechtsteil bei der obligatorischen Reinigung nicht aus. Realismus pur.

Nackte Männer und Nebel

Nackte Männer auf der Bühne konnte man bisher in drei von fünf Aufführungen erleben. Nackte Frauen hingegen keine einzige, was am aufgebrachten Gender-Thema liegen könnte. Auch Bühnennebel wird in vielen Inszenierungen versprüht. Der Schweizer Regisseur Thom Luz hat in „Girl From the Fog Machine Factory“ sogar eine clowneske Geschichte um die Herstellung und das Verschwinden des Bühnennebels entwickelt.

 

 

Von Karim Saab

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